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Archiv: News & Pressemitteilungen

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2002

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"Stages" 2002 erschienen

Pünktlich zum Audioseminar »Kloster Banz« erschien die diesjährige Ausgabe der Stages.
Die interessantesten Artikel sind auch online verfügbar – und einige mehr:

 Audiotorium Roma – eines der größten Konzertgebäude der Welt in Italien
 Skirennen mit STARs – ein Bericht des Ski-Worldcups 2002 in St. Moritz
 Alleskönner – Grundlagen eines Ü-Wagens
 Ton im SDI – im Videosignal eingebettete Audioformate anschaulich erklärt
 Münchener Freiheiten – ein Bericht über Europas zweitgrößte Bühne
 Schwäbisch bewährt – der neue Produktionskomplex PK1 des SWR Stuttgart
 Salt Lake City – die Winterolympiade mit CANTUS und NEXUS
 Pavarotti and Friends – Impressionen des Benefizkonzerts
 Quirinale – »Concerto In Occasione Della Festa Nazionale della Repubblica«

PRINCO’s Projekt:
 
Claudio Mascis Firma PRINCO ist in Italien eines der bekannten Häuser für professionelle Studiolösungen. Zusammen mit der SALZBRENNER STAGETEC MEDIAGROUP erhielt er den Gesamtauftrag zur Umsetzung des Audio- und Kommunika-
tionssystems, der Installation, Einarbeitung und Schulung des Personals und eine Vor - Ort - Betreuung in der Anfangsphase. PRINCO wird außerdem die Videoinstallation samt Videoregien für die Theater vornehmen.

Pianos Auditorium der Neuzeit

Am 21. April, dem 2.755-sten Gründungstag der Stadt Rom, wird ein Teilabschnitt eines der größten Konzertgebäude der Welt eröffnet: das Nuovo Auditorium di Roma mit explizit eingeplantem guten Ton.

Rom besaß keinen der Stadt angemessenen Aufführungsort für klassische Musik«, erklärt Renzo Piano, der Stararchitekt aus Italien, auf die Frage, wie es zu dem Großprojekt »Nuovo Auditorium di Roma« kam.

»Mit drei verschieden großen Konzertsälen für 2.700, 1.200 und 750 Zuschauer sowie einem Amphitheater für 3.000 Zuschauer wird er diese Lücke in Kürze schließen: Unter seiner Federführung entstand – und entsteht noch – ein architektonisch, akustisch und technisch wegweisender Komplex aus mehreren Konzertgebäuden.

Architektur und Klang

Im Gegensatz zu anderen Architekten ist sich Renzo Piano nicht nur seiner optisch-gestalterischen, sondern auch seiner akustischen Verantwortung bei der Planung von Vortragssälen bewusst. Den Grundriß und die Ausmaße der großen Halle wählte er daher gerade so, dass sie noch eine optimale natürliche Akustik bieten kann. Bei größeren Gebäuden käme man nicht mehr ohne Elektroakustik aus.

Damit die drei Vortragssäle unabhängig genutzt werden können ohne sich akustisch zu stören, wurden sie in drei separate Gebäude, so genannte Container eingebaut, die architektonisch von außen an Bauten der klassischen römischen Antike erinnern. Eine genaue Planung und aufwändige Tests, erst mit Laser-Reflexionen und später in größeren Modellen mit Schall, stellten von Anfang an sicher, dass die Akustik gelingt.

Zusätzlich sind die drei Räume akustisch weitgehend flexibel gestaltet worden, wobei der kleinste Raum mit beweglichem Boden und Decke sowie variablen Wänden die größte Vielfalt bieten kann. Der mittlere Saal hat immerhin eine bewegliche Bühne und eine variable Saaldecke, ähnlich einem schon bekannten Saal in Turin, der vom gleichen Akustiker (Helmut Müller) unter Renzo Piano gebaut wurde.

Dieser mittlere Saal ist für Kammerkonzerte und Tanzvorführungen vorgesehen. Lediglich das Amphitheater für Aufführungen im Sommerhalbjahr sowie der große Saal für Ballett- und Orchesteraufführungen sind akustisch festgelegt.

Über 30 Einzelrouter

Aufgrund der guten Akustik wird während normaler Aufführungen keine elektroakustische Anlage notwendig sein. Trotzdem benötigt das Auditorium eine große Tonanlage, weil es einen ganz besonderen Auftrag erhalten hat: Es soll ein Archiv von hochwertigen Aufnahmen berühmter Künstler anlegen, das von der Stadt auch kommerziell genutzt werden kann.

Dafür sollen interessante Aufführungen mitgeschnitten werden, wozu pro Saal eine Regie notwendig ist. Eine weitere, gemeinsam genutzte Regie erhöht die Flexibilität nochmals, z. B. für eine zweite Aufnahme desselben Konzertes, und bietet Redundanz für Wartung und Fehlerfälle. In der Ausschreibung zu diesem Projekt legte Renzo Piano bereits fest, dass ein integriertes Gesamtkonzept mit Glasfaservernetzung beschafft werden soll. Damit bot sich die Kombination aus CANTUS, NEXUS und NEXUS STAR an, mit denen das Auditorium jetzt bestückt wird.


Jede Saalregie sowie die gemeinsam nutzbare Regie erhält ein mehrkanaltonfähiges CANTUS, das an das NEXUS-Netzwerk im zugehörigen Saal angeschlossen wird. Die Saalnetze bestehen aus acht bis neun Basisgeräten – womit schon jeder Saal samt Regien für sich genommen eine Großinstallation darstellt. Zusätzlich gibt es Anschlussmöglichkeiten für externe Übertragungswagen. Je drei unabhängige Wagen sollen später an jedes Theater anschließbar sein, weshalb man nochmals drei Basisgeräte ergänzte. Weitere Basisgeräte sind für die Uplinks, einen zentralen digitalen Video- und Tonspeicher, die Probenräume und sogar für die Umkleiden vorgesehen. Insgesamt sind das 34 NEXUS Basisgeräte – das wird die mit Abstand größte Installation des Systems sein!

Strenge Regeln

Jeder Bereich, also etwa ein Saal mit zugehöriger Regie, bildet ein eigenes NEXUS-Netzwerk, von denen es insgesgesamt vier geben wird. MADI-Leitungen schaffen eine Verbindung zwischen den verschiedenen Bereichen. Um die Signale flexibel verteilen zu können, erhält das Auditorium einen NEXUS STAR. Er wird 24 MADI-Ports mit jeweils 64 Ein- und Ausgängen beherbergen und stellt die Grundvoraussetzung für ein derart großes Audionetz dar.

