2006

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Voller Ideen
Der größte Ü-Wagen auf Europas Straßen
zeichnet sich nicht nur durch seine Dimensionen aus. Es sind seine unkonventionellen
Lösungen, die TopVisions neuen HD Ü5 zu einem echten Hingucker machen.
Dazu gehört auch ein kompaktes, leichtes und flexibles Detail: die stringente
Glasfaser-Verkabelung
Zwei Bildregien, ein großer Bildtechnik-Multifunktionsraum
mit zwei MAZ-Bereichen und separatem Slowmotion-Bereich, eine zusätzliche Editsuite
mit NLE-Schnitt und natürlich eine 7.1-Tonregie: Was sich hier liest wie die
Beschreibung eines gut ausgestatteten Produktions-gebäudes, findet sich in Wirklichkeit
an Bord eines neuen HD/SD-Übertragungswagens wieder. Das Raumwunder des Berliner
Anbieters von TV-Außenübertragungen TopVision darf allerdings im fahrtauglichen
Zustand nicht länger als 16,5 m und breiter als 2,5 m sein, um auf Europas
Straßen
fahren zu dürfen. Daher verfügt der Sattelauflieger über zwei große
Teilauszüge an den Seiten und einen etwas kürzeren, nach hinten ausfahrbaren
Bereich. Im ausgefahrenen Zustand bietet der Wagen damit rund 70 m² Bruttofläche.
Voll bestückt
Ganz klar: Der neue HD Ü5 von TopVision zielt auf die Übertragung von Großveranstaltungen
ab. Zum einen werden das sportliche Events wie etwa die Fußball-WM sein, die
den zeitlichen Rahmen zum Bau dieses Wagens gesteckt hatte. Ein zweites Standbein
des Wagens sind Konzertmitschnitte. Beides erfordert einen exzellenten Ton, bei HDTV-Formaten
selbstverständlich auch als Mehrkanalton, der bei Sportübertragungen im
Pay-TV fast schon Standard ist.
Die komfortable Mehrkanaltonfähigkeit gab auch den Ausschlag für AURUS
in der Tonregie, und zwar in Vollausstattung. Mit sieben DSP-Karten lassen sich nun
alle geforderten Konfigurationen umsetzen – je nach Aufteilung mit bis zu 300
Kanälen oder bis zu 128 Bussen.
Die Realität wird wohl irgendwo in der Mitte liegen, zum Beispiel, um die geforderte
maximale Anzahl von sechs Mehrkanalsummen in 7.1 abgeben zu können.
Großer Stern
So groß dimensioniert wie der Wagen ist auch sein NEXUS-Audionetz. Etwa 2.000
x 2.000 Ein- und Ausgänge und 52 Mikrofonkarten mit 208 TrueMatch-Mikrofoneingängen
umfasst die Matrix. Speziell die Mehrkanal-Formate können wahlweise diskret
oder über Dolby-E von NEXUS verteilt und abgegeben werden.
Allein in der Tonregie, den Videoräumen und der MAZ sind sieben Basisgeräte
installiert. Aus Platzgründen wurden sie alle so kompakt wie möglich bestückt
und audioseitig über Sub-D-Verbinder fest verkabelt. Mit NEXUS STAR und AURUS
in der Mitte bilden sie ein sternförmiges Audionetz.
Soweit entspricht die Anlage noch einer herkömmlichen Ü-Wagen-Vernetzung,
wenngleich mit größerem Umfang. Hinzu kommen jedoch noch sieben mobile
NEXUS-Stageboxen und ein halbmobiles Basisgerät im Videoschnittraum im Rüstwagen – und
diese sind alles andere als herkömmlich angeschlossen.

Farbenfroh
TopVision hat bereits über Jahre hinweg Erfahrung mit der Zuverlässigkeit
von STAGETEC-Produkten gesammelt. Schon ihr Ü4 ist mit CANTUS mit NEXUS-Netz
samt mobiler Basisgeräte bestückt, so dass die Idee der über Glasfaser
abgesetzten I/O-Einheiten bei der Planung des HD Ü5 keine Besonderheit mehr
war. Im Gegenteil: Mit den Erfahrungen aus der Ü4-Praxis sollten die Vorteile
dieses Konzepts noch weiter ausgebaut werden.
Das ist bei einem solch umfangreichen System auch fast unumgänglich.
Man stelle sich nur kurz den Verkabelungsaufwand vor, der nötig wäre, wenn
man einen derartigen Ü-Wagen mit all seinem externen Equipment vor einer Produktion
auf herkömmlichem Weg anschließen wollte! Bis zu 28 Kamerakabel, sieben
Glasfasern für die externen NEXUS Basisgeräte, womöglich noch Intercom-Verkabelung
und andere Zusatzwege – alles müsste einzeln gezogen werden, und das
teilweise bis in entlegene Winkel. Viel einfacher geht es, wenn man die Signale auf
Glasfaser bündelt.
Nun könnten die Intercom-Signale ohnehin transparent über NEXUS weitergeleitet
werden, so dass sie keine eigene Kabelstrecke bräuchten. Beim HD Ü5 geht
man jedoch einen anderen Weg.
