Das TrueMatch-Verfahren erlaubt es, die Dynamik herkömmlicher
A/D-Wandler zu erweitern. Im Studioeinsatz befinden sich heute fast
ausnahmslos A/D-Wandler mit 64-fachem oder 128-fachem Oversampling.
Diese Wandler verfügen über eine ausgezeichnete Linearität,
die im Wesentlichen nur noch durch die Rechengenauigkeit der Dezimierungsfilter
bestimmt wird und als praktisch fehlerfrei betrachtet werden darf.
Dennoch werden in den Datenblättern der A/D-Wandler Linearitätsmessungen
angegeben, die bei kleineren Pegeln zunehmende Fehler aufzeigen.
Folgende Faktoren sind hierfür die wesentlichen Ursachen:
›
Rauschen Eine positive Abweichung signalisiert, dass der digitalisierte
Wert einer größeren als der tatsächlich angelegten
Eingangsspannung entspricht: Das Wandlerrauschen addiert
sich zur Eingangsspannung.
›
Ungenügende Bitbreite Sowohl positive als auch negative Abweichungen
von der Linearität zeigen, dass ein Rundungsfehler vorliegt:
Der digitalisierte Wert bildet das Eingangssignal nicht mehr genau
ab. Dieses Phänomen kennt man auch als »Quantisierungsrauschen«.
Hieraus folgt, dass die vorhandene Wandlertechnologie bestens zur
Digitalisierung großer Audiosignale geeignet ist. Die theoretisch
größte Genauigkeit der Digitalisierung eines Audiosignals
erreichen diese Wandler knapp unterhalb der Clip-Grenze: Harmonische
Verzerrungen und Rauschen besser als –100 dBFS (THD&N < 0,001%)
sind heute keine Seltenheit mehr.
Signale mit geringem
Pegel
Bei kleinen Audiosignalen werden jedoch wesentlich schlechtere Werte
erreicht. Bei einem Signal, das beispielsweise 60 dB unterhalb der
Clip-Grenze liegt, werden bei den heute üblichen A/D-Wandlern Verzerrungs-
und Rauschwerte von nur noch 0,1…0,5% (THD&N < –60…45 dB
bei 60 dbFS) erreicht d.h., derartige Audiosignale werden nur noch
in 8…10 Bit aufgelöst.
Berücksichtigt werden dürfen somit nicht nur die großen
Pegel, denn in der Audiotechnik stört sich niemand an Klirrfaktoren
von 1% bei Vollaussteuerung (beispielsweise bei Lautsprechern), sondern
auch bei kleinen Pegeln muss es sehr verzerrungsarm und möglichst
rauscharm zugehen.
Mehr Dynamik
Da ferner unsere akustische Umgebung eine sehr große Dynamik
umfasst und laute Signale bei der Wandlung keinesfalls die Clip-Grenze
erreichen dürfen – ein ausreichender »Headroom« muss
einkalkuliert werden –, gab es in der Audiotechnik permanent
den Ruf nach größerer Dynamik, in der Digitaltechnik nach
mehr »Bits«.
Die Entwicklung führte demzufolge zu immer höherer Auflösungen,
jedoch wurde von theoretischen Dynamikwerten ausgegangen: 16-Bit-A/D-Wandler
besitzen THD&N-Werte von –96 dBFS, 20-Bit-Wandler –120 dBFS
und 24-Bit-Wandler –144 dBFS (Werte grob gerundet). Hierbei
wurde jedoch die analoge Technik nicht berücksichtigt: Aufgrund
von analogen Eingangsstufen steigen Klirrverzerrungen bei zunehmendem
Pegel an.
Die reale Welt der Wandler
Die Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen den Verzerrungen und
dem Rauschen in Abhängigkeit des Pegels. Bei einem 24-Bit-Wandler
beträgt der theoretische THD&N-Wert bei Vollaussteuerung
(0 dBFS) etwa –144 dBFS. Bei einem sehr kleinem Pegel
von < 144 dBFS
kann das Signal durch den Wandler nicht mehr aufgelöst werden,
der Rauschanteil entspricht dem Signalanteil (Quantisierungsrauschen)
beziehungsweise überwiegt sogar. Diesen theoretischen Sachverhalt
zeigt die gestrichelte Linie.
Die mit zunehmendem Pegel zusätzlich von realen Wandlern erzeugten
Klirrverzerrungen sind im rechten Teil der Grafik dargestellt.