Diese große Anlage wird nicht nur für Mitschnitte und Sendungen verwendet, sondern auch als Kommunikations- und Signalisationsnetz zweit verwertet. Jedem Saal ist ein Inspizientensystem der C.A.S.-Serie zugedacht, das ebenfalls auf NEXUS aufsetzt. Der Inspizient steuert darüber den Ablauf einer Vorführung, indem er z. B. die Schauspieler mit Lichtzeichen oder Tonrufen auf die Bühne holt, die Einsätze für Einspielungen gibt und die gesamte Kommunikation während einer Vorführung betreut. Dies erklärt auch, warum die Probenräume und selbst die Umkleiden an das Netz angeschlossen wurden – denn genau dort erreicht man die Künstler vor ihrem Auftritt. Mit integriert ist ebenfalls ein Interkom- und Paging-System für die technischen Bereiche, das unabhängig vom Inspizientensystem gefahren werden kann.

Stufenkonzept

Gut Ding will Weile haben – gerade bei technischen Großprojekten trifft dieses Sprichwort zu. Das Nuovo Auditorium di Roma wird gemäß diesem Motto in verschiedenen Teilabschnitten realisiert: Zu der Eröffnung im April 2002 wird der mittelgroße Saal mit der Regie, Übertragungswagen-Anschluss und Umkleiden fertig gestellt. Die weiteren Spielstätten folgen kontinuierlich und werden bis Ende 2003 komplettiert sein. Aber zuerst wird die zentrale Schalttechnik in Betrieb genommen – sodass neben dem Stararchitekten Renzo Piano schon zur Eröffnung noch ein zweiter STAR schalten und walten wird!

 

Skirennen mit STARs – ein Bericht des Ski-Worldcups 2002 in St. Moritz

Der Skifahrer stürzt sich abwärts. Die ersten 130 Höhenmeter fliegt er quasi ein 100%-Gefälle herunter bevor er mit 140 km/h in eine Linkskurve saust. Die Fliehkraft zerrt an ihm, die scharfen Kanten seiner Ski schneiden knirschend in die extra hart planierte Piste und in wenigen Sekunden verschwindet er aus dem Blickfeld. Nur gut 103 Sekunden später ist alles zu Ende, hat er die 809 Höhenmeter der Herrenabfahrt mit dem steilsten Start der Welt überwunden.

Dabei ist er an 18 Kameras sowie an 33 Richt- und Stereomikrofonen vorbeigebraust, wurde von einer fliegenden Kamera aus einem Helikopter aufgezeichnet und hat mit der Bild- und Tonübertragung seiner kurzen Abfahrt ein Team von 65 Mitarbeitern beschäftigt.

Fest verkabelter Berg

Unbemerkt von den Zuschauern im Fernsehen – aber auch von vielen Fachleuten – hat sich die Übertragung von großen Sport-Events zu den interessantesten und innovativsten Bereichen der Technik entwickelt.

Aktuelles Beispiel: Der Ski-Worldcup im Schweizerischen St. Moritz, der sozusagen als technische Generalprobe für die dort geplanten Ski-Weltmeisterschaften 2003 mit allen Finessen übertragen wurde. Schon im Sommer 2001 begannen die Vorbereitungen:

Entlang der Pisten wurden Kanäle in den Berg gebaggert, um ihn mit Glasfaser zu verkabeln.

Nur teilweise konnten schon vorhandene Versorgungsschächte der Liftanlage genutzt werden. Später wurden an strategisch wichtigen Punkten an den Pisten Container für die Technik aufgebaut, die extra mit Spezialhubschraubern hochgeflogen werden mussten. In den Containern (HUBs) kommen die Signale der Streckenkameras und Mikrofone an, werden die CCUs ausgesteuert, die Signale auf Glasfaser umgesetzt und über 270-Mbit-Strecken hinunter an das Technical Operation Center TOC geschickt.

Das TOC befindet sich im Zielgebiet, das sich alle verschiedenen Abfahrten vom Damen-Abfahrtslauf bis hin zum Herren-Riesenslalom teilen, und ist dort in einem extra neu errichteten Gebäude untergebracht. Hier konzentriert sich während der Rennen die Fernsehtechnik – mit einem mobil aufgebauten Fernsehstudio und in Flightcase-Komponenten modular zusammengestelltem Schaltraum.

NEXUS im Schnee

Dieser riesige technische Aufwand lohnt sich nicht allein für einen Worldcup und auch nicht für die Weltmeisterschaft. Sowohl die Stadt St. Moritz als auch der Host-Broadcaster SRG SSR haben in die Zukunft investiert und wollen die technische Infrastruktur für zukünftig vermutlich jährlich dort ausgetragene Worldcup-Rennen nutzen.

Während die Glasfaserleitungen tatsächlich permanent im Berg verbleiben, wird die übrige Technik für jedes Sportereignis neu installiert. Die Bild- und Tonübertragung erfolgt dabei über die identischen Leitungen – der Flexibilität und Rentabilität willen. Und neben den Tonsignalen muss auch die gesamte Kommunikation über das Audionetz verwaltet werden.

Keine leichte Aufgabe, die sich aber mit einem Videonetz aus Philips-Komponenten und einem NEXUS-Netz für Ton und Kommunikation erfolgreich in die Tat umsetzen lässt. Ein Vorteil dieser Konzeption: Da die einzelnen Komponenten jedes Mal neu zu einem Netz verschaltet werden, kann man sehr gut auf die speziellen Bedürfnisse für genau diese Übertragung eingehen.

So wurden z. B. für die Übertragung des Worldcups insgesamt zehn NEXUS Basisgeräte und ein NEXUS STAR, die von Stage Tec angemietet wurden, mit den aus dem Pool der hauseigenen Ü-Wagen-Flotte stammenden NEXUS Basisgeräten zu einem Audionetz zusammengefasst – für die WM 2003 werden es weit mehr Komponenten sein.

Ton und Kommunikation

In den HUBs sowie teilweise sogar im Freien an der Piste dienen die Basisgeräte während eines Rennens als Mikrofon-Anschlusskasten sowie als I/O-Matrix für Abhörsignale und Kommunikation. Um die Verkabelung innerhalb der HUBs so gering wie möglich zu halten, wird die Steuerung des NEXUS ausschließlich über einen Laptop im HUB vorgenommen. Keinerlei Zusatztasten für Abhörschaltungen sind dafür notwendig – jeder Mitarbeiter im HUB kann einfach und übersichtlich per Mausklick in der Matrix seine Abhörpunkte setzen.

