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Stages 2010

Nördlich der Seidenstraße

Ein Kongress- und Veranstaltungszentrum der Superlative in Taschkent

Nach nur einem halben Jahr Planungs- und Bauzeit entstand im usbekischen Taschkent der International Forums Palace Uzbekistan — eines der wohl bemerkenswertesten Bauprojekte des Jahres 2009 mit einer Nutzfläche von knapp 40.000 Quadratmetern und dem Budget eines mittleren Verkehrsflughafens. Für die gesamte A/V-Medientechnik war das Systemhaus SALZBRENNER STAGETEC AVM zuständig: Eine Herausforderung der besonderen Art in diesem modernsten Veranstaltungskomplex Zentralasiens 

img_2669_01taschkentBereits zu Zeiten der griechisch-römischen Antike beschrieb Herodot erstmals den Verlauf der Großen Seidenstraße, deren Hauptroute den Mittelmeerraum mit Ostasien verband und damit über viele Jahrhunderte hinweg ganz entscheidenden Einfluss auf den Handel zwischen Ost und West, aber auch auf den Austausch der Kulturen ausübte. Nicht weit entfernt von dieser kulturellen und ökonomischen Achse liegt Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans. Hier entstand im letzten Jahr der International Forums Palace Uzbekistan, eine in dieser Form wohl weltweit einzigartige Kombination aus palastähnlichem Repräsentationsgebäude für offizielle Staatsakte und Konferenzen, einem High-Tech-Kongresszentrum und einem Theatersaal mit rund 1.850 Sitzplätzen. Was die außergewöhnliche Architektur, den luxuriösen Innenausbau und die ausgesprochen hochwertige technische Ausstattung betraf, vertraute der zentralasiatische Staat weitestgehend auf deutsche Unternehmen. Um eine pünktliche Fertigstellung innerhalb des äußerst knappen Zeitrahmens zu gewährleisten, ließ man eine moderne Form der einstmaligen Seidenstraße wieder auferstehen. Auf einer »Luftbrücke« zwischen Usbekistan und Deutschland wurde von der Rigipsplatte bis zum Christie-Projektor alles transportiert — während der entscheidenden Bauphase zuweilen mehrere hundert Tonnen Material täglich. Aber dieser logistische Kraftakt ist beileibe nicht die einzige Besonderheit dieses ganz und gar nicht alltäglichen Bauprojekts.

Marmor und Kristalle

_dsc4742taschkentSeit Herbst 2009 ziert nun das neue Wahrzeichen die zentralasiatische Metropole: Der Forumspalast aus schneeweißem Thassos-Marmor am Amir-Timur-Platz ist mit seinem Grundriss von 80 x 100 Metern und dem fast 50 Meter hohen Kuppeldach kaum zu übersehen. Bei der Materialauswahl für die Innengestaltung konnten die Architekten aus dem Vollen schöpfen. Gefragt war alles, was gut und teuer ist. Ein ehrgeiziger Ansatz, den die Auftraggeber übrigens auch auf die gesamte technische Ausstattung übertrugen. Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht spektakulär und einzigartig. Luxus und Exklusivität, so weit das Auge reicht: riesige Flächen aus hochglanzpoliertem Marmor, aufwändig gipsgegossene Reliefwände, eine Haut aus Blattpalladium für den zentralen Saal, und insgesamt rund 1,8 Millionen Swarovski-Kristalle, die unter anderem in riesigen Kugellüstern verarbeitet wurden. Der größte von ihnen, ein elliptisches Unikat, schmückt mit einer Länge von 23 Metern das Foyer. Der Hauptsaal mit der Kuppel hat eine Höhe von 48 Metern; zu seinen Ausstattungsmerkmalen zählen eine 25 Meter breite und bis zu 20 Meter tiefe Bühne, eine aufwändige, unter anderem mit mehrfarbigen LED-Bändern realisierte Lichttechnik sowie Portale aus hochglänzendem Ebenholz. Neben dem Hauptsaal verfügt das Gebäude noch über einen Konferenzsaal, einen Bankettsaal, ein Restaurant sowie über umfangreiche Räumlichkeiten für Islom Karimov, den seit mehr als 18 Jahren amtierenden Staatspräsidenten Usbekistans.

