(2004)
siehe auch:
Ton im SDI - Getrennt und wieder vereint

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Ein Gleichtakt ist nicht
immer positiv, oft muss
man mit mehreren verschieden
getakteten
Signalen asynchron
umgehen. Auf der neuen
XSDI-Karte sorgen zwei
kleine Änderungen für
eine intelligente Lösung
mit großer Wirkung.
Seit gut zwei Jahren hat sich die SDI Interfacekarte
für NEXUS einen festen
Platz in Rundfunkinstallationen erarbeitet.
Schließlich ermöglicht sie einen intelligenten
und praxisgerechten Umgang mit
allen 16 im SDI-Format definierten Audiokanälen
–
weit mehr als die meisten Embedder
bieten können. Die neue Version
XSDI 02 wartet zusätzlich mit integrierten
Audio-Abtastratenwandlern sowie jederzeit
wechselbaren optischen Transceiver-
Modulen auf. Diese eher unspektakulär
anmutenden Änderungen eröffnen bei
näherer Betrachtung eine Vielzahl neuartiger
Möglichkeiten, beispielsweise im
Ü
-Wagen oder im Hauptschaltraum.
SDI: Tonfilm ohne Standard
Serial Digital Interconnect oder kurz SDI
ist ein weltweit gebräuchlicher Standard
für die Übertragung eines digitalen Videosignals
mit eingebetteten Audio- und Zusatzdaten.
Der gemeinsame, synchrone
Übertragungsweg für Bild- und Tondaten
über eine einzige Leitung bietet in der Praxis
handfeste Vorteile, sei es beim Versenden
über Satellitenstrecken oder beim
Routing über SDI-Videokreuzschienen.
Allerdings wird die Einbettung digitaler
Audiosignale in den SDI-Datenstrom vom
Standard nicht eindeutig definiert und
wirft damit Kompatibilitätsprobleme zwischen
SDI-Komponenten unterschiedlicher
Hersteller auf. Die Entwicklung einer
möglichst universell nutzbaren Embedder und
De-Embedder-Lösung ist daher keineswegs
trivial!
Die Struktur des seriellen SDI-Videodatenstroms
basiert auf der – aus heutiger
Sicht veralteten – Annahme, dass digitale
Videodaten durch lineare A/D-Wandlung
analoger Videosignale erzeugt werden.
Deshalb enthält SDI genau wie analoge
Videosignale horizontale wie auch vertikale
Austastlücken ohne Bildinformationen.
Diese Bereiche stehen somit für die Übertragung
anderer Daten zur Verfügung.
Timecode wird beispielsweise in die vertikalen
Austastlücken1 nach jedem Halbbild
geschrieben, während die nach jeder
Zeile auftretenden horizontalen Austastlücken2
im SDI-Standard unter anderem
Audiosignale übertragen können. Allerdings
gibt es dort keinen explizit für den
Ton reservierten Datenbereich. Alternativ
könnten an gleicher Stelle nämlich auch
erweiterte Daten oder Steuerdaten eingebettet
werden.
Der Standard sieht bis zu vier Datenblöcke
vor, von denen jeder vier Kanäle mit jeweils
20 Bit Auflösung – zwei AES/EBU-Signale
mitsamt Zusatzdaten – enthalten kann.
Theoretisch lassen sich also in vier Blöcken
bis zu 16 Audiokanäle übertragen. Doch
hier wird es schwierig, denn viele der heute gebräuchlichen SDI-Komponenten
wie
etwa MAZ-Aufzeichnungsgeräte verarbeiten
lediglich den ersten dieser vier Audioblöcke,
sprich vier Kanäle.
Will man mit 24 Bit Auflösung übertragen,
dann muss man tricksen und die fehlenden
vier Bit in einem zusätzlichen Datenblock
ablegen. Aber auch hier ist Vorsicht
geboten, denn nicht alle De-Embedder
unterstützen diese Aufteilung der Audiosignale,
weshalb eventuell die letzten vier
Bit vom Empfänger ignoriert werden.
Mit Audiobearbeitung
Die XSDI-Karte für NEXUS bietet all diese
Optionen – und noch viel mehr. Sie arbeitet
als De-Embedder und gleichzeitig als
Embedder für alle 16 im SDI-Standard
möglichen Audiokanäle und ist mit allen
gebräuchlichen Geräten kompatibel. Dabei
kann jede der vier Audiogruppen des
SDI-Datenstroms unabhängig voneinander
bearbeitet werden. Zur Wahl steht,
Audiosignale auszulesen, neu in das SDISignal
einzubetten, bestehende Audiodaten
zu löschen oder sie durch neue aus
dem Router zu ersetzen. Der Bildinhalt des
SDI-Signals wird bei diesen Operationen
selbstverständlich nicht angefasst, sondern
lediglich transparent auf den Ausgang
derselben SDI-Karte weitergereicht. In der Kombination aus parallel nutzbarem
De-Embedder und Embedder liegt
eine der großen Stärken der XSDI-Karte.