Die SRG setzt eine spezielle Technik für die Schaltung der Kommunikation ein. Das Kommunikationssystem von der Firma Hugel erlaubt es, via ISDN-Leitungen ein senderweites Kommunikationsnetz zu betreiben. Auf diese Weise kann man in einer Produktion per Kurzwahl an der Gegensprechstation entweder eine Verbindung mit dem Produzenten schalten, oder etwa eine Rücksprache mit einem Mitarbeiter in einer ganz anderen Niederlassung der SRG vornehmen.

Das zugrunde liegende System wird auch bei mobilen Einsätzen wie in St. Moritz verwendet, sodass die Techniker im HUB neben dem NEXUS und der Kameraaussteuerung lediglich noch eine Gegensprechstation zur Anwahl der Intercom benötigen. Die Weiterschaltung dieser Signale über das NEXUS-Netz wurde auch schon in anderen Installationen wie z. B. im Hauptschaltraum des HR realisiert und gehört mittlerweile zu den Standardfunktionen.

Speziell für den Worldcup-Einsatz erhielt NEXUS noch einen Adapter, der auch die Tally-Signale über das NEXUS-Netz weiterleitet. Damit kann nun während der Übertragung das Kamerarotlicht aller beteiligten Kameras am Berg geschaltet werden und zwar ausgelöst durch die Bildmischer im TOC und dem Ü-Wagen.

NEXUS-Ü-Wagen im Vorteil

Die ankommenden Glasfasern von den HUBs laufen im TOC auf einem NEXUS STAR mit 1.400 Quellen auf. Diese Einheit dient als temporärer Hauptschaltraum, von dem die verschiedenen Leitungen zu den Ü-Wagen der angeschlossenen Rundfunkanstalten abgehen.

Die Übertragungswagen von der italienischen RAI und von zahlreichen deutschen ARD-Sendern, die selbst mit einem CANTUS oder einem NEXUS-Netz bestückt sind, schließen sich einfach und direkt an den NEXUS STAR an. Für alle anderen Ü-Wagen steht ein weiteres NEXUS-Basisgerät als Anschlussbox zur Verfügung.

Durch den Einsatz von Glasfaser – was ein echtes Novum in der Übertragung von Skirennen ist – und die Verwendung von NEXUS und NEXUS STAR ist die Verkabelung viel simpler als bei früheren Events geworden. Gleichzeitig ist tpc als Host-Broadcaster in der Lage, den Abnehmern mehr anzubieten:

Jede Fernsehanstalt kann ein anderes Kamerabild mit einem anderen Ton bekommen, denn grundsätzlich werden alle Tonsignale gemischt aber eben auch ungemischt auf den NEXUS STAR geleitet. Zur WM 2003 wird sich der Aufwand nochmals erhöhen – und etwa 3.000 beliebig routbare Quellen im NEXUS STAR zur Verfügung stehen. Mit normalen Basisgeräten wäre dieser Umfang kaum noch realisierbar.

Der Klang von Geschwindigkeit

In der Regie im TOC laufen ein Teil der Tonsignale auf einem angemieteten CANTUS auf. Mit der Bedienung dieser Konsole sind die Mitarbeiter der tpc bereits seit langem vertraut, da das Pult sowohl im Funkhaus Zürich selbst, als auch auf den größeren Ü-Wagen als Standard gilt. Während des Rennes bleibt auch nicht viel Zeit zum Überlegen: Im Sekundentakt müssen die verschiedenen Mikrofonsignale ein- und wieder ausgeblendet werden, denn die Skifahrer sausen bei ihrer hohen Geschwindigkeit in kürzester Zeit aus dem Wirkungsradius eines Mikrofons heraus.

Um den Ton überhaupt einfangen zu können, wurden beim Worldcup-Abfahrtslauf der Herren zwei manuell nachgeführte, 15 fixe und 16 Kamera-Richt- und Stereomikrofone an der Strecke verwendet, teilweise mit Sender ausgerüstet, dessen Signale im HUB wieder empfangen und in NEXUS eingespeist wurden. An einigen Stellen werden BigEar-Richtsysteme verwendet, große Plexiglasschüsseln mit Mikrofon im Brennpunkt, die eine besonders starke Richtwirkung erzielen können.

Erschwerte Bedingungen

Der Start der Skifahrer bei einem Rennen erfolgt in kurzen Intervallen: Der nächste Fahrer startet schon, während der vorherige noch auf der Piste ist – das hat Folgen für eine Live-Übertragung. Wenn man nur ein Kamerabild zeigen und auf Bild-in-Bild-Technik verzichten möchte, dann kann nicht die gesamte Strecke eines jeden Skifahrers live übertragen werden. Deshalb pickt man sich die interessantesten Teile der Strecke heraus und sendet sie teilweise zeitversetzt. Manche weniger spannende Streckenabschnitte werden ganz herausgeschnitten. Die technische Umsetzung dieser halb live und halb zeitversetzt gesendeten Bildschnipsel ist recht aufwändig und wird von mehreren Regien realisiert. Beim Worldcup waren es zwei, bei der Weltmeisterschaft 2003 werden es drei Regien sein, davon eine gleichzeitig die Endregie. Die Regien liefern während der Live-Sendung passend geschnittenes und kurz zwischengespeichertes Material von jenem Streckenabschnitt, den sie betreuen, geben es an die Endregie weiter und ins TOC zur Verteilung. Für diese Regien verwendet die tpc ihre digitalen Ü-Wagen, deren CANTUS und NEXUS über optische Verbindungen in das Audionetz des TOC integriert werden.

NEXUS auf Skiern

Die Übertragung des Worldcups stellte eine neue Extremsituation für Personal und Technik dar. Derart große Temperaturschwankungen, Temperaturschwankungen, die von bitterkalten 24 Minusgraden und starkem Wind beim Damen-Abfahrtslauf im Dezember bis hin zu Tauwetter im Februar bei der Herren-Abfahrt reichten, muss man sonst kaum an seinem Arbeitsplatz erwarten. Darüber hinaus waren viele der Arbeitsplätze wie etwa die Kamerastandorte und manche der HUBs ausschließlich per Ski erreichbar. So ist übrigens auch das ein oder andere NEXUS Basisgerät an seinen Platz am Berg gekommen – durchaus angemessen für eine Sportübertragung!

