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2000

Hessischer Rundfunk

Der Computereinsatz revolutioniert die Rundfunkwelt: PCs statt Bandmaschinen, Computernetzwerke statt Audioleitungen, Dateitransfer statt Überspielung – das bringt Auswirkungen in allen Bereichen mit sich, auch für das gesamte Campus-Routing. Der Hessische Rundfunk geht dabei mit seinem neuen Hörfunk-Komplex neue Wege mit NEXUS als Herz.

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NEXUS  im HR
Acht Wellen, zentrale ARD-Dienste wie Astra-Einspeisung, digitale Produktionstechnik, computerisierte Redaktions- und Sendesysteme in mehreren Gebäuden – das Projekt ist einzigartig: Der Hessische Rundfunk hat seinen gesamten Hörfunkkomplex auf einen Schlag von traditioneller auf digitale, vernetzte Technik umgestellt. Damit wagte der Sender viele Schritte auf einmal, denn die neue Technik kopiert nicht einfach auf digitaler Ebene die bisherigen Strukturen innerhalb des Hauses; sie verbindet vielmehr die Möglichkeiten von neuen Arbeitsweisen und Technologien mit Altbewährtem. Das Ergebnis ist eine zukunftsweisende, innovative Installation!

Sind einzelne Wellen in digitalisierter Form heute schon durchaus üblich, so ist jedoch die Gesamtheit eines großen Mutterhauses mit durchgängiger Computerisierung noch ein echtes Novum. Dadurch stellte sich in der Planungsphase die Aufgabe, die Signalverteilung innerhalb des Hauses neu zu überdenken. Denn einige klassische Aufgaben der Signalverteilung entfallen durch die Computervernetzung: Audio wird beispielsweise innerhalb der Wellen und teilweise auch im Wellenaustausch als Datei übers Netz statt über Audioleitung verschickt. Dafür gibt es aber auch einige neue Routing-Wege, die abgedeckt werden müssen. Die BFE Studio- und Mediensysteme GmbH als Generalunternehmer hat deshalb die Routing-Anforderungen genau analysiert und darauf passend ein vielmaschiges NEXUS-Netz aus derzeit 19 Basiseinheiten entworfen.

Innerhalb der Regien

Beim HR haben sich zwei grundsätzlich verschiedene Routing-Dienste herauskristallisiert: das sendenahe, lokale Routing sowie die Signalverteilung auf dem Campus.

Die meisten Zuspielungen in die sendenahen Regien erfolgen von den insgesamt 17 On-Air-Servern mit je vier Stereo-Ausgängen, die in einem zentralen Geräteraum installiert sind. Für sie ist eine eigene NEXUS-Basiseinheit vorhanden, die die insgesamt 68 Ausgangssignale auf die fünf Senderegien, sechs Selbstfahrerstudios und sechs Produktionsregien verteilt und gleichzeitig die abgehenden Signale zurück auf die Mitschnittrechner im zentralen Geräteraum führt.

Die Regien teilen sich, da sie räumlich kompakt angeordnet sind, vier Basiseinheiten. Sie nehmen mehrere Funktionen wahr: Hier kommen die schon erwähnten Zuspielungen an, gehen Leitungen zum restlichen Campus ab, aber hier werden auch das rauminterne Routing und insbesondere die Abhörwege realisiert. Die Anbindung an die digitalen Mischpulte erfolgt dabei via MADI, mit einer Besonderheit: Um in den Regien eine möglichst große Anzahl von Abhörwegen zu bieten, hat Stage Tec eine spezielle, unidirektionale MADI-Karte programmiert. Sie sendet lediglich, statt wie normalerweise auch zu empfangen, und belegt dadurch weniger Zeitschlitze und weniger Routingkapazität. Ein kleines Detail, das NEXUS optimal auf die Kundenanforderungen anpasst.

Zentralrouter statt Hauptschaltraum

NEXUS  im HR
So viel zu den eher lokal durchgeführten Verschaltungen im sendenahen Bereich. Ein Funkhaus fordert aber darüber hinaus zahlreiche Querverschaltungen – beispielsweise vom Ü-Wagen in die Sendung oder vom Sendesaal ins Produktionsstudio – weshalb noch neun weitere NEXUS-Einheiten quer über den Campus verstreut installiert wurden. Die Forderung dabei war: Jedes Signal soll grundsätzlich an jede Stelle im HR verteilt werden können. In der analogen Welt würde man dazu im Hauptschaltraum riesige Audio-Matrizen aufbauen, die die insgesamt 1300 Quellen auf etwa 2300 mögliche Senken verteilen. Zum Glück geht dies mit NEXUS eleganter und kompakter, denn wo früher eine echte Leitungskreuzung vorgesehen werden musste, tut jetzt der TDM-Bus seine Dienste. Dank dieser Bustechnologie, die die Audiosignale in Zeitschlitze »verpackt«, stehen die Eingangssignale allen angeschlossenen Empfängern gleichzeitig zur Verfügung.

