Südwestrundfunk
Riesige Audio-Kreuzschienen
und Steckfelder prägten früher das Erscheinungsbild eines
Hauptschalt
raumes. Der SWR jedoch bringt seine gesamte zentrale Audioschalttechnik in Stuttgart
in nur zwei 19"-Gestellen unter. Möglich wurde dies
durch einen Griff nach den Sternen…
Kleiner STAR für großen Sender
Die Neuentwicklung von Stage Tec kam für den SWR Stuttgart genau zum richtigen Zeitpunkt. Mit dem Konzept einer Campus-weiten MADI-Verkabelung im Kopf und auf der Suche nach einer großen, zentralen Hauptschaltraum-Kreuzschiene für MADI-Signale erfuhr Marc-Oliver Brehm, der zuständige Planer des SWR, von NEXUS-STAR. Das neue Routing-Element der NEXUS-Familie befand sich zu dieser Zeit zwar noch im Entwicklungsstadium, aber seine Features deckten sich mit den Vorgaben des Senders. Somit war schnell klar:
Der SWR wurde erster NEXUS-STAR-User.
Audio vernetzt …
Technisch gesehen entspricht der NEXUS-STAR einem Knoten innerhalb eines dezentralisierten Audionetzes. Lokal installierte, herkömmliche NEXUS-Basiseinheiten und digitale Großgeräte mit MADI-Interface wurden im SWR mit dem NEXUS-STAR verbunden, der nun sternförmig von jeder Quelle im Haus auf jede Senke verteilen kann.
Grundsätzlich stehen am NEXUS-STAR zwei verschiedene Interfaces zur Verfügung: MADI und das NEXUS-eigene FOC-Format. Letzteres wird normalerweise zur Verkopplung mehrerer Basiseinheiten untereinander verwendet. Es ist im Gegensatz zu MADI kein reines Audio-Interface sondern ein Dateninterface, das eine echte Vernetzung aller angeschlossenen NEXUS-Einheiten darstellt. Dazu kennt jede NEXUS-Einheit die genaue Konfiguration jeder anderen Einheit im Netz, sodass man von jeder NEXUS-Einheit aus alle Ein- und Ausgänge fernsteuern kann.
… Steuerung unvernetzt
In vielen großen Audio-Netzen ist diese Funktion ausdrücklich gewünscht – beim SWR traf dies jedoch nur eingeschränkt zu. Eine FOC-Anbindung mit Möglichkeit der NEXUS-Fernsteuerung wählte der SWR lediglich für Teilbereiche des NEXUS-Netzes. So etwa für den Anschluss der externen Leitungen, also all jener Anteile, die vom Hauptschaltraum selbst gemanagt werden. Die Verbindung vom Hauptschaltraum zu den Regien sowie zum sogenannten SWR-Grundnetz, das zentralen Diensten wie der Überspielung, Anbindung des externen Funkstudios Villa Berg etc. dient, erfolgt nicht über ein Datenkabel, sondern über digitale Audioleitungen.
Der Vorteil dieser Anbindung: Aus den Regien kann es keine Rückwirkungen in den Hauptschaltraum geben. Weder kann ein Mitarbeiter in der Produktion aus Versehen eine Sendeleitung kappen, noch haben lokale Wartungen, Umbauten oder Updates einen Effekt auf den Hauptschaltraum. Er ist lediglich über eine einmal festgesetzte Anzahl von MADI-Verbindungen an die einzelnen Unternetze angeschlossen und »kennt« die NEXUS-Konfigurationen vor Ort in den Regien nicht. Die lokalen Netze können daher auch beliebig verändert werden, sich den wandelnden Gegebenheiten anpassen und vor allem mitwachsen, ohne dass bei jeder Änderung im Hauptschaltraum eine neue NEXUS-Konfiguration eingespeist werden müsste. Verteilung hausintern
Angefangen hat die Digitalisierung des SWR in den Regien. Alte analoge Regien wurden durch digitale ersetzt, die man auch schon mit dem analogen Schaltraum via MADI verbunden hatte. Dieses kompakte Format – bis zu 64 Hin- und Rückwege auf einem Glasfaser-Leitungspaar – wird von den heutigen digitalen Mischpulten sowieso angeboten, sodass es sich als preisgünstige und praktische Lösung in Stuttgart empfahl.