WM 2003: Eine Stadt voll Glasfaser

Wenn im Jahr 2003 die Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz eröffnet wird, dann wird noch mehr Technik zur Übertragung der Rennen zur Verfügung stehen. 30 Kameras, 10 Spezial- und Effektkameras, eine Seilbahn im letzten Streckenteil und ein Helikopter liefern die Bilder. Die Tontechnik, und da besonders das NEXUS-Netz als Backbone, wird bis ins Dorf hinunter erweitert und mit dem Netz des IBC verbunden. Zahlreiche provisorische Zusatzstudios in Hotels werden für Interviews genutzt werden und sind dafür mit je einem NEXUS-Basisgerät bestückt. Der zweite NEXUS STAR wird die Anbindung der einzelnen Basisgeräte an das Audionetz im TOC vornehmen sowie als Schnittstelle für weitere tätige Studios und Schnittplätze dienen. Und vielleicht wird es noch ein weiteres Novum geben: die erste Ski-WM mit 5.1-Ton – denn dafür ist die Anlage dank CANTUS und NEXUS schon ausgelegt.

 

Alleskönner: OB-Van - BBC Sound 3

Die Ü-Technik gehorcht einer festen Regel: Nichts ist zweimal gleich! Diesem Prinzip folgend, etabliert sich bei Ü-Wagen dank CANTUS und NEXUS eine neue Konzeption.

Heute Show, morgen Konzert und übermorgen Sport – der Einsatzplan eines gut gebuchten Übertragungswagens ist abwechslungsreich. Um dieser Vielfalt gerecht werden zu können, braucht der Ü-Wagen ein flexibles Mischpult. Freie Konfigurierbarkeit bis hin zum individuellen Aufbau eines jeden Kanalzuges, Speicherbarkeit von regelmäßig wiederkehrenden Projekten und Schnelligkeit in der Bedienung sind die Gründe, weshalb immer häufiger ein CANTUS in modernen Ü-Wagen zu finden ist.

Kommando kommt mit

Integraler Bestandteil eines CANTUS-Mischpults ist die Kreuzschiene NEXUS, die als Ein- und Ausgangsmatrix dient. Mit Hilfe externer Basisgeräte und einer mobilen Glasfaserverkabelung lässt sich NEXUS auch außerhalb des Ü-Wagens bis zum Ort des Geschehens verlängern und verzweigen. Nicht nur die Mikrofonsignale laufen über dieses Netz:

Die Kommandoanlage mit Außensprechstelle, die Rotlichtsteuerung der Kameras, der Timecode für externe Zuspieler, oder die Fernbedienung ausgelagerter Geräte werden ebenfalls integriert. Also nur noch ein einziges leichtes, dünnes Glasfaserkabel statt vieler verschiedener Verbindungen vor Ort!

Lange Leitung

Fest verlegte Glasfaser kann man heute in den meisten Städten anmieten. Sie lassen sich auch für eine Außenübertragung nutzen, indem man mit ihnen das NEXUS-Netz an entferntere Orte verlängert und sich dadurch evtl. einen zweiten Ü-Wagen einspart! Eine Idee, die z. B. vom HR in Frankfurt genutzt wird, und zwar mit angemieteten Glasfasern, auf denen im passiven Wellenmultiplex ATM- und Audio- bzw. Kommandoverbindungen realisiert werden.

Viel Format

Dank des offenen Konzepts lässt sich jedes CANTUS um beliebige Eingänge erweitern, indem man ein weiteres Basisgerät hinzufügt. Am flexibelsten ist ein Pool von Basisgeräten, die für jede Produktion neu unter mehreren Ü-Wagen aufgeteilt werden. Bestückt man die Basisgeräte mit unterschiedlichen I/O-Karten, dienen sie gleichzeitig auch noch als Formatwandler und lösen das Babelproblem der digitalen Audiotechnik.

Ü-Wagen-Grundregeln

Dem Ü-Wagen-Bau sind feste Grenzen gesetzt, denn Gesamtgewicht und Größe sind gesetzlich limitiert. Die Ausstattung muss demnach klein und leicht sein - so wie CANTUS und NEXUS. Ähnliches gilt für die Klimatechnik und die Stromaufnahme: Wenig Verlustleistung heißt wenig Abwärme und wenig Klimatechnik. Das Gewicht schlägt sich auch in der Verkabelung nieder. Wo man früher viele Kupferkabel quer durch den Ü-Wagen verlegen musste, verlangt eine CANTUS/NEXUS-Installation lediglich nach einem Glasfaserkabel. Platziert man z. B. ein Basisgerät im vorderen Wagenteil in der Bildregie und ein zweites hinten im Tonteil, so hat man den gesamten Wagen tontechnisch mit einem Minimalaufwand erschlossen.

 

Ton im SDI: Getrennt und wieder vereint

Mit der weltweiten Akzeptanz von SDI als Übertragungsstandard für Video inklusive Ton wurde vieles leichter – und dafür manches kompliziert. Für das Audio-Routing zum Beispiel gelten hier völlig andere Anforderungen.

Die digitale Fernsehstudiotechnik verfügt über einen weltweiten Standard zur Übertragung von Video, Ton und Zusatzdaten: Die Rede ist von SDI. Es vereinfacht nicht nur die Verkabelung im Studio, sondern dient auch als kompakter Übertragungsstandard z. B. bei der Versendung eines Beitrags via Satellit zum Funkhaus. Damit ist der Übertragungsweg von Ton und Bild identisch geworden, womit Leitungskosten gespart und Laufzeitunterschiede zwischen der Ton- und der Bildübertragungsstrecke vermieden werden können. Darüber hinaus stellt SDI eine ausreichende Menge an Tonspuren, 16 an der Zahl, pro Videosignal zur Verfügung, die von SDI-Videoroutern zusammen mit dem Videosignal geschaltet werden können. Damit vereinfacht sich das Handling in großen Systemen deutlich. Die Vorteile des SDI sind weitreichend, aber es bringt als evolutionär gewachsenes Format aus der Anfangszeit des digitalen Videos auch einige Schwierigkeiten mit sich. Diese machen sich deutlich bemerkbar, wenn es um Audio-Signalrouting z. B. bei der Tonnachbearbeitung geht.

Man mag verschiedene Inhalte mit der Abkürzung »SDI« assoziieren – hier soll es um »Serial Digital Interconnect« gehen. SDI ist die Umschreibung des in SMPTE 259M definierten Standards zur seriellen Übertragung eines digitalen Videosignals. Der Normung des seriellen Interfaces ist die generelle Normung des Formates mit damals noch paralleler Schnittstelle in SMPTE 125M vorausgegangen. Eine genaue Darlegung aller Aspekte der Digitalisierung des Videosignals möchte ich Ihnen hier ersparen. Nur so viel – neben den reinen Videodaten bietet der Signalstrom auch Platz, um zusätzliche Daten zu übertragen. Üblich sind hier Timecodes und eben Audiodaten, aber auch nutzerspezifische Steuerdaten sind möglich.

