(2005)
AURUS-
Referenzen im
Theater:
Anhaltinisches Theater, Dessau E.T.A. Hoffmann Theater, Bamberg
Friedrichstadt-
palast (Revue-
theater), Berlin
(2 main Consoles)
Grand
Théâtre de la Ville, Luxemburg (2 main Consoles plus
slave Console)
Nationaltheater Bratislava, (Slowakei)
Nationaltheater Tokio, (Japan) (main Console plus slave
Console)
Schaubühne
Berlin (4 main Consoles)
Schauspielhaus, Zürich (Schweiz)
Guthrie Theater, Minnesota (USA) (2 main Consoles)
Staatstheater, Stuttgart
(2 main Consoles)

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Shakespeares romantische Komödie "Wie es euch gefällt"
inszeniert mit Sixties-Vibe und gemischt mit AURUS ist STAGETECs
Theaterpremiere in den USA
Das Guthrie Theater in Minnesota im pulsierenden Norden der USA
ist eine Spielstätte mit sehr variablem Programm. Es bietet mit
klassischem Repertoire und durch die Förderung junger Werke eine
möglichst breite kulturelle Palette. Entsprechend vielseitig sind
die
Anforderungen an die Tontechnik. Die alte Anlage des Theaters reichte
für wirklich große Events nicht mehr aus. Man behalf sich
in solchen
Fällen mit Leihpulten; eine kostspielige und auf Dauer unbefriedigende
Lösung. Anfang Mai wäre es wieder soweit gewesen: Für
das Musical
She loves me mit Premiere am 7. Mai hätte man wieder ein Leihpult
mieten müssen. Um dies zu verhindern, sollten die zwei neuen AURUS’
samt NEXUS-Audiovernetzung rechtzeitig zum Probenbeginn dieses
Stückes in Betrieb sein. Oder besser noch vorher, zum Probenbeginn
einer tontechnisch unaufwändigeren Produktion, um erst einmal
Erfahrung mit der neuen Technik sammeln und die gesamte Crew auf
den Pulten einarbeiten zu können. So entstand ein anspruchsvoller
Zeitplan für die Installation der ersten zwei AURUS-Pulte in einem
amerikanischen Theater, und gleichzeitig der ersten AURUS’ in
den
USA überhaupt.
Mutiger Umbau
Die Wahl fiel auf Shakespeares Komödie Wie es euch gefällt,
die als
Feuerprobe für die neue Anlage dienen sollte. Damit blieben nur
glatte drei Tage lang Zeit zum Umbau und Inbetriebnahme, von der
Anlieferung bis zum Probenbeginn mit tontechnischer Unterstützung.
Die Techniker des Theaters warteten sogar, bis sie grünes Licht
vom
Zoll erhielten, bevor sie die alten analogen Kabelbäume kappten.
In
dem gut belegten Haus hätte man sich einen weiteren Tag ohne Tonanlage
nicht erlauben können.
Ein Grund für die problemlose Umsetzung dieses extrem knappen
Zeitplans ist die durchgehende Glasfaserverkabelung der Anlage. Die
Glasfaserkabel, die die zwei Mischpulte, den STAR Router und die 10
NEXUS Basisgeräte verbinden, waren schon vorbereitet und mussten
nur noch in die FOC-Buchsen eingesteckt werden. Die beiden AURUSPulte
selbst sind auch denkbar schnell aufgebaut: Raus aus der
Transportkiste, Glasfaser an den STAR anschließen, Stromkabel
stecken
und schon sind sie betriebsbereit.
Das Guthrie Theater besteht schon seit 1963. Damals spielte es eine
wichtige Rolle für die Entwicklung der Theaterszene in den USA,
denn
es setzte ganz bewusst einen Gegenpol zu den sehr kommerziell ausgerichteten
Shows am Broadway. Der Gründer Tyrone Guthrie führte
damals die Idee eines non-profit Repertoire-Theaters in den USA
ein. Das Theater ist dort auch heute noch das wichtigste seiner Art.
Mit ständigen Expansionen und neuen Spielstätten wurde das
alte,
noch aus der Gründungszeit stammende Haus zu klein. Ein neuer
großer
Theaterbau, das Guthrie on the River mit drei Spielstätten wird
im
Sommer 2006 das alte Gebäude ablösen.
