(2007)

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Erste AURATUS-Installation beim WDR Regionalstudio Siegen
Bedeutende Projekte wie die Entwicklung eines neuen Digitalpults sprechen sich
schnell herum. So erklärt sich, warum sämtliche Produkte aus dem Hause
STAGETEC schon kurz nach ihrer Präsentation in ersten Installationen bei Kunden
zu finden sind. Häufig nehmen diese Erstkunden auch noch Einfluss auf die Entwicklung
einiger Spezialfunktionen, so geschehen beispielsweise bei der Installation des CINETRA
bei Geyer Berlin.
Auch auf AURATUS trifft dies in gewisser Weise zu, denn noch während an der
Entwicklung der eigentlichen Konsole gearbeitet wurde, entschied der WDR, das neue
Mischpult mitsamt NEXUS-Audionetz in seinen Regionalstudios einzusetzen.

AURUS oder AURATUS?
Der zeitliche Ablaufplan für die Erneuerung der Regionalstudios lag allerdings
schon fest und damit auch der erste Installationstermin für AURATUS. Als erster
von drei Regionalstandorten, deren technische Neuausstattung in 2007 durch das Systemhaus
BFE als Generalunternehmen anstehen, wurde im Februar die Technik für das Regionalstudio
Siegen in einem neuen Gebäude installiert.
Nun ist es schon immer Firmenphilosophie gewesen, nur ausgereifte und gut geprüfte
Produkte an den Kunden weiterzugeben. Um dies trotz des frühen Termins im Februar
gewährleisten zu können, bediente man sich eines Kunstgriffs: Die ersten
drei AURATUS für das Regionalstudio Siegen wurden als Sonderedition mit der
neuen AURATUS- Konsole, aber erprobter AURUS-Prozessortechnik ausgeliefert. Ein Vorteil
für beide Seiten, denn die Zuverlässigkeit der AURUS-Audioprozessoren bietet
dem WDR eine hohe Betriebssicherheit, während STAGETEC noch Zeit für die
Feinabstimmung der neuen AURATUS-Steckkarte gewonnen hat. Ende des Jahres, nachdem
auch die beiden neuen Regionalstudios in Bonn und Duisburg ihre Räume in Betrieb
genommen haben, findet der Austausch der AURUS-Hardware in den drei Siegener Studios
gegen AURATUS-Steckkarten statt. Die Ausstattung der übrigen acht Regionalstandorte
mit AURATUS wird dann ebenfalls folgen.
Drei in einem
Mit dem Umzug in das neue Gebäude beabsichtigt der WDR in seinem Siegener Regionalstudio
nicht nur, eine neue Technik in Betrieb zu nehmen. Dahinter steht vielmehr ein neues
Konzept, nämlich die Idee des trimedialen Studios. TV-, Radio- und Internet-Inhalte
sollen dort künftig mit dem gleichen Redaktionsteam erarbeitet und mit derselben
Techniker-Crew produziert werden. Aus inhaltlicher Sicht ist dies besonders bei kleinen
Standorten eine effiziente Methode, das vorhandene Know-How in Redaktion und Technik
für alle drei Medien zu bündeln.
Allerdings braucht solch ein trimediales Studio eine andere Technik als ein herkömmliches
TV-, Hörfunk- oder Internetstudio. In der letzten Konsequenz bedeutet dies,
ein Studio zu bauen, das alle drei Medien technisch bedienen kann. Ein Interview
sollte ja vielleicht sowohl in einem Fernsehbeitrag als auch im Radio ausgestrahlt
werden. Weiterhin wäre denkbar, dass ein Beitrag zunächst ins Internet
gestellt wird und dann aufgrund des hohen Interesses ein TV-Beitrag daraus entsteht.
Dies alles ist nur möglich, wenn die Technik die notwendigen Voraussetzungen
bietet. Nicht zu vergessen: Überschaubar zu bedienen soll das Studio auch noch
sein, schließlich verlangt es von den Technikern ohnehin schon eine besondere
Kompetenz, in allen drei Medien zu Hause zu sein.