In SMPTE 291M wird die generelle Formatierung und Platzierung von Zusatzdaten spezifiziert. Das so genannte Embedding von Audio wird mit SMPTE 272M festgelegt. Die Grafik stellt die verschiedenen Datenbereiche eines Videosignals in Component-Form dar. Die Struktur digitalisierter Composite-Signale unterscheidet sich davon nicht wesentlich. Composite-Signale bieten prinzipiell eine geringere Qualität, benötigen aber weniger Bandbreite. Mit der Verfügbarkeit entsprechend leistungsfähiger Hardware hat sich jedoch der Component-Standard im professionellen Bereich durchgesetzt.

Hier ist für klassische TV Formate (4:2:2 Video) eine Datenrate von 270 MBit gebräuchlich. Diese Datenrate ist identisch für Syteme mit 525 Zeilen/29.97 Hz und 625 Zeilen/25 Hz. Mit der Einführung von anderen Bildformaten und HDTV wurden weitere Standards entwickelt, auf die hier jedoch nicht eingegangen werden soll. Den vertikalen Zusatzdatenbereich »VANC« nutzt man beispielsweise für den Timecode (SMPTE 266M). Audiosignale werden nach SMPTE 272M nur im horizontalen Zusatzdatenbereich »HANC« übertragen. Die verfügbare Brutto-Bandbreite im HANC-Bereich beträgt bei 525 Zeilen ca. 42,2 MBit/s, bei 625 Zeilen ca. 43,8 MBit/s.

Die Übertragung der Audiodaten erfolgt in Paketen zu je 4 Kanälen beziehungsweise 2 Stereo-Paaren. Man unterscheidet die eigentlichen Audio-Pakete von erweiterten Daten-Paketen und Steuer-Paketen. Das Grundgerüst dieser Pakete ist ähnlich, ihre Länge ist variabel und abhängig vom jeweiligen Inhalt. Die Differenzierung innerhalb des Datenstroms erfolgt durch verschiedene Kennungen im Paket-Kopf. In den Audio-Paketen werden nur 20 Bit Audio (von 24 Bit) und die Zusatzdaten (C, U, V) eines AES/EBU Samples übertragen.

Dies stellt die einfachste Form des Audio-Embeddings dar. Sollen 24-Bit-Audiodaten übertragen werden, so sind zusätzlich erweiterte Daten-Pakete notwendig. Sie transportieren die verbleibenden 4 Bit.

Für die verbreitetste Form der Übertragung – 20 Bit bzw. 24 Bit bei fs = 48 kHz – sind Steuer-Pakete optional; in ihnen lassen sich jedoch zusätzliche Informationen wie Sample-Rate oder Delay mitgeteilen. Steuer-Pakete werden nur einmal pro Halbbild eingefügt.

Diese 3 Paketarten bilden im Übertragungsschema eine Gruppe. Maximal 4 dieser Gruppen sind nach SMPTE 272M definiert. Sie werden ebenfalls durch verschiedene Kennungen in den Paket-Köpfen unterschieden. Jede Paketart hat also 4 verschiedene Kennungen je nach Gruppen-Zugehörigkeit. Werden keine größeren Datenmengen neben dem Audio im HANC-Bereich übertragen, so können auch alle 4 Gruppen embedded werden (Component Video). Damit sind also bei einer Sample-Rate von 48 kHz maximal 16 Audiokanäle übertragbar.

Die Digitalisierung von Video und Audio erfolgt mit verschiedenen Frequenzen, die kein einfaches Teilerverhältnis bilden. Daraus folgt die isochrone Übertragungsform des Audios im Video-Trägerdatenstrom. Die Relation zwischen beiden Signalen (fs = 48 kHz) macht die Tabelle deutlich.

Da nur ganzzahlige Samples möglich sind, enthält ein Audio-Paket also 3 oder 4 Audio-Samples pro Kanal je Videozeile. Die Aufteilung erfolgt so, dass eine möglichst gleichmäßige Verteilung erreicht wird. Das Verteilungsschema wiederholt sich bei 625 Zeilen je Bild, bei 525 Zeilen nur alle 5 Bilder (8008 Samples in 5 Bildern).

Um am Empfänger einen kontinuierlichen Audio-Datenstrom zu rekonstruieren, ist ein Puffer, im einfachsten Fall eine FIFO notwendig. Dieser Puffer fügt dem Audiosignal eine Laufzeit hinzu. Nach SMPTE 272M sind FIFO-Tiefen von 40 bis max. 64 Samples üblich. Bei intelligenter Verteilung und Rekonstruktion sind auch kürzere Laufzeiten erreichbar. Da die Aufteilung der Pakete auf die Videozeilen vom Standard nicht vorgeschrieben ist, bleibt es letztlich dem Entwickler des Systems überlassen, die optimale Lösung zu finden. Hier liegt ein potentielles Problem bei der Kombination von Equipment verschiedener Hersteller: Der Anwender muss die hinzugefügte Laufzeit bedenken. Durch verschiedene Bearbeitungsschritte des Audio- und Videosignals kann ein Versatz zwischen Bild und Ton auftreten. Dieser ist gegebenenfalls auszugleichen.

Ein weiteres und etwas schwieriger zu beherrschendes Problem ist die Anordnung der Pakete selbst: Es sind 4 Gruppen von Paketen möglich, jede Gruppe kann 4 Audiokanäle transportieren. Für jede dieser Gruppen besteht das gleiche Problem der Aufteilung der Audio-Samples relativ zum Video, aber auch das Problem der Platzierung der Pakete relativ zu anderen, schon vorhandenen Paketen innerhalb des verfügbaren HANC-Bereiches.

Die einfachste Anordnung ist die Aneinanderreihung im Datenstrom: Paket A, Paket B, Paket C, Paket D, EAV und SAV. Jedes der Pakete kann theoretisch eine verschiedene Anzahl von Audio-Samples enthalten (3 oder 4), und ist damit unterschiedlich lang. Die Reihenfolge der Pakete ist nicht vorgeschrieben. Wird nun ein Block entfernt oder hinzugefügt, so entstehen bandbreite-verschwendende Lücken, oder Pakete überschreiben sich gegenseitig, was zu Datenverlust führt. Geräte, die sich zum Ziel gesetzt haben, die maximale Kanalzahl zu verwalten, stehen also vor dem Problem, Pakete bei Bedarf umzuplatzieren und somit die Gesamtstruktur zu reorganisieren. Dieser Punkt ist um so wichtiger, da oftmals der Wunsch besteht, Audiodaten innerhalb des Datenstroms – zwischen oder innerhalb der Pakete – oder zwischen verschiedenen Datenströmen zu routen. Jedes intelligente Equipment steht weiterhin vor dem Problem, vor dem Hinzufügen von Audio-Paketen den eintreffenden Datenstrom auf bereits vorhandene Audiodaten zu überprüfen und entsprechend zu reagieren. Eine Gruppe von Paketen darf nur einmal im Datenstrom auftreten, aber nicht jede Gruppe muss vorhanden sein.