Sie ermöglicht es, dem ankommenden
SDI-Signal Audiosignale zu entnehmen,
diese im NEXUS-Router oder einem angeschlossenen
Mischpult zu bearbeiten und
es dann im Austausch für die ursprünglich
übertragenen Audiodaten unmittelbar
wieder in den SDI-Datenstrom zu integrieren
–
und das alles in Echtzeit. Dementsprechend
werden die Audioschnittstellen
der Karte innerhalb der Matrix-Oberfläche
des Routers auch unabhängig als jeweils
16 Ein- und Ausgänge dargestellt, die sich
genau wie herkömmliche Audio-I/Os
innerhalb der Kreuzschiene verwenden
lassen.
Die Fähigkeit der XSDI-Karte, gleichzeitig
als Embedder und als De-Embedder zu
arbeiten, wird besonders dann interessant,
wenn die Karte auf der SDI-Seite
nicht fest in eine ankommende oder
abgehende SDI-Leitung eingeschleift,
sondern stattdessen an einen SDI-Router
angebunden wird. Damit lassen sich –
ähnlich wie auf der Audioseite im NEXUS –
auch auf der SDI-Seite vielfältige Konfigurationen
ohne Umverkabelung realisieren.
Gerade in einem Ü-Wagen stellen sich täglich
neue Aufgaben, für die ansonsten oft
mehrere Karten erforderlich wären. So
lässt sich mit Hilfe eines SDI-Routers zum
Beispiel ein noch zu vertonendes Sendesignal
auf den Eingang der XSDI-Karte
routen. Über einen zweiten Video-Koppelpunkt
wird dann das nunmehr vertonte
SDI-Ausgangssignal der Karte auf die
Sendeleitung geführt.
Taktwechsel
Für den Einsatz der XSDI-Karte musste
das SDI-Signal bisher synchron zum Takt
des NEXUS-Basisgerätes laufen. Verarbeitet
ein Hauptschaltraum oder ein
Ü
-Wagen allerdings extern zugeführte
SDI-Signale, so sind diese nicht synchron
zum Haustakt und damit auch nicht zum
NEXUS. Ein in solchen Fällen häufig eingesetzter
Framestore hilft nur bei der Bildsynchronisierung.
Viele dieser Geräte sind
aufgrund ihres Funktionsprinzips nicht
transparent für eingebettete Audiosignale
–
hier bleibt der Ton schlicht und einfach
auf der Strecke.
Mit der neuen XSDI-Variante betritt
STAGETEC technologisches Neuland:
Durch die Einführung der neuen Audio-
Abtastratenwandler wird innerhalb der
XSDI zwischen dem asynchronen SDISignal
und dem zum Haustakt synchronen
NEXUS eine „Taktgrenze“ geschaffen,
anders ausgedrückt: zwischen dem Videound
dem Audioteil der Karte. Damit muss
das SDI-Signal nicht mehr zwingend mit
NEXUS synchron sein. Der Teil der Karte,
den das SDI-Signal durchläuft, wird völlig
autark!
Der Takt des SDI-Signals wird natürlich
durch die Abtastratenwandlung der Audiosignale
nicht angetastet, sondern bleibt
auch auf der Ausgangsseite der Karte weiterhin
asynchron. Die Abtastratenwandler
der XSDI-Karte sind optional und können
in Form kleiner Tochterplatinen zusätzlich
auf die Karte aufgesteckt werden. So zahlt
nur derjenige Anwender für die Zusatzfunktion,
der sie auch tatsächlich braucht.
Kein Anschluss?
Die neue Generation der XSDI-Karte beinhaltet
noch eine weitere wichtige Verbesserung.
Bisher konnte der Kunde anschlussseitig
zwischen drei Varianten
wählen: BNC, Singlemode- oder Multimode-
Glasfaseranschluss. Die neue Karte
wird dagegen in einer Ausführung geliefert,
die immer elektrische und optional zusätzlich
optische Schnittstellen beinhaltet. Der
Clou dabei: Das Schnittstellenmodul wird
lediglich aufgesteckt, sodass der Anwender
schnell und einfach zwischen Singlemode-
und Multimode-Modulen wechseln
kann. Bislang waren die Module aufgelötet,
sodass man sich bei der Bestellung der Karte
auf ein Format festlegen musste.
Das Umstecken der Module geht übrigens
ohne Ausbau der Karte vonstatten. Das
ist nicht nur für die SDI-Karte eine clevere
Lösung, sondern wird zukünftig auch bei
den NEXUS-Glasfaserkarten Anwendung
finden.
Hilft immer
Die Einsatzmöglichkeiten der SDI-Technologie
sind ausgesprochen vielfältig. Sie
reichen vom eleganten „Transport“ mehrsprachiger
Fassungen einer TV-Produktion
auf einer einzigen Leitung bis hin zur
Nutzung der Audiokanäle für bildunabhängige
Aufgaben wie Kommando- und Rufsysteme
oder sogar zur transparenten
Weiterleitung von Steuersignalen externer
Geräte. Zusammen mit der neuen Option
der Audio-Abtastratenwandlung können
all diese Funktionen nun auch für asynchrone
SDI-Quellen genutzt werden. Damit
erweist sich NEXUS einmal mehr als
Garant für innovative Problemlösungen.
1 Vertical Ancillary Data, VANC
2 Horizontal Ancillary Data, HANC |