(2005)
AURUS-
Referenzen in
Ü-Wagen:
RTBF Brussels, OB-Van "Magellan",
OB-Van "OneShot" Brüssel (Belgien)
(2 main Consoles)
ETABETA Roma, (Italien)
Hessischer Rundfunk, FÜ1, Frankfurt
Sveriges Radio, Stockholm (Schweden)
TVP Telewizja Polska, OB-VAN, Warschau (Polen)
VRT Flemish TV, OB-Van K2,
Brüssel (Belgien)
VRT Flemish TV, OB-Van K3, Brüssel (Belgien)
WDR Westdeutscher Rundfunk, FÜ-Sat, Köln
tpc zürich ag, HDTV OB Truck, Zürich (Schweiz)
WDR Westdeutscher Rundfunk, FÜ1 und FÜ2, Köln
Tamco OB-Truck, Tokyo, Japan

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Jazz steht bei den Schweden hoch im Kurs. Allein in der Hauptstadt
Stockholm existieren fast 10 Bühnen für live gespielten
Jazz. Diese musikalische Vorliebe spiegelt sich auch im Programm
des Sverige Radio SR wider – zum Beispiel in einem Live-Mitschnitt
des legendären Jazz-Saxophonisten Wayne Shorter
14:00 Uhr Der Ü-Wagen parkt auf dem Sveavägen mitten in
der Innenstadt
am Künstlereingang des Stockholmer Konserthus. Gerade fängt
es sachte an zu schneien. Ein kalter Wind weht. Eiszapfen an der
Unterseite des Ü-Wagens SR Live OB zeugen von der noch winterlichen
Witterung in Schwedens Hauptstadt.
Die Kabel – ein Glasfaserkabel, ein Videokabel für die Monitorkamera
und der Stromanschluss – werden ausgerollt, und schon geht es
wieder
ins Warme.
14:15 Uhr Warm gestanden haben auch die beiden mobilen NEXUS
Basisgeräte, die im unteren Stauraum am Ü-Wagen mit eigener
Heizung
immer auf plus 15 Grad Celsius gehalten werden. Eine gerade
im Winter wichtige Maßnahme, damit sich kein Kondenswasser bildet,
sobald die beiden Racks im geheizten Konserthus hinter der Bühne
aufgebaut werden.
14:30 Uhr Das Glasfaserkabel ist durch das Haus bis hinter die Bühne
verlegt und schließt die beiden NEXUS Basisgeräte an den
NEXUS
STAR im Ü-Wagen an. Zusammen mit dem großen NEXUS Basisgerät
in der Ü-Wagen-Tonregie bilden sie ein sternförmiges Audionetz.
Insgesamt drei transportable Einheiten gehören zum Ü-Wagen,
können
aber noch durch andere mobile NEXUS Basisgeräte des SR ergänzt
werden– ein Vorteil der Sternvernetzung. Eigentlich wäre
heute nur ein
Basisgerät notwendig gewesen, denn von den insgesamt 88 Mikrofoneingängen
werden nur 16 für die Wayne Shorter Band und vier fürs
Publikum gebraucht.
15:00 Uhr Die Bühne wird umgebaut, der Monitormischer installiert
und die Instrumente auf die Bühne gebracht. Währenddessen
bleibt
dem Toningenieur des Ü-Wagens, Maurice Mogard vom SR, Zeit genug,
um sein AURUS-Projekt für die Aufnahme zu erstellen. Mit dem NEXUS
ist er vertraut, schließlich hat der SR schon seit 1998 in einem
anderen
wichtigen Veranstaltungssaal, der Berwald Hall, ein CANTUS stehen.
Mit AURUS hatte er bislang wenig gearbeitet, denn der Ü-Wagen
wurde
erst im September umgerüstet. Der Umstieg auf das neue Mischpult
fällt ihm aber leicht, da es mit seinem klaren, übersichtlichen
Layout
nahezu intuitiv zu bedienen ist.