Um den Umstieg ins neue Haus zu vereinfachen, sollte die neue Tontechnik
schon vorher erprobt, die Mitarbeiter eingearbeitet und die
geforderten Zusatzfunktionen im Mischpult installiert sein. Auch hatte
man mit dem Hersteller STAGETEC noch keinerlei Erfahrungen und
wollte sicher gehen, dass die Mischpulte samt Router bis zum Umzug
fehlerfrei laufen. Die Technik ging daher schon in 2005 im alten Haus
in Betrieb.
Ein STAR und zwei Pulte
Ausgelegt ist die Anlage aber bereits für die Installation im
neuen,
größeren Haus. Dort wird es einen zentralen Maschinenraum
geben,
in dem die gesamte zentrale Rechner- und Audiotechnik sowie der
NEXUS STAR untergebracht wird.
In einer AURUS-Installation ist der STAR nicht nur der Sternpunkt der
angeschlossenen NEXUS Basisgeräte, sondern gleichzeitig auch der
Host für die AURUS-Karten. Der STAR des Guthrie Theaters beherbergt
die Karten beider AURUS-Konsolen; eine sehr effektive Lösung.
Im Gegensatz zu Zweitkonsolen, wie sie in Theatern häufig eingesetzt
werden, handelt es sich hier aber um zwei völlig unabhängige
Systeme
mit jeweils eigener CPU und eigenen DSP-Pools. Jeweils fünf bzw.
drei DSP-Karten stellen die Rechenleistung für 150 bzw. 80 vollausgestattete
Audiokanäle zur Verfügung, die über die Konsolen mit 48
bzw. 32
Kanalzügen bedient werden.
Scott W. Edwards über
das neue Mischpult:
„
Wir waren beeindruckt von der Schnelligkeit, mit der wir die beiden
AURUS-Pulte in Betrieb nehmen konnten. Von Anfang an fühlten wir
uns an der Konsole zu Hause. Die Bedienung ist wirklich vorbildlich
und intuitiv, so wie man es von Analogpulten her kennt. Aber zusätzlich
bietet AURUS eine hohe Flexibilität, viel mehr Audiokanäle
und
natürlich einen exzellenten Klang – wirklich eine Kombination
der
besten Eigenschaften aus beiden Welten.“
Vernetzt
Zum AURUS gehört grundsätzlich ein Datenserver, auf dem
sämtliche
Projektinformationen abgelegt sind. Dieser Rechner befindet sich, anders
als noch beim CANTUS, nicht in der Konsole selbst, sondern im
Hardware-Rack beim STAR. Im Guthrie Theater will man sich das zunutze
machen und diesen Server über die noch freie Netzschnittstelle
an das interne Linux-Datennetz anschließen. Die Idee besteht
darin,
dass man die AURUS-Projekte in eine automatische Backup- oder
Archivierungs-Routine einbinden kann. Das ist gerade im Theaterbetrieb
eines Repertoire-Theaters eine sinnvolle Sache, weil dort lange
an Automationsdaten gefeilt wird, die dann über einen langen Zeitraum
immer wieder zu Aufführungen benötigt werden.
Automation im Theater
Speziell für den Theaterbetrieb bieten sich die Snapshot- und
die
Szenen-automation im AURUS an. Eine dynamische Automation kann
man dort weniger verwenden, weil der Ablauf eines Theaterstücks
nicht timecode-genau starr geplant werden kann.
Die statische Snapshot-Automation, die auch die Grundlage für
die im
Theater wichtige Szenenautomation bildet, erfasst alle speicherbaren
Parameter des Systems in einem bestimmten Moment und legt diese
Momentaufnahme ab. Dazu gehören die Parameter sämtlicher
Audio-
Signalwege auf allen Layern sowie die gesamte Konfiguration des systemeigenen
NEXUS STAR-Routers. Dies ermöglicht beispielsweise die
ä
ußerst komfortable Umschaltung beliebiger Quellen und Senken
beim
Laden eines globalen, das gesamte Mischpult einbeziehenden Snapshots.
