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Der Computereinsatz
revolutioniert die Rundfunkwelt: PCs statt Bandmaschinen, Computernetzwerke
statt Audioleitungen, Dateitransfer statt Überspielung – das
bringt Auswirkungen in allen Bereichen mit sich, auch für das
gesamte Campus-Routing. Der Hessische Rundfunk geht dabei mit seinem
neuen Hörfunk-Komplex neue Wege mit NEXUS als Herz.
Schalten im Hintergrund
Acht Wellen, zentrale ARD-Dienste wie Astra-Einspeisung, digitale Produktionstechnik,
computerisierte Redaktions- und Sendesysteme in mehreren Gebäuden – das
Projekt ist einzigartig: Der Hessische Rundfunk hat seinen gesamten
Hörfunkkomplex auf einen Schlag von traditioneller auf digitale,
vernetzte Technik umgestellt. Damit wagte der Sender viele Schritte
auf einmal, denn die neue Technik kopiert nicht einfach auf digitaler
Ebene die bisherigen Strukturen innerhalb des Hauses; sie verbindet
vielmehr die Möglichkeiten von neuen Arbeitsweisen und Technologien
mit Altbewährtem. Das Ergebnis ist eine zukunftsweisende, innovative
Installation!
Sind einzelne Wellen in digitalisierter Form heute schon durchaus üblich,
so ist jedoch die Gesamtheit eines großen Mutterhauses mit
durchgängiger Computerisierung noch ein echtes Novum. Dadurch
stellte sich in der Planungsphase die Aufgabe, die Signalverteilung
innerhalb des Hauses neu zu überdenken. Denn einige klassische
Aufgaben der Signalverteilung entfallen durch die Computervernetzung:
Audio wird beispielsweise innerhalb der Wellen und teilweise auch
im Wellenaustausch als Datei übers Netz statt über Audioleitung
verschickt. Dafür gibt es aber auch einige neue Routing-Wege,
die abgedeckt werden müssen. Die BFE Studio- und Mediensysteme
GmbH als Generalunternehmer hat deshalb die Routing-Anforderungen
genau analysiert und darauf passend ein vielmaschiges NEXUS-Netz
aus derzeit 19 Basiseinheiten entworfen.
Innerhalb der Regien
Beim hr haben sich zwei grundsätzlich verschiedene Routing-Dienste
herauskristallisiert: das sendenahe, lokale Routing sowie die Signalverteilung
auf dem Campus.
Die meisten Zuspielungen in die sendenahen Regien erfolgen von den
insgesamt 17 On-Air-Servern mit je vier Stereo-Ausgängen, die
in einem zentralen Geräteraum installiert sind. Für sie
ist eine eigene NEXUS-Basiseinheit vorhanden, die die insgesamt 68
Ausgangssignale auf die fünf Senderegien, sechs Selbstfahrerstudios
und sechs Produktionsregien verteilt und gleichzeitig die abgehenden
Signale zurück auf die Mitschnittrechner im zentralen Geräteraum
führt.
Die Regien teilen sich, da sie räumlich kompakt angeordnet
sind, vier Basiseinheiten. Sie nehmen mehrere Funktionen wahr: Hier
kommen die schon erwähnten Zuspielungen an, gehen Leitungen
zum restlichen Campus ab, aber hier werden auch das rauminterne Routing
und insbesondere die Abhörwege realisiert. Die Anbindung an
die digitalen Mischpulte erfolgt dabei via MADI, mit einer Besonderheit:
Um in den Regien eine möglichst große Anzahl von Abhörwegen
zu bieten, hat Stage Tec eine spezielle, unidirektionale MADI-Karte
programmiert. Sie sendet lediglich, statt wie normalerweise auch
zu empfangen, und belegt dadurch weniger Zeitschlitze und weniger
Routingkapazität. Ein kleines Detail, das NEXUS optimal auf
die Kundenanforderungen anpasst.
Zentralrouter statt Hauptschaltraum
So viel zu den eher lokal durchgeführten Verschaltungen im sendenahen
Bereich. Ein Funkhaus fordert aber darüber hinaus zahlreiche Querverschaltungen – beispielsweise
vom Ü-Wagen in die Sendung oder vom Sendesaal ins Produktionsstudio – weshalb
noch neun weitere NEXUS-Einheiten quer über den Campus verstreut
installiert wurden. Die Forderung dabei war: Jedes Signal soll grundsätzlich
an jede Stelle im hr verteilt werden können. In der analogen Welt
würde man dazu im Hauptschaltraum riesige Audio-Matrizen aufbauen,
die die insgesamt 1300 Quellen auf etwa 2300 mögliche Senken verteilen.
Zum Glück geht dies mit NEXUS eleganter und kompakter, denn wo
früher eine echte Leitungskreuzung vorgesehen werden musste, tut
jetzt der TDM-Bus seine Dienste. Dank dieser Bustechnologie, die die
Audiosignale in Zeitschlitze »verpackt«, stehen die Eingangssignale
allen angeschlossenen Empfängern gleichzeitig zur Verfügung.
