(2004)

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Nicht jeder bewegt sich sicher auf internationalem Parkett.
AURUS gelingt das gleich zweimal mit Leichtigkeit.
Diese Woche der Graf von Luxemburg, nächste Woche Lieder von Tom Waits und
Kurt Weill, danach die Rockoper Gormenghast – so sieht der Alltag einer der
renommiertesten Gastspielstätten Europas aus. Im Grand Théâtre
de la Ville in Luxemburg, einem Dreispartenhaus, treten die angesehensten Ensembles
aus dem französischen, englischen und deutschen Sprachraum auf. Ein großer
Saal mit beeindruckender Bühne und klassischer Theaterbestuhlung für 900
Personen sowie ein kleineres Studiotheater mit bis zu 400 Sitzplätzen in variabler
Anordnung ermöglichen die unterschiedlichsten Inszenierungen. Diese Vielfalt
ist es, die das Haus zu einem Magneten für Ensembles und für das Publikum
macht – seit der Neueröffnung zur Spielzeit 2003/2004 ist fast jede Veranstaltung
ausverkauft.
Just in Time
Diese Vielfalt verlangt aber auch nach flexibler Technik. Neue Bühnenbilder,
wechselnde Beschallungssituationen und unterschiedliche Aufgaben für Ton und
Video fordern bei dieser Aufführungsdichte eine anpassungsfähige Technik.
Da hohe Flexibilität und kurze Rüstzeiten zu den eindeutigen Stärken
der Digitaltechnik gehören, stand schon früh fest, dass das Haus seine
beiden Tonregien mit Routerund Mischtechnik von Stage Tec ausrüsten wird. Schon
die einfache Querverkabelung im Haus mit Hilfe von NEXUS und die vielen Variationsmöglichkeiten
dank mobiler Basisgeräte waren Gründe genug für diese Entscheidung.
Ein weiteres Kriterium war die einfache Handhabung der Technik. Bedienbar am besten
ohne jede Einarbeitungszeit, denn auch das technische Personal wird bei Gastspielen überwiegend
von den wechselnden Ensembles gestellt. Das intuitiv zu handhabende AURUS, das kurz
vor Ende der Realisierung des Umbaus seine Marktreife erlangte, war daher erste Wahl.
Mittlerweile steht also die erste AURUS Installation außerhalb Deutschlands
an prominenter Stelle in Luxemburg!

Paarweise
Zwei Säle, zwei Tonregien und zwei fest installierte AURUS-Mischpulte mit
96 beziehungsweise 64 DSP-Kanälen und 40 beziehungsweise 32 Kanalzügen:
Das Grundkonzept war schnell gefunden. Die Architektur des NEXUS-Netzwerks hat sich
mit dem Einsatz der STAR-Router als AURUS-Hosts vereinfacht. Die Technik im großen
Saal und in der Studiobühne bildet jeweils ein eigenes, für sich funktionsfähiges
und unabhängiges Audionetz. Beide Netze sind durch MADI-Leitungen miteinander
verbunden, die einen Parallelbetrieb mit Signalaustausch, aber ohne gegenseitige
Beeinflussungen ermöglichen. Zusätzlich stehen mobile Basisgeräte
bereit, die je nach Bedarf in den beiden Sälen als Erweiterung genutzt werden
können.
Mobile Unterstützung
Zu den beiden Mischpulten leistete sich das Theater auch noch eine kleine, transportable
Konsole mit 20 Fadern, die quasi als Fernbedienung einer Hauptkonsole genutzt werden
kann. Zieht man an der mobilen Slave-Konsole einen Fader hoch, so öffnet sich
der entsprechende Faderzug an der Hauptkonsole – und umgekehrt. Im Theater
Luxemburg soll die mobile Konsole dazu dienen, direkt aus dem Saal heraus die Proben
zu fahren, um einen direkten Austausch zwischen Regisseur und Tonmeister herzustellen.
Sämtliche während der Proben erarbeitete Einstellungen werden dann bei
der eigentlichen Aufführung vom großen Pult in der Einspielregie aus eingesetzt.
Aber auch bei Veranstaltungen selbst benötigt man immer häufiger Technik
direkt im Saal, zum Beispiel bei Musicals oder zur Beschallung von Bands. Dieser
Einsatz ist häufig in der Studiobühne mit ihren unkonventionellen Veranstaltungen
gefragt. Mit der mobilen Konsole ist dies kein Problem, denn sie lässt sich
in beiden Sälen gleichermaßen betreiben. Die Hardware eines jeden AURUS,
genauer gesagt, dessen RMC-Karte im NEXUS STAR, bietet nämlich schon einen zweiten
Mischpultanschluss an. Die mobile Konsole muss also lediglich per Glasfaser an die
AURUS-RMC-Karte eines der beiden Pulte angesteckt werden, eine Umprogrammierung ist
nicht notwendig.