Viele Geräte können nur eine Gruppe verarbeiten. Mit dem Einsatz von Surround-Signalen sind mindestens 2 Gruppen erforderlich (8 Kanäle). Ein weiteres Problem bei Surround-Anwendungen ist der Ausgleich der Laufzeit zwischen den 2 verwendeten Gruppen, da ja jede für sich genommen isochron zum Video und zu anderen Gruppen übertragen wird. Durch entsprechendes Gerätedesign kann aber eine identische Laufzeit garantiert werden.

Insgesamt ist der große Vorteil hervorzuheben, dass es möglich ist, innerhalb des Videodatenstroms bis zu 16 Audiokanäle zu übertragen. Video-Router können also auch die eingebetteten Audiodaten verteilen. Damit entfällt ein separates Routing des Audio und eine feste Zuordnung zum Video vereinfacht das Handling in großen Systemen.

Sobald man kreativ mit SDI arbeitet, entsteht der Wunsch nach solch flexiblem, normgerechten Audio-Routing. Ein Beispiel von der Winterolympiade in Salt Lake City: Das Schweizer Fernsehen SRG SSR steht wie häufig vor dem Problem der Vielsprachigkeit der Schweiz. Zumindest ein deutscher, ein französischer und ein italienischer Kommentar sowie ein IT-Ton sind bei jedem Videosignal notwendig. Zu Hause in der Schweiz sollen die Töne aber unterschiedlich weiterverarbeitet werden, schließlich will jeder Sender nur in seiner Muttersprache senden. Schnell entsteht der Bedarf nach vielen externen De-Embeddern und Embeddern, die das Tonsignal aus- und wieder einkoppeln. Diese müssen alle kompatibel zueinander sein. Am Beispiel des SRG SSR, der seine Ü-Wagen-Flotte sowie zahlreiche seiner Studios auf CANTUS und NEXUS aufgebaut hat, kann man für die Zukunft eine andere, nahe liegende Lösung erkennen: die SDI-Karte für den Audio-Routing-Spezialisten NEXUS!

 

Münchner Freiheiten

Wenn das Opernhaus mit der zweitgrößten Bühne Europas – nur die Bühne der Bastille in Paris ist größer – eine technische Erneuerung vornimmt, zeigt das Ergebnis ebenfalls Größe. Ebenso wichtig in der Bayerischen Staatsoper in München: die neu gewonnene Flexibilität.

Noch wenige Takte und die Fanfarenbläser müssen einsetzen. Die Hand am Regler, zählt der Tonmeister konzentriert mit. Genau drei Takte später auf die richtige Zählzeit zieht er den Regler hoch und startet damit den digitalen Zuspieler, exakt passend zum live spielenden Orchester. Ein Beispiel aus der Oper Aida von Verdi, bei der die Fanfaren unsichtbar für das Publikum von der Hinterbühne ertönen sollen, realisiert mit Hilfe einer vorproduzierten Einspielung. Bei einer solchen Anwendung ist Flexibilität gefragt sowie eine hochwertige Technik, die dem Zuschauer die Illusion der Fanfaren überzeugend vermitteln kann.

Große Ziele

Rechtzeitig zum Spielzeitbeginn des letzten Jahres hat die Bayerische Staatsoper ihre Tonanlage erneuern und erweitern lassen. Nach 20 Jahren Nutzungsdauer der alten Anlage, an der im Laufe der Zeit immer wieder angebaut wurde, war ein Komplettaustausch nötig. Die SALZBRENNER STAGETEC MEDIAGROUP als Generalunternehmer demontierte die alten Anlagen, entsorgte dabei immerhin um die 3,7 Tonnen Elektronik, baute ein neues Tonstudio für Vorproduktionen und Mitschnitte ein, ersetzte die gesamte Technik in der Tonloge für den Opernsaal, zog ein Glasfaser-Audionetz ein, installierte eine umfangreiche Videotechnik und realisierte eine natürlich klingende Saalund Bühnenbeschallung. Unter der Maßgabe der Flexibilität wurden die Komponenten CANTUS und NEXUS als Grundlage der Installation eingebaut. Dies brachte gleichzeitig den Vorteil mit, auf einem Quasi-Standard aufzusetzen, der für fremdes Personal bedienbar ist.

Geteiltes Pult

Die Tonloge im Opernsaal, die übrigens eine elektrisch absenkbare Schallschutzglasscheibe zum Saal bieten kann, verfügt über ein voll ausgebautes CANTUS mit 48 Bedienkanälen, an das eine Nebenkonsole angedockt werden kann. Im Probenbetrieb wählt man dazu eine Position in der 13. Reihe Mitte. Wenn die Nebenkonsole auch während einer Vorstellung nötig sein sollte, überlässt man diese besten Plätze dem Publikum und zieht sich auf das hintere Parkett zurück.

Ein weiterer Nebenkonsolenanschluss liegt im Königssaal, einem Festsaal, in dem manchmal Bankette und Empfänge stattfinden. Um die Bandbreite der Möglichkeiten noch mehr zu erhöhen, legte Thomas Rott, der Cheftonmeister der Staatsoper, viel Wert auf eine weitere Besonderheit: Zusätzlich zu der kleinen, aus Kanalzügen bestehenden Nebenkonsole wünschte er sich eine ebenfalls transportable Zentralbedienung. Beide Komponenten sind heute auf je einem Wagen montiert und lassen sich von einem Mitarbeiter alleine in den Saal schieben und installieren. Der Anschluss erfolgt über zwei Glasfaserkabel, je eines pro Einheit. Mit diesem Trick erhöht sich die Flexibilität enorm, weil sowohl einfache Anwendungen bis hin zu einer vollständigen Fernbedienung des CANTUS möglich sind.

Mit Video und 5.1

Bei CANTUS kann die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Nebenpult auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten definiert werden, nämlich als Split- oder als Parallelbetrieb. Beim Split-Betrieb wird jedes anliegende Signal jeweils einer der beiden Konsolen fest zugeordnet. Die Bayerische Staatsoper wählte hingegen – wie die meisten Opernhäuser oder Theater – den Parallelbetrieb, bei dem beide Pulte gemeinsam auf alle anliegenden Signale zugreifen. So können Saalpult und Logenpult gemeinsam bei einem Projekt eingesetzt werden und sich gegenseitig unterstützen.