Verkabelung im Zeitrekord

_dsc4883taschkentIm Juni 2009 erhielt das Systemhaus SALZBRENNER STAGETEC Audio Video Mediensysteme GmbH, ebenso wie die Stage Tec Entwicklungsgesellschaft und der Intercom-Spezialist DELEC, eine erste Anfrage der auf Theatertechnik spezialisierten Planungsgesellschaft theapro aus München. Gegenstand der Anfrage: die Planung und Realisierung der gesamten A/V-Medientechnik für den Forumspalast in Taschkent. Zu diesem Zeitpunkt war der Bau bereits in vollem Gange und es zeichnete sich recht schnell ab, dass dies kein Großprojekt wie jedes andere werden würde. Dagegen sprach allein schon der Fertigstellungstermin 1. September, fest vorgegeben durch eine für diesen Tag geplante, spektakuläre Eröffnungsveranstaltung. Noch im März 2009 hatte am Amir-Timur lediglich ein gigantisches Stahlgerüst mit einigen Zwischendecken, jedoch ohne Außenfassaden oder anderen Wänden, gestanden. Wer die üblichen Planungs- und Bauzeiten für Projekte dieser Größenordnung kennt, wird einschätzen können, wie abenteuerlich ein solcher Zeitrahmen erscheinen musste.
Bereits zwei Wochen nach der ersten Anfrage erhielt SALZBRENNER STAGETEC AVM den Auftrag, wenige Tage später hatte man schon die ersten eigenen Leute vor Ort. Markus Schirmer, beim Buttenheimer Systemhaus für das Projekt Taschkent zuständig: »Die größte Herausforderung bestand für uns darin, innerhalb kürzester Zeit qualifizierte Leute zur Baustelle zu bringen und diese dann auch umgehend mit dem benötigten Material zu versorgen. Gerade für die Verkabelung eines derart umfangreichen Projektes steht nur eine sehr kurze Zeitspanne zur Verfügung, bis der Baufortschritt weitere Kabelarbeiten extrem erschwert oder unmöglich macht. Deshalb waren bereits nach drei Wochen die ersten Kabel von uns im Gebäude verlegt.« Auch bei vielen anderen Komponenten kam es angesichts der branchenüblichen Lieferzeiten zu erheblichen Beschaffungsproblemen. Es ist beispielsweise nicht ganz einfach, innerhalb kürzester Zeit 300 Deckenlautsprecher eines bestimmten Typs zu erhalten, die wenige Tage später bereits in Taschkent eingebaut werden sollen. Ein großes Plus für die ausführenden Firmen war die Tatsache, dass der gesamte Materialtransport von Deutschland bis zur Baustelle in den Händen des Bauherren lag und ausgezeichnet organisiert war. Die Firmen mussten sich so nicht selbst um die Logistik für den Materialnachschub kümmern.

Technisch wegweisend

p1000198taschkentBei der Planung und Auswahl der in Taschkent zu installierenden Geräte galten besondere Spielregeln: Grundsätzlich wollten die Auftraggeber in allen Gewerken zukunftssichere Installationen auf höchstem technologischen Niveau; gleichzeitig galt es, für betont einfache Bedienbarkeit zu sorgen, da der Ausbildungsstand des späteren Betreiberpersonals in der Planungsphase nicht bekannt war. Es musste zudem sichergestellt sein, dass die einzelnen Systeme jahrelang problemlos einsetzbar bleiben, da die nötigen Spezialisten für etwaige Nachbesserungen vor Ort nicht verfügbar sind. Da zudem die genaue Art der späteren Nutzung offen blieb, mussten in allen Teilbereichen hochflexible Lösungen realisiert werden — insgesamt ein kaum zu lösender Widerspruch. Die Logistik und Zeitplanung für die Anlieferung und Installation der hochempfindlichen Technik war ebenfalls alles andere als einfach und erforderte ständige Kommunikation mit anderen Gewerken. So kann es angesichts der Staubbelastung auf einer solchen Großbaustelle fatale Folgen haben, beispielsweise einen Hochleistungs-Beamer einen Tag zu früh in Betrieb zu nehmen. Zusätzlich mussten die anfallenden Wärmelasten der Geräte präzise berücksichtigt und durch eine entsprechende Klimatechnik abgeführt werden — im letzten Sommer wurden in Taschkent Temperaturen von bis zu 47 Grad im Schatten gemessen. Das im Gebäude benötigte Material wurde nicht mit Hilfe von Maschinen bewegt, sondern grundsätzlich von Menschen hereingetragen — notfalls wurden Menschenketten gebildet, um beispielsweise in Windeseile ein Gerüst auf- oder abzubauen. Zeitweise waren neben den rund 4.000 usbekischen Arbeitern mehr als 1.000 Deutsche auf der Baustelle beschäftigt. Gearbeitet wurde Tag und Nacht in mehreren Schichten und an sieben Tagen pro Woche; anders war der äußerst knappe Zeitplan nicht umzusetzen.

