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AURUS: Best for Musical
8.000 Augenpaare schauen gebannt auf die Bühne, verfolgen den unbeschwerten
Tanz des kleinen Löwen Simba zu den perkussiven Klängen Afrikas. Als er
seine Stimme zum Gesang erhebt, trägt sie bis in den hintersten Winkel der riesigen
Olympiahalle. Ein Mikrofon? Nicht zu sehen, ebensowenig wie die hochgezüchtete
Audiotechnik. Die perfekte Illusion mit AURUS und NEXUS auf Tour
Wohl keine Bühnensparte hat in Deutschland in den vergangenen
20 Jahren so an Bedeutung gewonnen wie das Musical. Der Ticket-Jahresumsatz erreicht
hierzulande mühelos dreistellige Millionenbeträge. Ihre Popularität
verdanken diese ausgesprochen aufwändigen Produktionen auch der Tatsache, dass
an die Qualität der eingesetzten Technik ebenso hohe Ansprüche gestellt
werden wie an die Akteure auf der Bühne.

On the Road
Bisher war es üblich, für eine Musicalproduktion das dazu passende Theater
zu bauen oder zumindest umzubauen. Neuerdings geht die Stage Entertainment, Marktführer
solcher Ensuite-Musicals in Deutschland, mit einigen ihrer Shows auch auf Tournee,
beispielsweise mit dem Best of Musical 2006. Geht es auf die Reise, muss alles mit:
Das Bühnenbild und die Kostüme sowieso, aber auch die gesamte Bühnentechnik,
die Aufbauten, Traversen und Zugtechnik bis hin zur Licht- und Tontechnik. Nur so
kann gewährleistet werden, dass an jedem Spielort exakt gleiche Rahmenbedingungen
herrschen und dass von Spielort zu Spielort kurze Umbauzeiten möglich sind.
24 Trucks füllt das Equipment, das mit »Best of Musical 2006« auf Tournee geht.
Eine solche Produktion ist also nicht nur eine technologische, sondern auch eine
logistische Meisterleistung. Mit analogen Großkonsolen, wie
sie bislang für Musicals zum Einsatz kamen, ist dies kaum machbar. Sie sind
zu schwer, zu groß und vergleichsweise anfällig. Zudem erfordern sie besonders
bei den in diesem Bereich üblichen, komplexen Installationen einen hohen Verkabelungsaufwand,
der im hektischen Tour-Betrieb nur schwer zu realisieren wäre.
Für die noch bis zum Sommer 2006 laufende Tournee von »AIDA – Das
Musical« verließ Stage Entertainment deshalb eingetretene Pfade und investierte
in eine AURUS-Konsole. Den Ausschlag dafür gaben die allseits bekannten Vorteile
hinsichtlich Platzbedarf, Gewicht und Verkabelung, ganz abgesehen von den klanglichen
und ergonomischen Qualitäten des Pults. AURUS überzeugte schnell, und so
kam es, dass Ende Februar zur Tour-Premiere von Best of Musical in der Münchner
Olympiahalle gleich zwei AURUS-Mischpulte eingesetzt wurden: eines für den Front-of-House-Mix
und das zweite für die Bühnenmischung.

Die Tour durch acht Großstädte in Deutschland und Österreich bringt
Ausschnitte aus den aktuellen Musicals des Unternehmens auf die Bühne, unter
anderem »Cats«, »Das Phantom der Oper«, »Mamma Mia!« und eben auch Disneys »König
der Löwen«.
Materialschlacht
Neben einem 30-köpfigen Orchester im linken und rechten Bühnenbereich
umfasst die Besetzungsliste einen Chor mit 20 Sängern sowie neun Solisten. Anders
als bei Opern und klassischen Konzerten ist diese Besetzung unbedingt auf Beschallung
angewiesen, insbesondere bei Auftritten in derart riesig dimensionierten Veranstaltungsstätten
wie der Olympiahalle.
Für diese Aufgabe laufen insgesamt 126 Eingangswege – davon 102 TrueMatch-Mikrofoneingänge – auf
den Pulten auf, mit vollem Zugriff von beiden Konsolen. Jeder der Solisten wird mit
einem kleinen, überschminkten Mikrofon und Sendeeinheit unsichtbar abgenommen.
Als Havarielösung liegen hinter der Bühne noch zwei ebenfalls drahtlose
Handmikrofone bereit.
Gemischt wird die Show über eine 48-Fader AURUS-Konsole am FOH-Platz und über
ein kleineres 32-Fader Monitorpult, das übrigens völlig unabhängig
vom Hauptpult betrieben wird. Die Ein- und Ausgänge stellen vier NEXUS-Basisgeräte
auf der linken und rechten Bühnenseite, am FOH-Platz und am Monitorplatz bereit.