Das zweite, unabhängige CANTUS ist im Tonstudio installiert. Dieses Tonstudio, das auch eine umfangreiche Videotechnik mit Schnittplätzen beherbergt, wurde völlig neu geschaffen, indem es seitlich oben im großen Probensaal abgeteilt wurde. In diesem Studio entstehen die Einspieler und andere Vorproduktionen. Auch für Mitschnitte wird es genutzt, weshalb es dem Trend der Zeit entsprechend mit einer 5.1-Anlage und der CANTUS-Option für Mehrkanalton bestückt wurde.

Um überhaupt Mitschnitte in dem räumlich entfernten Tonstudio vornehmen zu können, benötigt man Querverbindungen im Haus. In der Bayerischen Staatsoper wollte man die Tonsignale flexibel zwischen Opernsaal, Probensaal, Tonloge und Produktionsstudio routen und integrierte dazu ein NEXUS-Netz mit 12 im Haus verteilten Basisgeräten. Sie dienen als Anschlusskästen für die Bühne und das Orchester, sie leiten die Signale zu den Verstärkern der Beschallungsanlage weiter und sie übernehmen natürlich auch innerhalb der beiden Studios die Routingaufgaben.

Ton ohne Tonanlage

Die einzelnen Basisgeräte sind über Glasfaser miteinander verbunden, und zwar so, dass alle nur denkbaren Kombinationen und Parallelnutzungen der Regiezentralen ohne Engpässe in der Routing-Kapazität vorgenommen werden können. Mit Absicht wurden auch keine Einschränkungen im Routing vorgesehen und etwa bestimmte Eingänge nur von einem Arbeitsplatz aus schaltbar gemacht. Lediglich die Zuleitungen zu den Verstärkern der Beschallungsanlage im Opernsaal sind per Passwort im Produktionsstudio geschützt, damit nicht aus Versehen jemand bei einer Fehlbedienung die Beschallung im Saal unterbricht bzw. aussteuert. Ein eigenständiges Basisgerät ist für die Bedienung direkt von der Regie im Saal vorgesehen. Im Probenbetrieb, bei dem die Tonabteilung nicht immer benötigt wird, kann die Regieassistenz von der Regiereihe aus selbst die CD- oder Kassetteneinspielungen vornehmen. Es wird somit kein Personal aus der Tonabteilung benötigt! Die Tonanlage muss dazu auch nicht gesondert eingeschaltet werden.

Ko-Existenz

Im Haus war eine umfangreiche analoge Hausverkabelung vorhanden, die man trotz des neuen NEXUS-Netzes erhalten hat – wieder aus Gründen der Flexibilität. Immerhin 180 derartige Mikrofonleitungen liegen im Haus, von denen man bis zu 30 gleichzeitig über einen speziell entworfenen Sternverteiler auf ein NEXUS Basisgerät verteilen kann. Um z. B. schnell ein einzelnes Mikrofon an einer entlegenen Stelle zu installieren, wird dieses Analognetz heute noch genutzt.

Ein Hintergedanke war sicher auch die Redundanz, die ein zweites Kabelnetz bietet. Auf diesen Redundanzfall musste man bisher allerdings noch nicht zurückgreifen, denn die Anlage hat seit ihrer Inbetriebnahme im Oktober 2001 nicht nur ihre Flexibilität, sondern auch ihre bekannte Zuverlässigkeit einmal mehr erfolgreich unter Beweis gestellt!

Das Projekt

Zum Gelingen eines großen Projektes tragen oft viele einzelne Partner bei. So auch bei der Neubeschaffung der Technik in der Bayerischen Staatsoper, die über das Staatliche Hochbauamt München abgewickelt wurde: Der leitende Tonmeister Thomas Rott legte die Anforderungen der Anlage fest, das Planungsbüro Huneke + Partner erstellte die Ausführungsunterlagen und die SALZBRENNER STAGETEC MEDIAGROUP als Generalunternehmer übernahm die Feinplanung und führte schließlich die Sanierung durch.

 

Schwäbisch bewährt – der neue Produktionskomplex PK1 des SWR Stuttgart

Glaubt man dem Volksmund, so gelten im Schwabenland noch alte Werte, und die Sicherheit ist ein ganz wichtiger davon. Andererseits präsentiert sich der Schwabe gerne als Freund modernster Technik. Mit einer neuen Installation hat der SWR in seinem Stuttgarter Haus die Lösung dieses Widerspruchs gefunden: Alles aus einer Hand

In wenigen Wochen feiert der SWR die Übergabe und Inbetriebnahme seiner neuen Tonregie im Produktionskomplex PK1 beim Fernsehen in Stuttgart. Mit dabei: Die SALZBRENNER STAGETEC MEDIAGROUP, die als Generalunternehmer eine kompakte und betriebssichere Tonregie auf Basis von CANTUS und NEXUS installiert hat. Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch bis zur Einweihung. Die Technik selbst ist zwar schon geprüft, gemessen und für gut befunden worden, aber die letzten Akustikarbeiten sind gerade voll im Gange.

Einmannbetrieb

Der SWR teilt sich seit der Fusion von SDR und SWF die Produktionskapazitäten in Baden-Baden, Stuttgart und Mainz. Das Stuttgarter Haus ist seitdem vor allem für das Regionalprogramm, für Nachrichten und Informationsmagazine, aber auch für Sportsendungen mit Besuchern bis hin zu aufwändigen Wahlsendungen für Baden- Württemberg zuständig. Die Tonregie zum Mehrzweckstudio im PK1 sollte sich daher flexibel an die unterschiedlichen Anforderungen der Sendungen anpassen – eine leichte Aufgabe für das frei konfigurierbare CANTUS.

Zwei weitere Forderungen zählten: Die Technik muss einfach und schnell bedienbar sowie absolut betriebssicher sein, denn diese Tonregie wird grundsätzlich im Einmannbetrieb gefahren. Bei einigen Sendungen steuert der Toningenieur zusätzlich noch die Saalbeschallung im Studio – und muss sich dabei voll auf sein Equipment verlassen können.

Schnelle Einarbeitung

Das Haus verfügt nicht über eine Ausweichregie. Doch das Risiko war kalkulierbar, denn schon seit mehreren Jahren arbeitet der SWR in Stuttgart in der TV-Tonbearbeitung mit vier CANTUS- Regien sowie mit einem großen CANTUS-Ü-Wagen. Der Sender baut also mit seiner neuen Regie in der Tonproduktion auf Bekanntem auf und vereinfacht sich damit den Service. Da die Toningenieure des SWR übergreifend in Produktion wie auch Bearbeitung eingesetzt werden, entfällt noch dazu ein Großteil der Einarbeitung.

