Sitemap downloads home Kontakt E-mail
Stage Tec Entwicklungsgesellschaft für professionelle Audiotechnik Berlin Home
sitemap
Impressum
 
News
Entwicklung
Referenzen
Know-How
Messen
Vertrieb
Kontakt
Links
Downloads

Referenzen

zurück zur Übersicht

 

 

 


Jazz mit AURUS:
Das Protokoll einer AURUS-Produktion*

* Aufzeichnung des Wayne Shorter Konzerts am 18. März 2005 in Stockholm

Jazz steht bei den Schweden hoch im Kurs. Allein in der Hauptstadt Stockholm existieren fast 10 Bühnen für live gespielten Jazz. Diese musikalische Vorliebe spiegelt sich auch im Programm des Sveriges Radio SR wider – zum Beispiel in einem Live-Mitschnitt des legendären Jazz-Saxophonisten Wayne Shorter

14:00 Uhr Der Ü-Wagen parkt auf dem Sveavägen mitten in der Innenstadt am Künstlereingang des Stockholmer Konserthus. Gerade fängt es sachte an zu schneien. Ein kalter Wind weht. Eiszapfen an der Unterseite des Ü-Wagens SR Live OB zeugen von der noch winterlichen Witterung in Schwedens Hauptstadt.
Die Kabel – ein Glasfaserkabel, ein Videokabel für die Monitorkamera und der Stromanschluss – werden ausgerollt, und schon geht es wieder ins Warme.

14:15 Uhr Warm gestanden haben auch die beiden mobilen NEXUS Basisgeräte, die im unteren Stauraum am Ü-Wagen mit eigener Heizung immer auf plus 15 Grad Celsius gehalten werden. Eine gerade im Winter wichtige Maßnahme, damit sich kein Kondenswasser bildet, sobald die beiden Racks im geheizten Konserthus hinter der Bühne aufgebaut werden.

14:30 Uhr Das Glasfaserkabel ist durch das Haus bis hinter die Bühne verlegt und schließt die beiden NEXUS Basisgeräte an den NEXUS STAR im Ü-Wagen an. Zusammen mit dem großen NEXUS Basisgerät in der Ü-Wagen-Tonregie bilden sie ein sternförmiges Audionetz. Insgesamt drei transportable Einheiten gehören zum Ü-Wagen, können aber noch durch andere mobile NEXUS Basisgeräte des SR ergänzt werden– ein Vorteil der Sternvernetzung. Eigentlich wäre heute nur ein Basisgerät notwendig gewesen, denn von den insgesamt 88 Mikrofoneingängen werden nur 16 für die Wayne Shorter Band und vier fürs Publikum gebraucht.

15:00 Uhr Die Bühne wird umgebaut, der Monitormischer installiert und die Instrumente auf die Bühne gebracht. Währenddessen bleibt dem Toningenieur des Ü-Wagens, Maurice Mogard vom SR, Zeit genug, um sein AURUS-Projekt für die Aufnahme zu erstellen. Mit dem NEXUS ist er vertraut, schließlich hat der SR schon seit 1998 in einem anderen wichtigen Veranstaltungssaal, der Berwald Hall, ein CANTUS stehen. Mit AURUS hatte er bislang wenig gearbeitet, denn der Ü-Wagen wurde erst im September umgerüstet. Der Umstieg auf das neue Mischpult fällt ihm aber leicht, da es mit seinem klaren, übersichtlichen Layout nahezu intuitiv zu bedienen ist.

16:00 Uhr Die Mikrofonierung kann beginnen. Mit Ausnahme der Atmo-Mikrofone stammen die Mikrofone vom Toningenieur der Wayne Shorter Band. Und sie sind mit Bedacht ausgewählt, zum Beispiel mit einem Royer Bändchenmikrofon für Base Drum, für die Overhead- Mikrofonierung und für Shorters Tenorsaxophon. Die Mikrofonierung ist vor allem auf die Beschallung abgestimmt, die bei jedem der über 200 Tour-Konzerte möglichst gleich klingen soll. Aus demselben Grund verwendet die Band auch ihre eigenen Mikrofonvorverstärker. Eigentlich schade, denn die NEXUS Basisgeräte des Ü-Wagens sind mit den 28-Bit-Mikrofonkarten von STAGETEC ausgestattet, die einen Mikrofonvorverstärker überflüssig machen.

16:35 Uhr Eben will sich ein Falschparker mit seinem PKW hinter den Ü-Wagen mogeln. Damit wäre die Klappe zum Außensteckfeld blockiert. Dank des riesigen, rückwärtigen Fensters im SR Live OB wird der Parksünder jedoch schnell ertappt. Tageslicht am Ü-Wagen- Mischpult – normalerweise eine Seltenheit, die beim schwedischen Radio aber vor vielen Jahren eingeführt wurde. Früher wurde der Wagen bei Festivals häufig so geparkt, dass man vom Mischpult aus auf die Bühne schauen konnte. Heute, im Zeitalter der Bildschirme und Mittenlautsprecher, stellt eine Monitorkamera den Sichtkontakt her. Geblieben ist aber das große Fenster, das den Ü-Wagen visuell öffnet und die Arbeitsatmosphäre verbessert; auch beim modernsten Ü-Wagen des SR.