Klein und extravagant
Was wirklich in ihm steckt, wird AURUS in der Studiobühne zeigen. Hier werden
vermehrt experimentelle Projekte in Szene gesetzt, die der Tontechnik grundsätzlich
mehr abverlangen als eine klassische Oper oder ein Theaterstück. Verstärkte
Musikinstrumente, Mikrofonierung bei Sprache und Gesang und auch Experimente mit
Surroundsound kommen in der Studiobühne durchaus zum Einsatz, kombiniert mit
außergewöhnlicher Anordnung von Bühne und Bestuhlung. Entsprechend
variabel ist dort die Technik: Beleuchtungsbrücken erlauben die Anbringung von
Beschallungslautsprechern an zahlreichen Punkten der Saaldecke. Die Lautsprecher
sind nicht direkt, sondern variabel über ein Steckfeld mit den Endverstärkern
verkabelt. In Verbindung mit AURUS, das bis zu 128 Busse – zum Beispiel zur
Ansteuerung der Lautsprecher – und Ausspielungen in Surroundsound erlaubt,
sind einer Inszenierung in der Studiobühne kaum Grenzen gesetzt.
Auf Maß
Die Umgestaltung des gesamten Theaters, ein echtes Großprojekt in der europäischen
Theaterwelt, ist durchweg gelungen. Dazu beigetragen hat sicher der Umstand, dass
die neue Technik genau an die Bedürfnisse der Nutzer vor Ort angepasst wurde.
Dies war nur möglich, weil das Theater sein technisches Stammpersonal während
der Umbauphase weiter beschäftigte und es stark in die Planung der neuen Anlagen
einbezog. Auf dieser Grundlage entstand eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen
dem Theater, dem Planungsbüro Gerling + Arendt und der SALZBRENNER STAGETEC
MEDIAGROUP als Planer und Lieferant. Das spiegelt sich in vielen Details wieder,
wie etwa der Maßanfertigung von Versatzkästen oder bei der Ausstattung
der Tonregien mit speziell entworfenen rollbaren Racks und Einrichtungsgegenständen.
Das Ergebnis: ein stimmiges Gesamtkonzept mit AURUS im Mittelpunkt.
Das AURUS-Konzept
Jedes AURUS besteht aus einer Hauptkonsole, die als Fernbedienung der eigentlichen
DSP-Einheit dient. Bei AURUS werden die DSP-Karten für das Mischpult in einen
NEXUS STAR Router installiert, ebenso wie die Mischpult-Steuerkarte RMC. An diese
RMC-Karte lassen sich zwei Bedienkonsolen anschließen. In Luxemburg wird darüber
die mobile Mischeinheit entweder im Großen Saal oder in der Studiobühne
in Betrieb genommen. Zusätzlich dient der NEXUS STAR in einer AURUS-Installation
als Audiorouter, sowohl für mischpultinterne Signale, als auch für das
externe Routing. Die RMX-Karte stellt dabei den Knotenpunkt des sternförmigen
Audionetzes dar. NEXUS-Basisgeräte werden über das NEXUS-eigene Glasfaserformat
FOC an den STAR angebunden. Das Theater Luxemburg legte zwei getrennte Audionetze
mit je einem NEXUS STAR, einem AURUS Mischpult und einem bzw. vier NEXUS Basisgeräten
an. Allerdings ist ein Signalaustausch über MADI möglich. Zwei mobile Basisgeräte
lassen sich wahlweise im Audionetz am Großen Saal oder in dem der Studiobühne
anschließen.
Umfangreiche Neuinstallation
Nach einer Pause von fünf Spielzeiten und einer grundlegenden Neugestaltung
der Räume und der Technik feiert das Grand Théâtre de la Ville
de Luxembourg seine Wiedereröffnung. Neben zwingend notwendigen Modernisierungsmaßnahmen,
unter anderem beim Brandschutz und der Klimatechnik, nutzte man den Umbau unter Leitung
von Gerling + Arendt als Planungsbüro zur völligen Neugestaltung, die die
technische Infrastruktur und Bühnentechnik mit einbezog. Die SALZBRENNER STAGETEC
MEDIAGROUP war dabei für die Feinplanung, Lieferung und Installation der neuen
Anlagen für die beiden Bühnen des Hauses verantwortlich. Mit dabei: außer
der AURUS Mischpulte die kompletten Ton- und Videoanlagen inklusive der Beschallung
und der Tonregien, die Verlegung von 83,5 km Kupferkabel und 2,5 km Glasfaser, die
Intercom- und Inspizientensysteme, das Niederspannungsnetz und die Elektroverteilung. |