srt-Grundlagenseminar über digitale Audiotechnik
Nürnberg / Buttenheim, Juli 2004: Vom 13. bis 15.
Juli veranstaltete die Schule für Rundfunktechnik srt in den Räumlichkeiten
der SALZBRENNER STAGETEC MEDIAGROUP in Buttenheim ein Seminar über
digitale Audiotechnik. Unter dem Kürzel DAMP – Digitale
Audiotechnik für Systemtechnik und Planung – wurde dieses
Seminar schon 1995 erstmals durchgeführt, damals vor allem, um
Mitarbeiter/innen aus den Bereichen Mess- und Systemtechnik und Planung
beim Umstieg von analoger auf digitale Technik zur Seite zu stehen.
Bis Mai 2000 nahmen mehr als 350 Teilnehmer/innen an diesen Veranstaltungen
teil. Damit schien der wesentliche Teil der Zielgruppe informiert zu
sein und das Seminar wurde nicht mehr angeboten. Erfreulicherweise
hat sich in den beiden letzten Jahren wieder eine verstärkte Nachfrage
ergeben, die schließlich zur Neuauflage des Seminars geführt
hat.
Die insgesamt 21 Teilnehmer/innen kamen aus unterschiedlichen
Bereichen der Rundfunkanstalten, von der Sendertechnik über Video- und Audio-Systemtechnik
bis hin zur technischen Planung. „Eine Besonderheit dieses Seminars
war, dass die Teilnehmer in den zweieinhalb Tagen ein sehr kompaktes
Programm mit hochkarätigen Referenten geboten bekamen“,
kommentierte Rudolf Kalb von der srt, der das Seminar zusammen mit
Michael Kahsnitz, RTW, und Heinz Peter Karp, WDR, geplant hatte. „So
konnten alle Fragen, auch die über angrenzende Fachgebiete, sofort
beantwortet und punktuell auch tiefer gehende Information angeboten
werden.“
Das Seminar startete mit dem Referenten Dr. Helmut
Jahne, STAGETEC Entwicklungsgesellschaft, der am ersten Vormittag
die Grundbegriffe
der Digitaltechnik erläuterte. Sein Schwerpunkt lag auf der Entstehung
und den Auswirkungen von Jitter. Er streifte dabei sämtliche Grundlagenthemen,
angefangen von Quantisierung und Dither über Oversampling bis
hin zu Noise Shaping, digitalen Mikrofonen und hohen Abtastraten und
setzte gleichzeitig ganz eigene Akzente. So trat Dr. Jahne zum Beispiel
den Beweis an, dass Jitter bei Übertragungsstrecken innerhalb
eines soliden Systems keine hörbaren Auswirkungen hat – solange
es noch nicht zu Bitfehlern kommt.
Der Nachmittag war ganz dem Thema Aussteuerung,
Pegel und Headroom gewidmet, und wurde gemeinschaftlich von Michael
Kahsnitz, RTW und
Heinz Peter Karp vom WDR gehalten. Sie deckten auch die Bereiche Störpegelmessungen
und Systemdynamik ab und stellten verschiedenste Anzeigeinstrumente
vom einfachen Pegelmesser bis zum Goniometer vor. Den Schwerpunkt bildete
die Darstellung der Unterschiede zwischen analoger und digitaler Aussteuerungsmessung.
Kundenspezifische Skalierungen wurden ebenso besprochen wie die immer
wichtiger werdenden Loudness-Messungen im Rundfunk.
Rudolf Kalb, srt, erläuterte am zweiten Vormittag gleich mehrere
Themen. Zunächst gab er einen Überblick über die gängigen
digitalen Audioschnittstellen, begonnen mit den ersten Formaten wie
SDIF über allgemeine Standards wie AES/EBU, MADI oder S/PDIF bis
hin zu proprietären Formaten wie ADAT und TDIF. Auch J.41 und
J.57 für die Audioübertragung sowie SDI als digitaler Videoübertragungsstandard
fanden kurze Erwähnung, ebenso wie allgemeine Schnittstellen wie
Firewire und USB.
Nach der Mittagspause ging es wieder mit Heinz
Peter Karp vom WDR weiter, der die Aspekte der Synchronisation und
Abtastratenwandlung
bei kleinen, digitalen Einzelinstallationen bis hin zur Funkhaus-weiten
Lösung vorstellte. Gerade für die Teilnehmer aus Planungsabteilungen
war dieser Seminarteil sehr praxisrelevant!
Diese Thematik aufgreifend, führte Dr. Klaus-Peter Scholz von
der STAGETEC Entwicklungsgesellschaft anschließend an einem digitalen
Mischpultsystem die unterschiedlichen Möglichkeiten der Synchronisation
und Abtastratenwandlung vor. Anschließend legte er die Besonderheiten
und neuen Möglichkeiten digitaler Mischtechnik gegenüber
ihren analogen Vorläufern dar. Dazu gehörten unter anderem
die völlig geänderte Signalrouting-Philosophie – denn
jedes größere digitale Mischpult verfügt heute über
einen integrierten Audiorouter. Auch die umfassenderen Summierungsmöglichkeiten
und natürlich die gegenüber analoger Mischtechnik vollkommen
neuen Konfigurationsmöglichkeiten demonstrierte er anhand eines
Mehrkanalton-fähigen AURUS-Mischpultes.
Dem Mehrkanalton war denn auch der Abschlussvormittag
gewidmet: Wolfgang Ellers, freier Tonmeister aus Köln, stellte die verschiedenen
Formate und Kodierungsverfahren vor und ging auch auf deren Verbreitung
innerhalb der Radio- und Fernsehlandschaft ein. Mit vielen Hörbeispielen
erläuterte er die Grundlagen der 5.1-Technik auch aus Sicht des
Tonmeisters und rundete das Thema mit einem Blick in heimische Consumer-Installationen
ab.
Typisch für diese Seminarreihe war auch die Abendgestaltung,
bei der die Teilnehmer und Referenten beim gemeinsamen Abendessen weitere
Gelegenheit hatten, über Fachthemen zu diskutieren und sich mit
den Kollegen anderer Rundfunkanstalten auszutauschen. „Das Seminar
hat bei den Teilnehmern sehr gute Kritiken bekommen“, verrät
Rudolf Kalb im Anschluss an die Veranstaltung. „Daran sieht man,
dass nach wie vor ein großer Bedarf an technischen Grundlagenschulungen
in der Audiotechnik besteht.“ Das Seminar wird daher mit hoher
Wahrscheinlichkeit auch im srt-Programm für 2005 wieder angeboten. |