Im Moment verfügt der SWR über insgesamt sechs digitale Regien mit je einer MADI-Verbindung in den Hauptschaltraum; drei MADI-Leitungen sind als Reserve vorgesehen. Auch sieben noch analoge Regien im Hauptgebäude liegen über MADI-Links im Hauptschaltraum an. Die Regien teilen sich zu diesem Zweck zwei NEXUS Basiseinheiten, die zusätzlich zu ihrer Hauptaufgabe noch lokale Routingkapazität zur Verfügung stellen. In gleicher Weise ist das SWR-Grundnetz mit Dreiton, Kenngebern, zentraler Überspielung etc. angebunden.
Zusammen mit der Programmwähl-Anlage (siehe Kasten), einer Besonderheit des SWR, liegen neun Basiseinheiten und sieben Digitalregien mit insgesamt 24 MADI-Leitungen à 64 Kanälen am NEXUS-STAR des Hauptschaltraums an. Dazu ist der NEXUS-STAR mit sechs MADI-Karten bestückt – und damit noch nicht einmal zur Hälfte belegt.
Programmwählanlage
Wie realisiert man in einem großen Haus eine einfache und trotzdem komfortable Abhörmöglichkeit vieler Rundfunkprogramme? Der SWR hat diese Frage auf eigene Weise beantwortet: mit einer Programmwählanlage übers Telefon. An 160 Arbeitsplätzen überall im Haus können die Redakteure durch Tastenkombinationen an ihrem Telefon den Stereoton eines der 40 eingespeisten Hörfunk- und TV-Programme sowie alle anderen im NEXUS-Verbund existierenden Quellen auf ihre lokalen Abhörlautsprecher schalten. Aus Redakteurssicht ist dies eine simple Lösung, aus Sicht der Technik jedoch ziemlich anspruchsvoll. Die Tastenkommandos aus der Telefonanlage müssen von einer speziellen Software aus dem Hause Veith ausgewertet und als Steuersignal an die NEXUS-Audiokreuzschiene weitergeleitet werden. Drei eigens für diesen Zweck installierte Basiseinheiten führen somit Telefon-gesteuert die Signalverteilung auf die schon aus »analogen« Zeiten vorhandene Hausverkabelung aus.
Doppelstern
Zusätzlich zu den hausinternen Quellen sind auch externe Quellen und Senken zu berücksichtigen; die Sternpunkt-Leitungen etwa, oder vor allem die Sendeleitungen. Sie wurden über eine Basiseinheit mit NEXUS-FOC-Verbindung in das NEXUS-STAR-Netzwerk integriert. Das innere »Herz« des SWR-Audionetzes besteht demnach aus einem NEXUS-STAR und einer Basiseinheit. Aus Sicherheitsgründen, aber vor allem auch um eine größtmögliche Flexibilität bei Umbaumaßnahmen im Hauptschaltraum zu gewinnen, wurde dieser innere Teil vollständig gedoppelt: Zwei Basiseinheiten, die über Passivsplitter mit den angehenden externen Leitungen versorgt bzw.über Prioritätsweichen auf die externen Senken geschaltet werden, und zwei NEXUS-STARs, die auf die MADI-Verbindungen im Haus arbeiten. Im Normalbetrieb ist nur ein Pärchen aus NEXUS-STAR und Basiseinheit im Einsatz, das zweite Pärchen steht auf Tastendruck bereit. Um diese Besonderheit umsetzen zu können, nutzt der SWR eine Neuentwicklung: einen passiven faseroptischen Splitter sowie einen ebensolchen Schalter. Die beiden Elemente nehmen jetzt die Verteilung der eingehenden MADI-Leitungen auf beide NEXUS-STAR-Elemente sowie die Schaltung der vom derzeit aktiven NEXUS-STAR abgehenden MADI-Leitungen vor.
Zeitschiene für NEXUS
NEXUS – ob mit oder ohne NEXUS-STAR – schaltet Audiosignale, und zwar sofort. Im Hauptschaltraum will man aber zeitgesteuerte Schaltungen mit Vorbuchungsmöglichkeit vornehmen; anders ließe sich der stressige Alltag nicht realisieren. Um NEXUS einen Zeitbezug zu geben, setzt der SWR das Routingsystem RoSy von Veith ein, dessen Vorgängermodell sich schon bei der Steuerung der analogen Anlagen bewährt hatte.