16:00 Uhr Die Mikrofonierung kann beginnen. Mit Ausnahme der
Atmo-Mikrofone stammen die Mikrofone vom Toningenieur der Wayne
Shorter Band. Und sie sind mit Bedacht ausgewählt, zum Beispiel
mit
einem Royer Bändchenmikrofon für Base Drum, für die
Overhead-
Mikrofonierung und für Shorters Tenorsaxophon. Die Mikrofonierung
ist vor allem auf die Beschallung abgestimmt, die bei jedem der über
200 Tour-Konzerte möglichst gleich klingen soll. Aus demselben
Grund verwendet die Band auch ihre eigenen Mikrofonvorverstärker.
Eigentlich schade, denn die NEXUS Basisgeräte des Ü-Wagens
sind
mit den 28-Bit-Mikrofonkarten von STAGETEC ausgestattet, die einen
Mikrofonvorverstärker überflüssig machen.
16:35 Uhr Eben will sich ein Falschparker mit seinem PKW hinter
den Ü-Wagen mogeln. Damit wäre die Klappe zum Außensteckfeld
blockiert. Dank des riesigen, rückwärtigen Fensters im SR
Live OB
wird der Parksünder jedoch schnell ertappt. Tageslicht am Ü-Wagen-
Mischpult – normalerweise eine Seltenheit, die beim schwedischen
Radio aber vor vielen Jahren eingeführt wurde. Früher wurde
der
Wagen bei Festivals häufig so geparkt, dass man vom Mischpult
aus
auf die Bühne schauen konnte. Heute, im Zeitalter der Bildschirme
und Mittenlautsprecher, stellt eine Monitorkamera den Sichtkontakt
her. Geblieben ist aber das große Fenster, das den Ü-Wagen
visuell
öffnet und die Arbeitsatmosphäre verbessert; auch beim modernsten
Ü-Wagen des SR.
17:00 Uhr Soundcheck. Die Band ist gerade gekommen, jedoch zunächst
als Trio. Wayne Shorter selbst wird erst unmittelbar vor dem
Konzert erwartet.
Die Mikrofonierung des Klaviers klingt ein wenig topfig. Wie auch immer
Maurice Mogard die vier Signale mischt – ein MS-Signal und eine
zusätzliche Stereo-Stütze – der Sound ist nicht überzeugend.
Auch die
Filter des AURUS helfen nicht weiter, obwohl sie gegenüber dem
CANTUS nochmals verbessert wurden und nun einen erweiterten
Umfang von +/- 24 dB haben – übrigens auf Anregung des SR und
aufgrund
der Erfahrungen, die aus der Arbeit mit CANTUS in der Berwald
Hall hervorgingen.
Kurzfristig stellt Maurice Mogard deshalb noch eigene Mikrofone zum
Klavier, die lediglich für die Aufzeichnung bestimmt sind und direkt
an
eines der NEXUS Basisgeräte an der Bühne angeschlossen werden.
18:00 Uhr Wayne Shorter ist doch schon früher gekommen. Nochmals
ein kurzer Soundcheck, diesmal mit Sopransaxophon und Tenor.
Es bleibt nur wenig Zeit, wie so oft bei Live-Aufzeichnungen. In dieser
Situation unterstützt AURUS den Toningenieur, mit einem direkten
Zugriff auf alle entscheidenden Kanalparameter schnell die richtigen
Einstellungen zu finden. Besonders bei größeren Aufzeichnungen,
bei
denen das Mischpult mit seinen 40 Fadern und 168 Kanälen voll belegt
ist, machen sich das durchdachte Kanal-Layout, die erweiterten
Talkback-Funktionen und die umfangreiche Monitorsektion positiv bemerkbar.
Die Stimmung im Ü-Wagen ist gut, man spürt geradezu, wie
entspannt das Arbeiten mit dem Pult ist!