In Rekordzeit

In der Umbauphase von alter auf neue Technik musste sich der SWR eine provisorische Ausweichregie schaffen und den technischen Umfang der Sendungen deutlich herunterfahren. Die SALZBRENNER STAGETEC MEDIAGROUP konnte aus dem Dilemma schnell heraushelfen, denn sie installierte die Komponenten in Rekordzeit. Der Trick: Alle Kabel waren schon beim GU vorkonfektioniert und mussten vor Ort nur noch gesteckt werden.


Eine detaillierte Planung, aber auch die komfortable und einfache Verkabelung von CANTUS und NEXUS haben maßgeblich zum Gelingen dieser Aktion beigetragen. Ein kurze Installationsphase verbunden mit einer kurzen Ausfalls- und Provisoriumszeit spart Geld – womit wir wieder beim Volksmund und seinem Bild des Schwaben angelangt wären.

 

Salt Lake City – die Winterolympiade mit CANTUS und NEXUS

Als am 11.02.2002 bei der Winterolympiade in Salt Lake City akrobatische Sprünge und Saltos im Snowboard-Halfpipe-Wettbewerb der Herren gezeigt wurden, waren CANTUS und NEXUS live dabei. Für die wintersportbegeisterten Schweizer wurden die 19. Winterspiele von der SRG SSR mit Hilfe einer transportablen Stage-Tec-Tonanlage des Senders übertragen.

 

Pavarotti and Friends – Impressionen des Benefizkonzerts

Seine jährlichen Auftritte im Parco Novi Sad in seiner italienischen Heimatstadt Modena sind inzwischen Tradition. Gemeinsam mit den berühmtesten Stimmen der Klassik und Popmusik veranstaltet der Opernstar Luciano Pavarotti jedes Jahr ein Wohltätigkeitskonzert zugunsten von bedrohten Kindern in aller Welt.


Am 29. Mai 2001 fand das mittlerweile achte Pavarotti & Friends-Konzert statt, dieses Mal stand es unter dem Motto »Pavarotti & Friends for Afghanistan«. Mit den Einnahmen des Abends wurden zwei Projekte finanziell unterstützt, die zum einen afghanische Frauen und Kinder in den Flüchtlingslagern versorgen und zum anderen den Bau von Schulen und medizinischen Einrichtungen vorsehen.

Ein weiteres Mal beteiligten sich viele Stars aus der Musikbranche an diesem Event, sowohl altbekannte als auch junge Künstler gaben sich die Ehre.


Nachdem Pavarotti in den Jahren zuvor mit Bono, George Michael, den Spice Girls, Celine Dion, Sting, Mariah Carey und Jon Bon Jovi gemeinsam sang, stand er in diesem Jahr mit dem 60-jährigen walisischen Sänger Tom Jones, der britischen Kultband Deep Purple und den Soul- und Jazz-Legenden Barry White und George Benson auf der Bühne, die alle schon sehr lange und sehr erfolgreich im Musikgeschäft tätig sind. Dagegen stürmen Morcheeba und Anastacia, die ebenfalls an der Wohltätigkeitsveranstaltung teilnahmen, erst seit kurzer Zeit die Charts.

Ein Chor mit 30 afghanischen Kindern übernahm die musikalische Begleitung bei den Auftritten der verschiedenen Musiker.

Unter den Gästen waren unter anderem die Schauspielerin Catherine Zeta-Jones mit ihrem Ehemann Michael Douglas, die sich ehrenamtlich als UN-Friedensbotschafter engagieren und Reden hielten. Für abwechslungsreiches Programm war somit gesorgt.

Durch den Verkauf der Tickets, die bis 500 Eur kosteten, und zusätzliche Spenden konnten über 1,5 Millionen US-Dollar eingenommen werden.

Der 65-jährige Pavarotti soll für sein Engagement für bedürftige Kinder in Not eine Nansen-Medaille erhalten, die bisher fast nur an Könige und Staatspräsidenten verliehen wurde.


Neben der Übertragung für den italienischen Rundfunk RAI wurde die Veranstaltung mit zwei CANTUS-/NEXUS-Systemen für eine CD-Produktion auf eine Vielzahl von digitalen Multitrackrecordern aufgezeichnet.

 

Quirinale – das »Concerto In Occasione Della Festa Nazionale della Repubblica«

Traditionell wird in Rom am Vorabend des »Tages der Republik« - dem 2. Juni - das Concerto In Occasione Della Festa Nazionale della Repubblica abgehalten. Schauplatz dieses Konzerts ist der Quirinal, der höchste der sieben »klassischen« Hügel der Ewigen Stadt, auf dem sich auch die offizielle Residenz des Staatspräsidenten befindet.

Für die Beschallung und die Sendung des Konzerts ist die staatliche Rundfunkanstalt Italiens, die RAI zuständig. Zu diesem Zweck wurden im Jahr 2000 vier Consumer-Digitalpulte eingesetzt, deren Zuverlässigkeit allerdings zu wünschen übrig ließ; ja, die Probleme wuchsen sich sogar derart aus, dass die RAI nach dem Konzert eine offizielle Protestnote entgegennehmen musste. Absender: Der Staatspräsident Azeglio Ciampi persönlich.

Angesichts dieses Umstands wurde in diesem Jahr sehr viel Wert auf eine zuverlässige Technologie gelegt. Und nach dem Erfolg der Aufführung von La Traviata lag es nahe, das dort verwendete Equipment auch hier einzusetzen: NEXUS und CANTUS.

Neben den Stage-Tec-Systemen kamen weitere hochwertige Komponenten zum Einsatz. So wurden alle Instrumente, die beiden Solosänger und der Chor mit Mikrofonen von Schoeps abgenommen, während das Ambiente mit einem Stereomikrofon von Neumann übertragen wurde. Kleine Anekdote am Rande: Aufgrund eines heftigen Schauers wenige Minuten vor Beginn des Konzerts fielen zwei der Chormikrofone aus - da die für Kondensatormikrofone notwendige Phantomspannung bereits anlag, kam es zu einem Kurzschluss, der Schäden an den Mikrofonen verursachte.

Aber auch mit zwei Mikrofonen lief das Konzert reibungslos ab und wurde - anders als im letzten Jahr - zu einem riesigen Erfolg. Und selbst der kritische Herr Staatspräsident war, wie man hören konnte, sehr zufrieden.

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