RoSy ermöglicht Zeitbuchungen, nimmt bei eingebuchten Schaltvorgängen eine Kollisionsprüfung vor, automatisiert gewisse Schaltvorgänge wie z. B. die Schaltung des Sendesignals auf den entsprechenden Soundprozessor und Sendebegrenzer, bevor es auf die Sendeleitung gegeben wird. Es steuert NEXUS sehr umfassend, indem es beispielsweise Stereoquellen automatisch auf zwei NEXUS-Kanäle routet oder wo nötig auch Mono-Umwandlungen veranlasst. RoSy läuft auf einem eigenen Client-Server- Computernetzwerk. Momentan sind lediglich im Hauptschaltraum Bedien-Clients installiert, während in den Regien nur je ein Bildschirm über den Status der Leitungsschaltung informiert. Falls es zukünftig gewünscht ist, könnte man die Regien nachträglich mit Clients ausstatten. Über diese ließen sich auch außerhalb des Schaltraumes Schaltungen eingeben – man könnte NEXUS dann also doch von jedem Platz aus fernbedienen!
Generationswechsel
Derzeit (Frühjahr 2001) läuft NEXUS-STAR noch parallel zu seinem Vorgänger, der großen analogen Kreuzschiene von Ghielmetti und Siemens. Die komplexe RoSy-Steuerung ist noch im Probebetrieb und gerade im sensiblen Herzen des Senders will man kein unnötiges Risiko wagen. Doch auch jetzt schon zeigen sich die Vorzüge der neuen Installation. Es sind die NEXUS-typischen Vorteile: extrem kurze Verzögerungszeit, kompakte Bauweise, einfache Wartung, hohe Zuverlässigkeit und übersichtliche Bedienung. Neu ist allerdings die außerordentlich hohe Routingkapazität, die den SWR-Planer Marc-Oliver Brehm begeistert: »Wir konnten aasen mit den Regieanbindungen, weil NEXUS-STAR so groß ist!«. Gleichzeitig groß in der Leistung und bescheiden im Auftreten – ein echter STAR eben.
Fakten über den STAR
NEXUS-STAR ist eine extrem leistungsfähige Routing-Komponente für
umfangreiche Audio-Vernetzungen, wie sie beispielsweise im Rundfunk,
bei großen Produktionsfirmen oder auf Messegeländen benötigt
werden. NEXUS-STAR kann mit bis zu 16 Steckkarten ausgestattet werden,
von denen jede für das Routing von 256 Audiosignalen dimensioniert
ist. Daraus ergibt sich eine maximale Ausbaustufe eines vollausgestatteten
NEXUS-STARs von 4.096 Eingängen und 4.096 Ausgängen mit über
16 Millionen Routingpunkten. Um noch größeren Installationen
gerecht zu werden, kann man mehrere STAR-Einheiten kaskadieren. Die Eingänge
lassen sich vollkommen beliebig auf die Ausgänge schalten; von einfachen
Punkt-zu-Punkt- Routings bis hin zu Multipunkt- Verschaltungen. NEXUS-STAR
unterstützt derzeit zwei unterschiedliche Interface-Karten. Neben
der Fibre-Optic-Connection RFOC zur Anbindung an andere NEXUS-Basisgeräte
bietet das System eine Steckkarte mit jeweils vier MADI-Anschlüssen.
Sie ermöglicht es, große digitale Audiosysteme wie Mischpulte
oder Mehrspurmaschinen direkt anzubinden. NEXUS-STAR arbeitet synchron,
wie das gesamte NEXUS-System. Dank der intern verwendeten TDM-Technologie
benötigt das System nur eine sehr kleine und konstante Verzögerung
von lediglich sechs Samples für alle Signale. Das macht das System
ideal für zeitkritische Anwendungen wie beispielsweise Liveübertragungen.
Das gesamte NEXUS-Netz führt während des Betriebs eine Anzahl
von Selbsttests durch. Fällt beispielsweise ein Kabel aus, so kann
das System automatisch und unhörbar auf einen redundanten Signalweg
umschalten. Zusätzlich lassen sich sämtliche Karten im laufenden
Betrieb austauschen, womit ein maximaler Grad an Zuverlässigkeit
gegeben ist. Ein weiterer Vorteil von NEXUS-STAR: Es ist ein äußerst
sparsames System. Nur etwa 160 W benötigt ein vollausgestattetes
System, wodurch es ohne Lüfter auskommt. Auch rein äußerlich
präsentiert sich der Große klein und fügt sich mit lediglich
sechs Höheneinheiten recht bescheiden in jeden Maschinenraum ein.
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