Jede NEXUS-Basiseinheit bietet 256 Zeitschlitze – eine Verteilkapazität, die durch geschickte Kaskadierung und Vernetzung mehrerer Einheiten auf die geforderte Dimension vergrößert wurde.

Jeder steuert mit

Im Hauptschaltraum – und an einigen anderen exponierten Stellen – wird NEXUS über eigene Bedienrechner gesteuert, werden Koppelpunkte gesetzt und Verbindungen überprüft. Über spezielle BFE-Kreuzschienen-Kontroller kann man außerdem in allen Regien per Tastendruck die Eingänge der Sende- und Produktionspulte konfigurieren. Der BFE-Kontroller steuert dabei das NEXUS-Netz.

Darüber hinaus wollen in einem digitalen Funkhaus noch einige andere Nutzer Verbindungen schalten: Der Redakteur möchte beispielsweise für Programmaustausch eine Leitung bestellen und zu sich durchrouten. Früher musste er dies zentral anfordern, heute kann er es in seinem Sendesystem D’Accord von Management Data in gewissem Umfang selbst veranlassen. Für NEXUS heisst das, dass es sich auch vom D’Accord steuern lässt. Bestimmte Koppelpunkte dürfen auf diesem Weg von den Redaktionen selbst gesetzt werden; andere, etwa die Sendezuleitungen, bleiben natürlich vor ihrem Zugriff geschützt.

Der Programmaustausch und die damit verbundenen Überspielungen machen einen Großteil der Arbeit im Hauptschaltraum aus. Schon seit längerem verwendet der hr für das Leitungsmanagement im Hauptschaltraum eine Spezialsoftware aus dem Hause Veith, die in der neuen Installation natürlich auch NEXUS steuert. Das Veith-System in Kombination mit NEXUS bietet gute Havariesicherheit. Denn mit nur einem Tastendruck kann der gesamte Sendebetrieb von einer Regie in eine andere Reserve-Regie verlegt werden. Alle Audioverbindungen führt das Veith-System mit, indem es das NEXUS entsprechend nachsteuert.

Intelligent und klein

Dieses - gemessen an der Anzahl der Koppelpunkte pro Stunde - derzeit zu den größten NEXUS-Netzwerken gehörende System zeigt seine Vorteile damit nur im Verborgenen. Mit kleinsten physikalischen Abmessungen, leise und im Hintergrund erfüllt es im hr zuverlässig alle Routing-Aufgaben, dient als Interface für die verschiedensten Signale und übernimmt sogar die sendegerechte Signalbearbeitung – eben die solide Basis für das digitale Funkhaus!

NEXUS  im HR

Der Zentralrouter - was ist das?

In großen NEXUS-Netzen werden Signale über mehrere Basiseinheiten quer durch ein Gebäude oder einen Campus verschaltet. Jede Basiseinheit stellt dabei für sich einen eigenständigen Router dar, der die angeschlossenen Signale auf die gewünschten Senken verteilt. Zusätzlich ist aber meist auch ein Signalaustausch der Basiseinheiten untereinander erwünscht: Beim HR soll beispielsweise die Summe aus einer Regie auf den Sendeverteiler geschickt werden. Dazu ist eine Vernetzung der Basiseinheiten untereinander notwendig, die über Glasfaser realisiert wird. Um möglichst flexibel in der Verschaltung zu sein, wird zentral eine Art Schaltknoten in das NEXUS-Netz eingefügt; im einfachsten Fall ist dies eine einzelne NEXUS Basiseinheit. Sie erhält von allen angeschlossenen Basiseinheiten die quer zu verschaltenden Signale und heißt deshalb Zentralrouter. Eine einzelne solche Basiseinheit kann 256 Zeitschlitze bedienen, also 256 verschiedene Signale führen, die auf beliebig viele Ausgänge verteilt werden.

Wird das NEXUS-Netzwerk größer, so reicht diese zentrale Verteilkapazität nicht mehr. In solchen Fällen werden mehrere NEXUS-Einheiten – über Kreuz miteinander verbunden – als Zentralrouter verwendet. Die Anzahl der Basiseinheiten und ihre Verschaltung untereinander richtet sich dabei nach dem geplanten Signalfluss: Der HR setzt als Schaltzentrale fünf Basiseinheiten – drei als Eingangs- und zwei als Ausgangsmodule – ein. Damit kann der hr heute 768 beliebig im Haus verteilte Quellen auf alle Ausgänge der übrigen 16, räumlich verteilten Basiseinheiten schalten. Zusätzlich schaltet jede Basiseinheit lokal die nur vor Ort benötigten Signale, sodass insgesamt gesehen im NEXUS-Netz eine nochmals viel höhere Schaltkapazität zur Verfügung steht.

Der Anwender merkt von der tatsächlichen Netzwerkstruktur kaum etwas. Er setzt lediglich einen Koppelpunkt, woraufhin NEXUS sich den günstigsten Weg - entweder lokal innerhalb der Basiseinheit oder über andere Basiseinheiten und den Zentralrouter - selbst sucht und schaltet.
 

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