Außerdem gibt es Snapshots, mit denen man nur ganz bestimmte
Teilbereiche
eines Mischpult-Setups erfasst und alle übrigen unverändert
lässt. Etwa spezielle Funktionen in allen Kanälen, alle Funktionen
bestimmter
Kanäle oder auch ganz individuelle Einzelparameter werden
in diesen partiellen Snapshots abgelegt, die sich vom Anwender blitzschnell
durch Anfassen der berührungsempfindlichen Bedienelemente
definieren lassen. Im Theater programmiert man die Snapshots häu-
fig so, dass man die Vorführung mit einem globalen Basis-Snapshot
beginnt. Im Laufe der Vorstellung lädt man weitere Detail-Snapshots
nach, die nur noch die jeweils erforderlichen Änderungen beinhalten.
Diese Arbeitsweise bewahrt den Anwender unter anderem davor, eine
individuelle Anpassung wie etwa eine korrigierte Gain-Einstellung in
jedem
nachgeladenen Preset erneut ausführen zu müssen.
Internationale Unterschiede
Die besonders im Theaterbereich wichtige Szenen-Automation verbindet
mehrere Mischpult-Snapshots, seien sie nun global oder nur auf
bestimmte Bereiche bezogen, zu einer Ablaufliste. Ihre Einträge
können
dann während der Vorstellung manuell, automatisch oder gesteuert
durch externe Trigger abgerufen und ineinander überblendet werden.
Neben Global- oder Detail-Snapshots der Mischpult-Parameter lassen
sich innerhalb der Liste auch noch viele andere Events programmieren
– zum Beispiel GPI-Befehle zur Steuerung externer Zuspieler oder
auch die Ausgabe von MIDI-Befehlen, etwa zur Preset-Umschaltung eines externen
Nachhallprozessors. Soweit der Einsatzbereich der
Automation in Europa. In den USA ist die Arbeitsweise jedoch anders.
Zumindest im Guthrie Theater ist es üblich, die Vorführung über
ein
Sequencer-Programm zu fahren. Dieses Programm steuert über MIDI
alle Peripheriegeräte, die Zuspieler und eben auch die Snapshots des
Mischpults. Schon lange vor der AURUS-Installation hatte man dort
diese Verfahrensweise entwickelt und will auch weiterhin so arbeiten.
Die MIDI-Steuerbarkeit der AURUS Szenenautomation stand deshalb
ganz oben auf der Wunschliste beim Guthrie Theater. Dieses Feature
wird daher in Kürze hinzugefügt, so dass Szeneneinstellungen zukünftig
während der Vorstellung über MIDI getriggert werden - genau anders
herum als in Europa üblich.
Besetzungskarussel
Eine weitere Forderung für das neue Guthrie-Mischpult lag in
der
Möglichkeit, einen Parameter auch aus der Snapshot-Automation
herausnehmen
zu können. Mit der Isolate-Funktion gehört dies allerdings
schon zum Standard der AURUS-Automation. Sie ist besonders dann
wichtig, wenn man mit unterschiedlichen Besetzungen arbeitet. Muss
man nämlich die Vorstellung mit einer geänderten Besetzung – und
damit auch mit geänderten Gain- und Filtereinstellungen – arbeiten,
dann bietet die Isolate-Funktion eine einfache Möglichkeit, die vorhandene
Automation trotzdem noch zu verwenden.
Man kann übrigens die Problematik der Aushilfsschauspieler mit anderen
Kanaleinstellungen als den im Snapshot abgespeicherten noch
eleganter lösen. Dazu teilt man die Snapshots auf in automatisierte
Ablauf-Snapshots und in statische Sänger-Snapshots. Für jeden Sänger
oder Schauspieler wird eine statische Einstellung für Mikrofonpegel
und Filter erstellt. Diese Detail-Snapshots lassen sich vor der Vorführung
laden, und zwar so, wie die Besetzung bei dieser Vorstellung auch
tatsächlich zusammengestellt ist. Damit kann man auch automatisiert
fahren, wenn zum Beispiel wegen Krankheit eines Künstlers ein gemischtes
Team aus A- und B-Besetzung auftritt.
Welche Arbeitsweise mit der Automation sich letztendlich im Guthrie
Theater durchsetzt, muss sich erst noch zeigen. Oft ist es eine Frage
des persönlichen Arbeitsstils, wie man eine Aufgabenstellung löst.
Die
zahlreichen Möglichkeiten des AURUS, nicht nur in punkto Automation,
sondern auch mit all seinen anderen Funktionen und Features, lassen
die Toncrew am Guthrie Theater jetzt schon entspannt der nächsten
Premiere entgegenschauen. |