Ebenfalls zum Audionetz gehören die zwei STAR-Router der AURUS-Pulte, die mit
jeweils sieben DSP-Karten gut bestückt sind.
Die in jedem AURUS-Kanal vorhandene vollständige Dynamik-Sektion sorgt dafür,
dass sich der Aufwand an Peripheriegeräten in Grenzen hält – ein
weiterer Grund für AURUS. Lediglich für Orchester, Chor, Solostimmen und
Monitoring sind jeweils unabhängige Stereo-Nach-hallwege installiert.
Road-Ausführung
Um die Anlage road-tauglich zu machen, wurden die beiden AURUS-Konsolen vorab mit
stabilen Cases versehen und die NEXUS-Basisgeräte und STAR-Router in Racks
eingebaut. Als Verbindung zwischen den Komponenten dient eine spezielle, road-taugliche
Glasfaser mit besonders robusten und stabilen Verbindern. Diese Robustheit ist auch
dringend nötig, denn beim Abbau an einem Spielort gehen die Bühnenwagen
und Gabelstapler durchaus ruppig mit allem um, was noch auf dem Boden liegt.
Gerade die Glasfaserverkabelung ist bei Touren ein echter Vorteil: Verglichen mit
klassischem Kupfer-Multicore-Kabel ist sie leicht und dünn und lässt sich
damit extrem schnell und einfach verlegen. Einmal eingezogen, kann man das Kabel
auch für andere Zwecke nutzen. Bei »Best of Musical 2006« wird zum Beispiel
die RS232-Datenleitung zur Steuerung der Frequenzweichen über eine NEXUS-XTI-Karte
transparent
weitergeleitet, vom Laptop am Mischplatz bis zu den Endstufenracks in Bühnennähe.
Die Frequenzweichen sind nämlich beim Musical keineswegs statisch eingestellt.
Vielmehr justiert man ihre Signalverzögerungen je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit,
also in Abhängig-keit von der Anzahl der Zuschauer.

Viel zu mischen
Die Monitormischung bei einem derartigen Event ist fast umfangreicher als der eigentliche
FOH-Mix. Zu den 13 In-Ear-Wegen für die Solisten kommen
hier noch 24 kabelgebundene In-Ear-Vormischungen für das Orchester, die von
den Musikern noch individuell eingestellt werden können. Sechs Wege auf konventionelle
Floor-Monitore für die Tänzer und den Moderator sowie vier Hilfswege für
Aufgaben wie Hinterbühnen- und Garderobenbeschallung komplettieren den Aufgabenbereich
rund um den Monitormix.
Die Mischungen während der Show sind an beiden Pulten sehr gut vorbereitet.
Das liegt daran, dass die Mischung vorab von einem Sound-Designer minutiös festgelegt
und das Ergebnis dann im AURUS in einem Snapshot pro Szene festgehalten wurde – ein
weiterer Vorteil der vollständig abspeicherbaren und automatisierbaren Konsole.
Das Musical ist nach dieser Einrichtungsphase derart exakt vorbereitet, dass man
die Mischung in jeder Vorstellung wieder halbautomatisch abrufen kann.
Die Sound-Designer der Tour kannten die AURUS-Systeme zuvor nicht. Aus diesem Grund
unterstützte der STAGETEC-Mitarbeiter Christian Fuchs, ein seit Jahren aktiver
Tonmann unter anderem im Musical-Bereich, die Vorbereitungsphase und begleitet als
zweiter Monitor-Sound-Designer die gesamte Tour. Diese Kooperation ermöglichte
schon im Vorfeld eine enge Kooperation zwischen den Sound-Designern und der Entwicklungsabteilung
bei STAGETEC.
Neue Funktionen
Verschiedene Musical-spezifische Detaillösungen fanden somit sehr schnell ihren
Weg in die AURUS-Software. Dazu gehören zum Beispiel die neuen Funktionen der
Szenenautomation. Sie umfasst jetzt auch die Layer-Struktur des AURUS. In jedem Layer
kann die Oberfläche des Pultes frei definiert werden. Zum Beispiel kann für
jeden Eingang festgelegt werden, auf welchem Kanalzug das Signal auf der Bedienkonsole
geführt werden soll. Die neue Funktion erlaubt es, diese Layer-Konfiguration
für jeden Snapshot neu zu bestimmen. Die wichtigsten
Mikrofone der jeweiligen Szene platziert man damit in greifbare Nähe, während
weniger wichtige Signale auch in einem unteren Layer erscheinen können. Anders
als bei der Arbeit mit VCAs oder DCAs ist es auf diese Weise möglich, auch unmittelbar
auf die Signalbearbei-tungs-Funktionen dieser Kanäle zuzugreifen, ohne den zugehörigen
Kanalzug zunächst noch auf der Oberfläche lokalisieren zu müssen.
