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05/2007

 

 


Bimedial-Regien mit AURATUS


Erste AURATUS-Installation beim WDR Regionalstudio Siegen

Bedeutende Projekte wie die Entwicklung eines neuen Digitalpults sprechen sich schnell herum. So erklärt sich, warum sämtliche Produkte aus dem Hause STAGETEC schon kurz nach ihrer Präsentation in ersten Installationen bei Kunden zu finden sind. Häufig nehmen diese Erstkunden auch noch Einfluss auf die Entwicklung einiger Spezialfunktionen, so geschehen beispielsweise bei der Installation des CINETRA bei Geyer Berlin.
Auch auf AURATUS trifft dies in gewisser Weise zu, denn noch während an der Entwicklung der eigentlichen Konsole gearbeitet wurde, entschied der WDR, das neue Mischpult mitsamt NEXUS-Audionetz in seinen Regionalstudios einzusetzen.

AURATUS

AURUS oder AURATUS?
Der zeitliche Ablaufplan für die Erneuerung der Regionalstudios lag allerdings schon fest und damit auch der erste Installationstermin für AURATUS. Als erster von drei Regionalstandorten, deren technische Neuausstattung in 2007 durch das Systemhaus BFE als Generalunternehmen anstehen, wurde im Februar die Technik für das Regionalstudio Siegen in einem neuen Gebäude installiert.
Nun ist es schon immer Firmenphilosophie gewesen, nur ausgereifte und gut geprüfte Produkte an den Kunden weiterzugeben. Um dies trotz des frühen Termins im Februar gewährleisten zu können, bediente man sich eines Kunstgriffs: Die ersten drei AURATUS für das Regionalstudio Siegen wurden als Sonderedition mit der neuen AURATUS- Konsole, aber erprobter AURUS-Prozessortechnik ausgeliefert. Ein Vorteil für beide Seiten, denn die Zuverlässigkeit der AURUS-Audioprozessoren bietet dem WDR eine hohe Betriebssicherheit, während STAGETEC noch Zeit für die Feinabstimmung der neuen AURATUS-Steckkarte gewonnen hat. Ende des Jahres, nachdem auch die beiden neuen Regionalstudios in Bonn und Duisburg ihre Räume in Betrieb genommen haben, findet der Austausch der AURUS-Hardware in den drei Siegener Studios gegen AURATUS-Steckkarten statt. Die Ausstattung der übrigen acht Regionalstandorte mit AURATUS wird dann ebenfalls folgen.

Drei in einem
Mit dem Umzug in das neue Gebäude beabsichtigt der WDR in seinem Siegener Regionalstudio nicht nur, eine neue Technik in Betrieb zu nehmen. Dahinter steht vielmehr ein neues Konzept, nämlich die Idee des trimedialen Studios. TV-, Radio- und Internet-Inhalte sollen dort künftig mit dem gleichen Redaktionsteam erarbeitet und mit derselben Techniker-Crew produziert werden. Aus inhaltlicher Sicht ist dies besonders bei kleinen Standorten eine effiziente Methode, das vorhandene Know-How in Redaktion und Technik für alle drei Medien zu bündeln.
Allerdings braucht solch ein trimediales Studio eine andere Technik als ein herkömmliches TV-, Hörfunk- oder Internetstudio. In der letzten Konsequenz bedeutet dies, ein Studio zu bauen, das alle drei Medien technisch bedienen kann. Ein Interview sollte ja vielleicht sowohl in einem Fernsehbeitrag als auch im Radio ausgestrahlt werden. Weiterhin wäre denkbar, dass ein Beitrag zunächst ins Internet gestellt wird und dann aufgrund des hohen Interesses ein TV-Beitrag daraus entsteht. Dies alles ist nur möglich, wenn die Technik die notwendigen Voraussetzungen bietet. Nicht zu vergessen: Überschaubar zu bedienen soll das Studio auch noch sein, schließlich verlangt es von den Technikern ohnehin schon eine besondere Kompetenz, in allen drei Medien zu Hause zu sein.

AURATUS im WDR

Flexibles Studiokonzept
Wo liegt also die Lösung des Problems? Drei TV-Studios samt Regien zu bauen und dann eben nur den Ton zu nutzen, wenn es ein Radiobeitrag werden soll, wäre natürlich möglich, aber nicht besonders zweckmäßig. Die teure TV-Produktionstechnik, die Kameras und auch der viele Platz im TV-Studio kämen ja kaum zum Einsatz. Eine Spezialisierung der Räume ist daher schon aus monetären Gründen sinnvoll. Der WDR hat in Siegen ein TV-Studio und ein Radiostudio eingerichtet, jeweils mit dazu gehörender Regie. Allerdings ist die Zuordnung von Studio und Regie nicht starr. Vielmehr lässt sich das Radiostudio – das ja eigentlich ein komfortabler, großer Sprecherraum ist – auch zusammen mit einer dritten Regie, der so genannten bimedialen Regie BIM, betreiben. Dafür ist sogar der Tisch im Radiostudio komplett mitsamt den Technikeinbauten drehbar, so dass der Sichtkontakt durch das Regiefenster in die BIM-Regie frei wird. Ein kleiner, zusätzlicher Sprecherraum kann zur Nachvertonung oder zum Verlesen von Radionachrichten verwendet und dafür allen drei Regien und sogar noch vier weiteren Schnitträumen zugeteilt werden. Im Normalfall arbeitet er jedoch mit der BIM-Regie zusammen.

Die Raumwahl entscheidet
Diese Flexibilität bildet sich natürlich auch im Audionetz ab. Alle drei Regien sind mit je einem AURATUS mit 24 Fadern bestückt und greifen auf ein gemeinsames NEXUS-Netzwerk aus fünf Basisgeräten zu. Jeder Regie ist dabei ein Basisgerät zugeordnet, in das nach dem Umbau auf ein reines AURATUS auch dessen Audiosteckkarte implementiert wird. Die beiden übrigen Basisgeräte dienen zum einen als Netzwerkknoten, wofür sie mit jedem der anderen Basisgeräte verbunden sind. Zum anderen fungieren sie als Schnittstelle für alle übergreifend wichtigen Signale wie die von Außenleitungen oder Codecs.
Was passiert nun, wenn das Radiostudio an die BIM-Regie gekoppelt werden soll? Die Mikrofone des Studios laufen auf den XMIC-Karten im NEXUS der Hörfunkregie auf und sind im normalen Betriebsfall auf das AURATUS der Hörfunkregie geroutet. Mit der Umschaltung des Radiostudios auf die BIM-Regie werden diese Quellen wie auch einige Rückwege automatisch auf das AURATUS der BIM-Regie delegiert. Auch die Steuerung von Rotlicht und Gelblicht wird entsprechend mit umgeschaltet. Möglich machen dies die umfassenden Logikfunktionen des NEXUS, die in diesem Fall durch einen zentralen Studiocontroller der BFE getriggert werden.
Die größte Schwierigkeit bei der Programmierung der Logikfunktionen bestand darin, dass ein so neuartiges Konzept der variablen Regieund Studionutzung zunächst eine genaue Festlegung der Arbeitsabläufe erfordert. Erfahrungswerte fehlen noch, schließlich zeugt dieser Ansatz des WDR von echtem Pioniergeist. Doch der Wagemut des Senders bewegt sich dabei in vernünftigen Grenzen, denn mit seinem Technikkonzept und der Kombination aus NEXUS und AURATUS hat er eine so flexible Lösung geschaffen, dass selbst für die Zukunft noch alle Nutzungsmöglichkeiten offen bleiben.

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