Feiern im Doppelpack

dsc03680taschkentDie Termine für die ersten beiden Großveranstaltungen im Hauptsaal, beide in Anwesenheit des Staatspräsidenten, standen bereits bei der Auftragsvergabe unumstößlich fest: Am 1. September sollte neben dem Unabhängigkeitstag auch das 2.200-jährige Bestehen der Stadt Taschkent gefeiert werden, und für den 5. Dezember standen die Feierlichkeiten zum Verfassungstag der Republik Usbekistan an. Da sich recht bald abzeichnete, dass die Installation der umfangreichen Medientechnik zumindest bis zum ersten Termin nicht endgültig abgeschlossen werden konnte, entschied man sich bei SALZBRENNER für ein zweigleisiges Konzept. Auf der einen Seite arbeitete das Team vor Ort so lange wie möglich weiter an der Installation; parallel dazu wurde rechtzeitig ein zweites, sechsköpfiges Team unter der Leitung von Rainer Hettwer (SALZBRENNER AVM) samt benötigtem Leih-Equipment eingeflogen, um den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung und der Proben zu gewährleisten. Da die fest installierten Kabelwege meist noch nicht verfügbar waren, wurde ein Großteil der Technik für diese erste Veranstaltung fliegend verkabelt. Die Bereitstellung von Leih-Material und der temporäre Aufbau erhöhten natürlich den logistischen Aufwand zusätzlich; so musste bestimmtes Equipment zum Teil speziell für die Events von Drittfirmen zugemietet werden. Im Zuge der Vorbereitungen und Proben zum 1. September erwiesen sich zudem verschiedene technische Ergänzungen und Erweiterungen, die in der ersten Planung noch nicht berücksichtigt worden waren, als notwendig für die endgültige Installation. Nachdem das Gebäude am 1. September zumindest optisch den Eindruck vermittelt hatte, fertig zu sein, verwandelte es sich unmittelbar nach der ersten Veranstaltung wieder in eine Großbaustelle. Mit einem für unsere Verhältnisse fast undenkbaren Personaleinsatz wurde in buchstäblich allen Räumen parallel weitergearbeitet, um die noch ausstehenden Arbeiten fortzusetzen. Die Veranstaltung am 5. Dezember 2009 konnte zu einem großen Teil auf fertig installierte Technik zurückgreifen; so standen beispielsweise das digitale STAGETEC-Tonmischpult CRESCENDO und das NEXUS-Audionetz zur Verfügung. Allerdings wurde auch für diesen Termin aus organisatorischen Gründen eine zusätzliche Crew aus Deutschland eingeflogen, die etwa zwei Wochen vor der Veranstaltung eintraf. Die wichtigste Arbeit für die Event-Crew bestand zunächst im Zuordnen und Prüfen der für die Veranstaltung benötigten Kabelwege, die zwar bereits verlegt, aber noch nicht getestet worden waren. Der Zeitplan erwies sich auch diesmal als äußerst eng, da allein für die Proben des häufig geänderten Programmablaufs rund zehn Tage angesetzt waren. Trotzdem waren die Audio- und Videosysteme für die technische Begleitung der Proben nutzbar.

Lösung vor Ort

Markus Schirmer zieht ungeachtet zahlreicher Hürden auf dem Weg zur pünktlichen Fertigstellung dieses Mammutprojekts eine ausgesprochen positive Bilanz: »Taschkent ist aus meiner Sicht ein gutes Beispiel dafür, dass sich letztendlich vor Ort immer gute Lösungen für Detailprobleme finden lassen, wenn die einzelnen Gewerke so gut zusammenarbeiten wie in diesem Fall. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Firmen funktionierte ausgezeichnet und oft war ein Problem auf der Baustelle schneller gelöst als hier darüber entschieden werden konnte.«

1. Foto, Außenansicht:  Udo Baldauf, Rudolf-Leonhard-Straße 40, 01097 Dresden, www.fotobaldauf.de