Flexibles Studiokonzept
Wo liegt also die Lösung des Problems? Drei TV-Studios samt Regien zu bauen
und dann eben nur den Ton zu nutzen, wenn es ein Radiobeitrag werden soll, wäre
natürlich möglich, aber nicht besonders zweckmäßig. Die teure
TV-Produktionstechnik, die Kameras und auch der viele Platz im TV-Studio kämen
ja kaum zum Einsatz. Eine Spezialisierung der Räume ist daher schon aus monetären
Gründen sinnvoll. Der WDR hat in Siegen ein TV-Studio und ein Radiostudio eingerichtet,
jeweils mit dazu gehörender Regie. Allerdings ist die Zuordnung von Studio und
Regie nicht starr. Vielmehr lässt sich das Radiostudio – das ja eigentlich
ein komfortabler, großer Sprecherraum ist – auch zusammen mit einer dritten
Regie, der so genannten bimedialen Regie BIM, betreiben. Dafür ist sogar der
Tisch im Radiostudio komplett mitsamt den Technikeinbauten drehbar, so dass der Sichtkontakt
durch das Regiefenster in die BIM-Regie frei wird. Ein kleiner, zusätzlicher
Sprecherraum kann zur Nachvertonung oder zum Verlesen von Radionachrichten verwendet
und dafür allen drei Regien und sogar noch vier weiteren Schnitträumen
zugeteilt werden. Im Normalfall arbeitet er jedoch mit der BIM-Regie zusammen.
Die Raumwahl entscheidet
Diese Flexibilität bildet sich natürlich auch im Audionetz ab. Alle drei
Regien sind mit je einem AURATUS mit 24 Fadern bestückt und greifen auf ein
gemeinsames NEXUS-Netzwerk aus fünf Basisgeräten zu. Jeder Regie ist dabei
ein Basisgerät zugeordnet, in das nach dem Umbau auf ein reines AURATUS auch
dessen Audiosteckkarte implementiert wird. Die beiden übrigen Basisgeräte
dienen zum einen als Netzwerkknoten, wofür sie mit jedem der anderen Basisgeräte
verbunden sind. Zum anderen fungieren sie als Schnittstelle für alle übergreifend
wichtigen Signale wie die von Außenleitungen oder Codecs.
Was passiert nun, wenn das Radiostudio an die BIM-Regie gekoppelt werden soll? Die
Mikrofone des Studios laufen auf den XMIC-Karten im NEXUS der Hörfunkregie auf
und sind im normalen Betriebsfall auf das AURATUS der Hörfunkregie geroutet.
Mit der Umschaltung des Radiostudios auf die BIM-Regie werden diese Quellen wie auch
einige Rückwege automatisch auf das AURATUS der BIM-Regie delegiert. Auch die
Steuerung von Rotlicht und Gelblicht wird entsprechend mit umgeschaltet. Möglich
machen dies die umfassenden Logikfunktionen des NEXUS, die in diesem Fall durch einen
zentralen Studiocontroller der BFE getriggert werden.
Die größte Schwierigkeit bei der Programmierung der Logikfunktionen bestand
darin, dass ein so neuartiges Konzept der variablen Regieund Studionutzung zunächst
eine genaue Festlegung der Arbeitsabläufe erfordert. Erfahrungswerte fehlen
noch, schließlich zeugt dieser Ansatz des WDR von echtem Pioniergeist. Doch
der Wagemut des Senders bewegt sich dabei in vernünftigen Grenzen, denn mit
seinem Technikkonzept und der Kombination aus NEXUS und AURATUS hat er eine so flexible
Lösung geschaffen, dass selbst für die Zukunft noch alle Nutzungsmöglichkeiten
offen bleiben. |