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Bayrische Staatsoper
Wenn das Opernhaus
mit der zweit-größten
Bühne Europas – nur die Bühne der Bastille in Paris ist
größer – eine technische Erneuerung vornimmt, zeigt
das Ergebnis ebenfalls Größe. Ebenso wichtig in der Bayerischen
Staatsoper in München: die neu gewonnene Flexibilität.
Münchener Freiheiten
Noch wenige Takte und die Fanfarenbläser müssen einsetzen. Die Hand am Regler, zählt der Tonmeister konzentriert mit. Genau drei Takte später auf die richtige Zählzeit zieht er den Regler hoch und startet damit den digitalen Zuspieler, exakt passend zum live spielenden Orchester. Ein Beispiel aus der Oper Aida von Verdi,
bei der die Fanfaren unsichtbar für das Publikum von der Hinterbühne ertönen sollen, realisiert mit Hilfe einer vorproduzierten Einspielung. Bei einer solchen Anwendung ist Flexibilität gefragt sowie eine hochwertige Technik, die dem Zuschauer die Illusion der Fanfaren überzeugend vermitteln kann.
Große Ziele
Rechtzeitig zum Spielzeitbeginn des letzten Jahres hat die Bayerische Staatsoper
ihre Tonanlage erneuern und erweitern lassen. Nach 20 Jahren Nutzungsdauer
der alten Anlage, an der im Laufe der Zeit immer wieder angebaut wurde, war
ein Komplettaustausch nötig. Die SALZBRENNER STAGETEC MEDIAGROUP als
Generalunternehmer demontierte die alten Anlagen, entsorgte dabei immerhin
um die 3,7 Tonnen Elektronik, baute ein neues Tonstudio für Vorproduktionen
und Mitschnitte ein, ersetzte die gesamte Technik in der Tonloge für
den Opernsaal, zog ein Glasfaser-Audionetz ein, installierte eine umfangreiche
Videotechnik
und realisierte eine natürlich klingende Saalund Bühnenbeschallung.
Unter der Maßgabe der Flexibilität wurden die Komponenten
CANTUS und NEXUS als Grundlage der Installation eingebaut. Dies brachte
gleichzeitig den Vorteil mit, auf einem Quasi-Standard aufzusetzen,
der für fremdes Personal bedienbar ist.
Geteiltes Pult
Die Tonloge im Opernsaal, die übrigens eine elektrisch absenkbare Schallschutzglasscheibe zum Saal bieten kann, verfügt über ein voll ausgebautes CANTUS mit 48 Bedienkanälen, an das eine Nebenkonsole angedockt werden kann. Im Probenbetrieb wählt man dazu eine Position in der 13. Reihe Mitte. Wenn die Nebenkonsole auch während einer Vorstellung nötig sein sollte, überlässt man diese besten Plätze dem Publikum und zieht sich auf das hintere Parkett zurück.
Ein weiterer Nebenkonsolenanschluss liegt im Königssaal, einem Festsaal, in dem manchmal Bankette und Empfänge stattfinden. Um die Bandbreite der Möglichkeiten noch mehr zu erhöhen, legte Thomas Rott, der Cheftonmeister der Staatsoper, viel Wert auf eine weitere Besonderheit: Zusätzlich zu der kleinen, aus Kanalzügen bestehenden Nebenkonsole wünschte er sich eine ebenfalls transportable Zentralbedienung. Beide Komponenten sind heute auf je einem Wagen montiert und lassen sich von einem Mitarbeiter alleine in den Saal schieben und installieren. Der Anschluss erfolgt über zwei Glasfaserkabel, je eines pro Einheit. Mit diesem Trick erhöht sich die Flexibilität enorm, weil sowohl einfache Anwendungen bis hin zu einer vollständigen Fernbedienung des CANTUS möglich sind.
Mit Video und 5.1
Bei CANTUS kann die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Nebenpult auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten definiert werden, nämlich als Split- oder als Parallelbetrieb. Beim Split-Betrieb wird jedes anliegende Signal jeweils einer der beiden Konsolen fest zugeordnet. Die Bayerische Staatsoper wählte hingegen – wie die meisten Opernhäuser oder Theater – den Parallelbetrieb, bei dem beide Pulte gemeinsam auf alle anliegenden Signale zugreifen. So können Saalpult und Logenpult gemeinsam bei einem Projekt eingesetzt werden und sich gegenseitig unterstützen.