17:00 Uhr Soundcheck. Die Band ist gerade gekommen, jedoch zunächst als Trio. Wayne Shorter selbst wird erst unmittelbar vor dem Konzert erwartet. Die Mikrofonierung des Klaviers klingt ein wenig topfig. Wie auch immer Maurice Mogard die vier Signale mischt – ein MS-Signal und eine zusätzliche Stereo-Stütze – der Sound ist nicht überzeugend. Auch die Filter des AURUS helfen nicht weiter, obwohl sie gegenüber dem CANTUS nochmals verbessert wurden und nun einen erweiterten Umfang von +/- 24 dB haben – übrigens auf Anregung des SR und aufgrund der Erfahrungen, die aus der Arbeit mit CANTUS in der Berwald Hall hervorgingen.
Kurzfristig stellt Maurice Mogard deshalb noch eigene Mikrofone zum Klavier, die lediglich für die Aufzeichnung bestimmt sind und direkt an eines der NEXUS Basisgeräte an der Bühne angeschlossen werden.

18:00 Uhr Wayne Shorter ist doch schon früher gekommen. Nochmals ein kurzer Soundcheck, diesmal mit Sopransaxophon und Tenor. Es bleibt nur wenig Zeit, wie so oft bei Live-Aufzeichnungen. In dieser Situation unterstützt AURUS den Toningenieur, mit einem direkten Zugriff auf alle entscheidenden Kanalparameter schnell die richtigen Einstellungen zu finden. Besonders bei größeren Aufzeichnungen, bei denen das Mischpult mit seinen 40 Fadern und 168 Kanälen voll belegt ist, machen sich das durchdachte Kanal-Layout, die erweiterten Talkback-Funktionen und die umfangreiche Monitorsektion positiv bemerkbar. Die Stimmung im Ü-Wagen ist gut, man spürt geradezu, wie entspannt das Arbeiten mit dem Pult ist!

18:30 Uhr Pause. Endlich Zeit zum Essen. Es ist noch kälter geworden, auf dem Weg zu einem nahe gelegenen Restaurant weht uns ein eisiger Wind ins Gesicht. Im Moment kann man sich kaum vorstellen, dass der Ü-Wagen bald mit Open-Air-Festivals durchgebucht ist. Die Schweden lieben in ihrem kurzen Sommer jede Art von Festival, von der Opernaufführung in einer Ruine bis hin zum berühmten Stockholmer Jazzfest mit dem Hafen als Kulisse. Viele dieser musikalisch hochrangig besetzten Events schneidet der Schwedische Rundfunk mit seinem modernsten Ü-Wagen mit. Ein langer Sommerurlaub ist deshalb für Ü -Dienst-Mitarbeiter tabu.

19:20 Uhr Alle sind wieder zurück vom Essen. Es herrscht eine entspannte Stimmung. Die CD-Rohlinge für den Redaktionsmitschnitt werden in die CD-Recorder geladen. Gleich geht es los, aber noch nicht mit dem Wayne Shorter Quartett, sondern zunächst mit einer Ehrung des schwedischen Jazztrompeters Peter Asplund, der auch eine Soloballade vorträgt.

20:00 Uhr Es ist soweit. Das Quartett betritt die Bühne, der Mehrspurmitschnitt beginnt. Es gibt keine Titelliste, die CD mit den heute Abend gespielten Songs will Wayne Shorter erst nach der Tour auf den Markt bringen. Maurice konnte sich also nicht vorab anhören, was ihn heute bei der Abmischung erwarten wird.
Bei diesem Konzert zeigt sich Wayne Shorter mit einem neuen Stil; er spielt sehr zurückhaltend, eingebettet in die Band, und nicht als Solist vor einem Triohintergrund. Manchmal dreht er sich weg, entfernt sich beim Spielen vom Mikrofon und benutzt es so als Werkzeug der Musik. Gut, dass wir vom Ü-Wagen über die Kamera einen Blick auf die Bühne haben, sonst hätte man an diesen Stellen das Saxophon sicherlich lauter gezogen.
Ein kleiner Mischfehler wäre allerdings auch nicht so tragisch gewesen, denn außer dem live gemischten Stereo-Mixdown wird im Ü-Wagen eine Mehrspuraufzeichnung vorgenommen. Man hätte sie bei Bedarf verwenden können, um den Live-Stereomix auszubessern. Bisher nutzt der SR dazu die Snapshot-Automation des AURUS und speichert zu jedem Titel die Einstellungen des Mischpults ab. Damit lässt sich die Nachmischung oft schon direkt nach dem Konzert erledigen, während die Kollegen die Technik wieder abbauen und die Kabel einziehen. Noch komfortabler wird es mit der dynamischen Automation gehen. Die ist jedoch noch nicht installiert – der Wagen war schlicht zu viel unterwegs, um ein Update machen zu können.
Schon manches Mal haben übrigens die Musiker nachträglich die Mehrspuraufzeichnung ihres Konzertes aufgekauft, nachdem sie die beeindruckende Technik und den guten Klang im Ü-Wagen erlebt hatten.

21:30 Uhr Das Konzert ist zu Ende. Die Aufzeichnung ist einwandfrei, kein Titel muss nachgemischt werden, entscheidet der zuständige SR-Produzent. Es hätte uns auch gewundert, denn die Toningenieure des SR sind sehr erfahren in ihrem Metier. Von Altrocker Judas Priest bis zum Kammerorchester, von Surround-Tonmischungen für TVProduktionen bis hin zu Opernaufführungen reicht die Palette, die mit diesem Ü-Wagen gemischt wird.
AURUS wird ausgeschaltet. In einer halben Stunde sind die drei Kabel eingerollt, NEXUS verstaut und der Ü-Wagen wieder weg. Denn morgen früh geht’s schon wieder weiter, mit der nächsten AURUS-Mischung.

  zurück zur Übersicht II nächste Referenz II   nach oben

Stage Tec Entwicklungsgesellschaft für professionelle Audiotechnik mbH, D-12459 Berlin, Tabbertstr. 10
Phone: +49 30 639902-0, Fax: +49 30 639902-32, , © 2002-2008 Stage Tec Berlin

Home / Datenschutzerklärung / Impressum / Sitemap