18:30 Uhr Pause. Endlich Zeit zum Essen. Es ist noch kälter geworden,
auf dem Weg zu einem nahe gelegenen Restaurant weht uns ein eisiger
Wind ins Gesicht. Im Moment kann man sich kaum vorstellen, dass
der Ü-Wagen bald mit Open-Air-Festivals durchgebucht ist. Die Schweden
lieben in ihrem kurzen Sommer jede Art von Festival, von der
Opernaufführung in einer Ruine bis hin zum berühmten Stockholmer
Jazzfest mit dem Hafen als Kulisse. Viele dieser musikalisch hochrangig
besetzten Events schneidet der Schwedische Rundfunk mit seinem
modernsten Ü-Wagen mit. Ein langer Sommerurlaub ist deshalb für
Ü -Dienst-Mitarbeiter tabu.
19:20 Uhr Alle sind wieder zurück vom Essen. Es herrscht eine
entspannte
Stimmung. Die CD-Rohlinge für den Redaktionsmitschnitt
werden in die CD-Recorder geladen. Gleich geht es los, aber noch nicht
mit dem Wayne Shorter Quartett, sondern zunächst mit einer Ehrung
des schwedischen Jazztrompeters Peter Asplund, der auch eine Soloballade
vorträgt.
20:00 Uhr Es ist soweit. Das Quartett betritt die Bühne, der
Mehrspurmitschnitt
beginnt. Es gibt keine Titelliste, die CD mit den heute
Abend gespielten Songs will Wayne Shorter erst nach der Tour auf den
Markt bringen. Maurice konnte sich also nicht vorab anhören, was ihn
heute bei der Abmischung erwarten wird.
Bei diesem Konzert zeigt sich Wayne Shorter mit einem neuen Stil; er
spielt sehr zurückhaltend, eingebettet in die Band, und nicht als Solist
vor einem Triohintergrund. Manchmal dreht er sich weg, entfernt sich
beim Spielen vom Mikrofon und benutzt es so als Werkzeug der Musik.
Gut, dass wir vom Ü-Wagen über die Kamera einen Blick auf die Bühne
haben, sonst hätte man an diesen Stellen das Saxophon sicherlich
lauter gezogen.
Ein kleiner Mischfehler wäre allerdings auch nicht so tragisch gewesen,
denn außer dem live gemischten Stereo-Mixdown wird im Ü-Wagen
eine Mehrspuraufzeichnung vorgenommen. Man hätte sie bei Bedarf
verwenden können, um den Live-Stereomix auszubessern. Bisher nutzt
der SR dazu die Snapshot-Automation des AURUS und speichert zu
jedem Titel die Einstellungen des Mischpults ab. Damit lässt sich die
Nachmischung oft schon direkt nach dem Konzert erledigen, während
die Kollegen die Technik wieder abbauen und die Kabel einziehen.
Noch komfortabler wird es mit der dynamischen Automation gehen. Die
ist jedoch noch nicht installiert – der Wagen war schlicht zu viel
unterwegs,
um ein Update machen zu können.
Schon manches Mal haben übrigens die Musiker nachträglich die Mehrspuraufzeichnung
ihres Konzertes aufgekauft, nachdem sie die beeindruckende
Technik und den guten Klang im Ü-Wagen erlebt hatten.
21:30 Uhr Das Konzert ist zu Ende. Die Aufzeichnung ist einwandfrei,
kein Titel muss nachgemischt werden, entscheidet der zuständige
SR-Produzent. Es hätte uns auch gewundert, denn die Toningenieure
des SR sind sehr erfahren in ihrem Metier. Von Altrocker Judas Priest
bis zum Kammerorchester, von Surround-Tonmischungen für TVProduktionen
bis hin zu Opernaufführungen reicht die Palette, die mit
diesem Ü-Wagen gemischt wird.
AURUS wird ausgeschaltet. In einer halben Stunde sind die drei Kabel
eingerollt, NEXUS verstaut und der Ü-Wagen wieder weg. Denn morgen
früh geht’s schon wieder weiter, mit der nächsten AURUS-Mischung. |