 Das zweite, unabhängige CANTUS ist im Tonstudio installiert. Dieses Tonstudio, das auch eine umfangreiche Videotechnik mit Schnittplätzen beherbergt, wurde völlig neu geschaffen, indem es seitlich oben im großen Probensaal abgeteilt wurde. In diesem Studio entstehen die Einspieler und andere Vorproduktionen. Auch für Mitschnitte wird es genutzt, weshalb es dem Trend der Zeit entsprechend mit einer 5.1-Anlage und der CANTUS-Option für Mehrkanalton bestückt wurde.
Um überhaupt Mitschnitte in dem räumlich entfernten Tonstudio vornehmen zu können, benötigt man Querverbindungen im Haus. In der Bayerischen Staatsoper wollte man die Tonsignale flexibel zwischen Opernsaal, Probensaal, Tonloge und Produktionsstudio routen und integrierte dazu ein NEXUS-Netz mit 12 im Haus verteilten Basisgeräten. Sie dienen als Anschlusskästen für die Bühne und das Orchester, sie leiten die Signale zu den Verstärkern der Beschallungsanlage weiter und sie übernehmen natürlich auch innerhalb der beiden Studios die Routingaufgaben.
Ton ohne Tonanlage
Die einzelnen Basisgeräte sind über Glasfaser miteinander verbunden, und zwar so, dass alle nur denkbaren Kombinationen und Parallelnutzungen der Regiezentralen ohne Engpässe in der Routing-Kapazität vorgenommen werden können. Mit Absicht wurden auch keine Einschränkungen im Routing vorgesehen und etwa bestimmte Eingänge nur von einem Arbeitsplatz aus schaltbar gemacht. Lediglich die Zuleitungen zu den Verstärkern der Beschallungsanlage im Opernsaal sind per Passwort im Produktionsstudio geschützt, damit nicht aus Versehen jemand bei einer Fehlbedienung die Beschallung im Saal unterbricht bzw. aussteuert. Ein eigenständiges Basisgerät ist für die Bedienung direkt von der Regie im Saal vorgesehen. Im Probenbetrieb, bei dem die Tonabteilung nicht immer benötigt wird, kann die Regieassistenz von der Regiereihe aus selbst die CD- oder Kassetteneinspielungen vornehmen.
Es wird somit kein Personal aus der Tonabteilung benötigt! Die Tonanlage muss dazu auch nicht gesondert eingeschaltet werden.
Das Projekt
Zum Gelingen eines großen Projektes tragen oft viele einzelne Partner bei. So auch bei der Neubeschaffung der Technik in der Bayerischen Staatsoper, die über das Staatliche Hochbauamt München abgewickelt wurde: Der leitende Tonmeister Thomas Rott legte die Anforderungen der Anlage fest, das Planungsbüro Huneke + Partner erstellte die Ausführungsunterlagen und die SALZBRENNER STAGETEC MEDIAGROUP als Generalunternehmer übernahm die Feinplanung und führte schließlich die Sanierung durch.
Ko-Existenz
Im Haus war eine umfangreiche analoge Hausverkabelung vorhanden, die man trotz des neuen NEXUS-Netzes erhalten hat – wieder aus Gründen der Flexibilität. Immerhin 180 derartige Mikrofonleitungen liegen im Haus, von denen man bis zu 30 gleichzeitig über einen speziell entworfenen Sternverteiler auf ein NEXUS Basisgerät verteilen kann. Um z. B. schnell ein einzelnes Mikrofon an einer entlegenen Stelle zu installieren, wird dieses Analognetz heute noch genutzt.
Ein Hintergedanke war sicher auch die Redundanz, die ein zweites Kabelnetz bietet. Auf diesen Redundanzfall musste man bisher allerdings noch nicht zurückgreifen, denn die Anlage hat seit ihrer Inbetriebnahme im Oktober 2001 nicht nur ihre Flexibilität, sondern auch ihre bekannte Zuverlässigkeit einmal mehr erfolgreich unter Beweis gestellt!
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