Jeweils eine Gruppe von Signalen,
bestehend aus HD/SDI, NEXUS FOC, Intercom, RS422 und Ethernet wird zusammengefasst,
so dass man diese Gruppe über
ein einziges Glasfaserkabel übertragen kann. Die Einsparung an Kabel, Gewicht
und Platzbedarf ist enorm.
Für diese Bündelung kommt das so genannte Coarse Wavelength Division Multiplexing
CWDM zum Einsatz, ein Wellenlängen-Multiplex-Verfahren, das die Mehrfachausnutzung
einer Glasfaser ermöglicht. Salopp gesagt, werden schlicht verschiedene Trägerwellenlängen,
sprich verschiedenfarbiges Licht, auf derselben Faser verwendet. Dieses Verfahren
wird häufig zur verbesserten Ausnutzung städtischer Computernetzwerke herangezogen
oder gar in manch modernem Stadion als hauseigene Audio-Video-Infrastruktur gebraucht.
Ein ähnliches Verfahren wurde auch schon an anderer Stelle bei Außenübertragungen
eingesetzt, zum Beispiel als Bergverkabelung der Ski-WM 2003 in St. Moritz. In der
Welt der Ü-Wagen-Verkabelung, in der jedes eingesparte Gramm und jede Arbeitserleichterung
vor Ort zählt, ist es jedoch erstaunlicherweise noch ein absolutes Novum.
Für beide Richtungen
Insgesamt verfügt der HD Ü5 über acht dieser Glasfaser-Multiplexer,
die jeweils 16 Übertragungskanäle bündeln können. Damit bleibt
viel Flexibilität in der Verkabelung – bis zu acht externe Technikstandorte
lassen sich so mit Leitungen für Video, Ton und Zusatzsignale versorgen.
Und nicht nur das: Die speziellen Hybridkabel, eine Kombination aus Glasfaser plus
zusätzlichem Netzkabel, liefern vor Ort auch die notwendige Netzspannung zum
Betrieb von Sprechstelle, Basisgerät, Computer oder sonstigem Equipment.
Neben der gebündelten Verkabelung weist CWDM noch einen weiteren Vorteil auf:
Bei einer Sportveranstaltung in einem Stadion mit fest verlegter Glasfaser kann der Ü-Wagen
häufig direkt per CWDM an die Haus-Infrastruktur andocken und spart dadurch
nochmals an Verkabelungsaufwand.
Um den Einsatz der Multiplex-Strecken so universell wie möglich zu halten, sind
für jeden der Dienste zwei eigene Frequenzen definiert; eine Frequenz je Richtung.
Für den Ton wurden zwei Wellenlängen zwischen 1.500 und 1.600 nm festgelegt,
ein Bereich, den auch die neuesten Glasfaser-Module am NEXUS unterstützen. Dadurch
erübrigt sich ein kostspieliger externer Transponder, der sonst am Eingang des
Multiplexers die Lichtfarbe entsprechend umsetzen würde. TopVision ist übrigens
der erste Nutzer, der diese neuen NEXUS-Glasfaser-Module einsetzt, die den Anschluß eines
Basisgeräts mit geringstem Verkabelungsaufwand ermöglichen.
Und noch mehr Neues
Doch damit noch nicht genug der Besonderheiten. Zwei der mobilen NEXUS Basisgeräte
des HD Ü5 sind die ersten Systeme in der neuen 1-HE-Bauform. Sie sollen vor
allem als I/O-Interface an entlegenen Kamerastandorten wie zum Beispiel für
Hintertor-Kameras oder Hothead-Kameras dienen.
Zudem verfügt der Wagen über den neuen KSC-Manager von BFE, eine systemübergreifende
Steuerung, die ebenfalls die NEXUS-Funktionen zentral fernbedienen kann. Neuerungen
wie das zentrale System zur Aufschaltung beliebiger Computer auf beliebige Tastaturen
und Bildschirme muten in dieser Aneinanderreihung von Besonderheiten fast trivial
an. Ein weiterer Superlativ muss dennoch genannt werden, schließlich handelt
es sich nicht um einen Hörfunkwagen, sondern um den derzeit größten
HD-Wagen. Und da sollten neben all dem Ton die 28 digitalen HD-Kameras natürlich
nicht unerwähnt bleiben!
Intercom-Sprechstelle inklusive
In einem Ü-Wagen muss jede Funktionalität mit so geringem Platzbedarf
wie möglich realisiert werden. Ganz besonders trifft dies auf den umfangreich
bestückten HD Ü5 von TopVision zu. Daher gehört er auch zu den ersten Übertragungswagen,
die das neue, in die AURUS-Oberfläche integrierte Intercom-Interface nutzen,
das eine externe Intercom-Sprechstelle in der Tonregie ersetzt. Dafür wurden
neue Tasten und Drehgeber in die Zentraleinheit der Mischpult-Oberfläche eingebaut.
LED-Anzeigen geben die Namen der erreichbaren Sprechstellen und damit die Namen
aller anwählbaren Ziele wieder. Das Intercom-Interface beinhaltet 20 Sprechtasten
in zwei Pages, so dass bis zu 40 verschiedene Sprechziele gewählt werden können. |