Jede NEXUS-Basiseinheit bietet 256 Zeitschlitze – eine Verteilkapazität,
die durch geschickte Kaskadierung und Vernetzung mehrerer Einheiten
auf die geforderte Dimension vergrößert wurde.
Jeder steuert mit
Im Hauptschaltraum – und an einigen anderen exponierten Stellen – wird
NEXUS über eigene Bedienrechner gesteuert, werden Koppelpunkte
gesetzt und Verbindungen überprüft. Über spezielle
BFE-Kreuzschienen-Kontroller kann man außerdem in allen Regien
per Tastendruck die Eingänge der Sende- und Produktionspulte
konfigurieren. Der BFE-Kontroller steuert dabei das NEXUS-Netz.
Darüber hinaus wollen in einem digitalen Funkhaus noch einige
andere Nutzer Verbindungen schalten: Der Redakteur möchte beispielsweise
für Programmaustausch eine Leitung bestellen und zu sich durchrouten.
Früher musste er dies zentral anfordern, heute kann er es in
seinem Sendesystem D’Accord von Management Data in gewissem
Umfang selbst veranlassen. Für NEXUS heisst das, dass es sich
auch vom D’Accord steuern lässt. Bestimmte Koppelpunkte
dürfen auf diesem Weg von den Redaktionen selbst gesetzt werden;
andere, etwa die Sendezuleitungen, bleiben natürlich vor ihrem
Zugriff geschützt.
Der Programmaustausch und die damit verbundenen Überspielungen
machen einen Großteil der Arbeit im Hauptschaltraum aus. Schon
seit längerem verwendet der hr für das Leitungsmanagement
im Hauptschaltraum eine Spezialsoftware aus dem Hause Veith, die
in der neuen Installation natürlich auch NEXUS steuert. Das
Veith-System in Kombination mit NEXUS bietet gute Havariesicherheit.
Denn mit nur einem Tastendruck kann der gesamte Sendebetrieb von
einer Regie in eine andere Reserve-Regie verlegt werden. Alle Audioverbindungen
führt das Veith-System mit, indem es das NEXUS entsprechend
nachsteuert.
Intelligent und klein
Dieses - gemessen an der Anzahl der Koppelpunkte pro Stunde - derzeit
zu den größten NEXUS-Netzwerken gehörende System
zeigt seine Vorteile damit nur im Verborgenen. Mit kleinsten physikalischen
Abmessungen, leise und im Hintergrund erfüllt es im hr zuverlässig
alle Routing-Aufgaben, dient als Interface für die verschiedensten
Signale und übernimmt sogar die sendegerechte Signalbearbeitung – eben
die solide Basis für das digitale Funkhaus!

Der Zentralrouter - was ist das?
In großen NEXUS-Netzen werden Signale über mehrere Basiseinheiten
quer durch ein Gebäude oder einen Campus verschaltet. Jede Basiseinheit
stellt dabei für sich einen eigenständigen Router dar,
der die angeschlossenen Signale auf die gewünschten Senken verteilt.
Zusätzlich ist aber meist auch ein Signalaustausch der Basiseinheiten
untereinander erwünscht: Beim HR soll beispielsweise die Summe
aus einer Regie auf den Sendeverteiler geschickt werden. Dazu ist
eine Vernetzung der Basiseinheiten untereinander notwendig, die über
Glasfaser realisiert wird. Um möglichst flexibel in der Verschaltung
zu sein, wird zentral eine Art Schaltknoten in das NEXUS-Netz eingefügt;
im einfachsten Fall ist dies eine einzelne NEXUS Basiseinheit. Sie
erhält von allen angeschlossenen Basiseinheiten die quer zu
verschaltenden Signale und heißt deshalb Zentralrouter. Eine
einzelne solche Basiseinheit kann 256 Zeitschlitze bedienen, also
256 verschiedene Signale führen, die auf beliebig viele Ausgänge
verteilt werden.
Wird das NEXUS-Netzwerk größer, so reicht diese zentrale
Verteilkapazität nicht mehr. In solchen Fällen werden mehrere
NEXUS-Einheiten – über Kreuz miteinander verbunden – als
Zentralrouter verwendet. Die Anzahl der Basiseinheiten und ihre Verschaltung
untereinander richtet sich dabei nach dem geplanten Signalfluss:
Der HR setzt als Schaltzentrale fünf Basiseinheiten – drei
als Eingangs- und zwei als Ausgangsmodule – ein. Damit kann
der hr heute 768 beliebig im Haus verteilte Quellen auf alle Ausgänge
der übrigen 16, räumlich verteilten Basiseinheiten schalten.
Zusätzlich schaltet jede Basiseinheit lokal die nur vor Ort
benötigten Signale, sodass insgesamt gesehen im NEXUS-Netz eine
nochmals viel höhere Schaltkapazität zur Verfügung
steht.
Der Anwender merkt von der tatsächlichen Netzwerkstruktur kaum
etwas. Er setzt lediglich einen Koppelpunkt, woraufhin NEXUS sich
den günstigsten Weg - entweder lokal innerhalb der Basiseinheit
oder über andere Basiseinheiten und den Zentralrouter - selbst
sucht und schaltet.
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