Wer will, kann jedoch auch mit VCAs arbeiten. Die Simulation dieser Funktionalität
gehört nämlich ebenso zu den neuen Features, die in Zusammenarbeit mit
der Stage Entertainment entstanden sind. Neu im Funktionsumfang ist auch SnapMix,
das die Automation komplexer dynamischer Vorgänge in die Szenenautomation einbindet.
Dazu wird die vordefinierte Teilmischung als eigener Event in der Szenenautomation
geführt und auf Tastendruck abgefahren. Eine Funktion, die gerade im Musical-Einsatz
mit absolut festgelegtem Ablauf ein echter Vorteil ist. In Ermangelung eines externen
Timecodes greift AURUS bei dieser Funktion auf einen internen Timecode als Zeitreferenz
zurück.
Hohe Ansprüche
Stage Entertainment verfolgt für seine Tournee-Produktionen einen kompromisslosen
Qualitätsanspruch, der dem für Ensuite-Musicals kaum nachsteht. Ein Anspruch,
der die Investitionsentscheidungen im Bereich der Tontechnik direkt beeinflusst,
so dass die erzielbare klangliche Qualität und besonders die Betriebssicherheit
mehr Gewicht haben als potenzielle Einsparmöglichkeiten.
Dieser Ansatz wird konsequent von den verwendeten Mikrofonen über das Mischpult
und die Peripherie bis hin zu den Lautsprechersystemen verfolgt. Dahinter steht die Überzeugung,
dass ein durchgängig sehr hochwertiger Signalweg deutlich hörbar zu einem
besseren Ergebnis führt. Ein rundum perfektes Gesamterlebnis für den Zuschauer
sind Ziel und Folge dieser Strategie.
Eine digitale AURUS-Anlage kann übrigens preislich durchaus mithalten mit ihrer
analogen Konkurrenz, sofern man alle Folgekosten betrachtet.
Zum Beispiel können durch den eingesparten Stellplatz des FOH-Pults um die 25
Sitzplätze mehr im Auditorium verkauft werden. Bei einer Tour mit 49 Vorführungen
in acht Wochen ist das eine nicht unbeträchtliche Summe!

Und noch mehr Mikros
Der Abend neigt sich dem Ende zu. 28 Tänzer und neun Solisten, alle weiß gekleidet,
haben die Bühne eingenommen. Das Musical »Mamma Mia!« bildet mit
Danke für
die Lieder, der deutschen Version des Abba-Songs, den Abschluss der Show. Die Solisten:
alle mit Handmikros. Was ist passiert? Sind die Drahtlosstrecken der Minimikros ausgefallen
oder gar die Kanäle im Mischpult? Keineswegs, die Handmikros sind nur Dummies,
eine Reminiszenz an die Vergangenheit und eine kleine Finesse im Bühnenbild.
Der Schlussapplaus beginnt, und mit ihm das Ende einer wieder bis in jedes Detail
perfekten Vorführung.
STAGE ENTERTAINMENT
Die Stage Entertainment ist eines der führenden Unternehmen im internationalen
Live-Entertainment. Weltweit arbeiten 4.700, in Deutschland allein mehr als 2.500
Mitarbeiter für das Unternehmen.
Stage Entertainment widmet sich hauptsächlich drei verschiedenen Bereichen:
der Produktion von Shows, dem Betrieb von zurzeit zwölf Spielstätten in
Deutschland sowie der Vermarktung dieser Aktivitäten.
Mit Musical-Produktionen bespielt das Unternehmen derzeit sieben Bühnen in Deutschland
und expandiert in andere Felder des Live Entertainments wie Tour- und Arena-Produktionen.
Stage Entertainment präsentiert außerdem neue Stücke in kleineren
Theatern wie dem Schlosspark Theater Berlin und große Show-Erfolge wie Blue
Man Group in Berlin. Das Tochterunternehmen TopTicketLine gehört zu den führenden
Ticket-Anbietern in Deutschland. Um den Bühnennachwuchs zu fördern hat
Stage Entertainment darüber hinaus im Jahr 2003 die staatlich anerkannte Joop
van den Ende Academy in Hamburg gegründet.
Zusätzlich zu den von STAGE ENTERTAINMENT produzierten Musicals werden zurzeit
Disneys »König der Löwen«, Disneys »Die Schöne und
das Biest«, »Mamma Mia!«, »Dirty Dancing«, »Das Phantom der Oper«, »Elisabeth« sowie
»Die Drei Musketiere« aufgeführt. |