Ein ehrgeiziges Pilotprojekt
lässt die Schweizer Theaterszene aufhorchen: Im Stadttheater Bern
wird Kultur seit kurzem digital gemacht mit CANTUS als Lösung.
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Bits, die die Welt bedeuten
Es ist schon wieder viel zu spät. Die Produktion hat länger
gedauert als geplant, und gleich fängt die Vorstellung an. »Das
wäre knapp geworden,« denkt sich der Tonmeister, »wenn
wir noch die alte Anlage hätten«. So aber wechselt er mit
wenigen Fingerbewegungen die Einstellungen des CANTUS-Pultes. Die Szene
steht mit Routing, Automation und Kommunikation zu 100%. Da hätte
er sich auch noch ein paar Minuten Zeit lassen können …
Planungsarbeiten
Das Stadttheater Bern entschloss sich 1997 für eine Komplettsanierung
seiner Tonanlage. Klar war schon damals, dass nur eine volldigitale
Lösung den hohen Qualitätsanforderungen der Theaterleitung
gerecht werden würde. Zudem stellte sie sich auch noch – im
laufenden Betrieb gerechnet – kostengünstiger dar als
eine analoge Installation. Wichtigstes Kriterium bei der Neuanschaffung
war neben Klangqualität und Bedienbarkeit der schnelle Wechsel
vom Probe- zum Spielbetrieb. Dabei überzeugte vor allem die
unglaubliche Flexibilität der von dem Generalunternehmer SAAVS
Friedrich Salzbrenner GmbH vorgeschlagenen CANTUS-/ NEXUS-Lösung.
Die Entscheidung fiel daher eindeutig auf Stage-Tec-Produkte, einem
Novum im Schweizer Theatersektor.
Das Stadttheater Bern entschloss sich zur Installation eines CANTUS
samt Nebenkonsole mit drei festen und zwei mobilen NEXUS-Basiseinheiten,
in denen insgesamt 100 Mikrofoneingänge mit 28-Bit-A/D-Wandlern,
48 Line-Eingänge, 88 Line-Ausgänge, 24 AES/EBU-Eingänge
sowie eine achtkanalige TDIF-Einheit Platz finden. Damit wurden praktisch
alle vorhandenen Quellen und Senken direkt auf die NEXUS-Kreuzschienen
gelegt. Auf analoge Steckfelder konnte man zugunsten der Qualität
und Betriebssicherheit völlig verzichten.
Alt & neu
Problematisch ist in solch alten Gebäuden oft der Spagat zwischen
Denkmalschutz und technischer Umsetzung. Besonders im Falle des Berner
Stadttheaters, da hier aus Gründen der Betriebssicherheit redundante
Leitungen auf dem Wunschzettel standen. Diese Redundanz – mit
dicken Multicoresträngen in einem historischen Gebäude
praktisch nicht zu erzielen – ließ sich dank der Glasfaservernetzung
von CANTUS und NEXUS einfach umsetzen.
Ein Totalausfall aufgrund einer einzigen defekten Leitung - der
Alptraum eines jeden Theatertonmeisters - wird damit wirkungsvoll
verhindert.
Überhaupt war Betriebssicherheit der zentrale Punkt bei der
Planung der Installation. Das System überwacht sogar die neue
Lautsprecheranlage sowie die Microports und meldet alle Ausfälle
sofort. Auch für den CANTUS-internen Fehlerfall ist vorgesorgt:
Das Diagnose-Programm zeigt eventuell Hardware-Probleme direkt an,
wodurch eine defekte Steckkarte gezielt ausgetauscht werden kann
- sogar im laufenden Betrieb! Sollte dennoch mal etwas nicht funktionieren,
ist innerhalb weniger Minuten ein Stage Tec-Ingenieur aus Berlin
virtuell vor Ort. Per ISDN kann er sämtliche Funktionen des
CANTUS-Pultes und der NEXUS-Einheiten fernwarten und so den Fehler
beheben.
Das Projekt
Das Stadttheater Bern wurde 1899 erbaut und bedient heute
mit seinem Mehrsparten-Konzept ein großes kulturelles Einzugsgebiet.
Neben Opern, Operetten, Theatervorführungen und Kindervorstellungen
werden mit wachsender Beliebtheit auch Musicals inszeniert. Dementsprechend
vielseitig sind auch die Ansprüche an die Tonabteilung, die
mit vier Mitarbeitern dieses anspruchsvolle Programm betreut. Bereits
1984 wurde im Rahmen einer Komplettsanierung eine neue Tonanlage
installiert, die aber nach vierzehnjährigem Einsatz große
Abnutzungserscheinungen und eine hohe Fehleranfälligkeit zeigte.
Die Stadt bewilligte daher einen Kredit für die Erneuerung der
Tonanlage und beauftragte die Firma Scopein Research mit den Planungsarbeiten.
Backstage
Es gab noch eine weitere Forderung des Stadttheaters, die für
CANTUS sprach: In Bern gibt es einen eigenen Chorsaal, der während
vieler Aufführungen für Live-Einspielungen genutzt wird.
CANTUS mit NEXUS war die einzige Lösung, dessen Durchlaufzeit
gering genug war, um Live-Einspielungen über das Netzwerk mit
gleichzeitigem Monitoring zurück in den Chorsaal zu ermöglichen.
Mit der in Bern implementierten Stage-Tec-Lösung ist es sogar möglich,
im laufenden Theaterbetrieb unabhängige Produktionen im angeschlossenen
Tonstudio zu fahren. Diese neue Freiheit erhöht die Flexibilität
der Installation noch weiter und fand vor allem bei den Tonmeistern größte
Zustimmung.
Digitale Wirklichkeit
Wie in vielen Theater-Installationen von CANTUS konnte auch in Bern
ein Traum der Tonmeister realisiert werden: Ein mobiles digitales
Nebenpult, das während der Proben mitten im Zuschauerraum installiert
wird und mit seinem großen Pendant in der Regie komplett vernetzt
ist. Inklusive Theaterautomation, Fernsteuerung für Zuspieler
und Kommunikation. CANTUS holt den Tonmeister damit aus seiner Isolation,
direkt an den Ort des Geschehens. Ein riesiger Vorteil, wenn es um
Klangbeurteilung geht.
NEXUS und Lichtwellenleiter machen das Setup noch flexibler: Gleich zwei
mobile Basiseinheiten können direkt am Ort des Geschehens platziert
werden. Auf der Bühne sind acht Glasfaseranschlüsse vorhanden,
die wahlweise verwendet werden können, um auch bei Produktionen mit
aufwendigem Bühnenbild nicht in Bedrängnis zu geraten.
Plug & Play
Rekordverdächtig dürfte auch der Zeitrahmen für die
Installation sein. Innerhalb von zwei Spielpausen, also etwa 6 Wochen,
baute SAAVS Friedrich Salzbrenner GmbH die Technik des Theaters komplett
um. Und das trotz massiver Erdungsprobleme mit dem alten Kabelnetz
und einer Sonderanfertigung: Das speziell von Salzbrenner konstruierte
Lautsprecher-Schaltfeld, das die räumliche Anordnung der Lautsprecher
im Saal visuell darstellt. Es bietet dadurch eine intuitive Steuerung
für alle 32 Surroundlautsprecher des Theaters.
Die Anlage ist nun seit mehreren Monaten in Betrieb und kein Mitarbeiter
der Tonabteilung will mehr ohne sie sein. Das liegt allerdings nicht nur
an dem gebotenen Komfort und der hervorragenden Klangqualität, sondern
auch an dem neu hinzugewonnen kreativen Freiraum, den CANTUS und NEXUS mit
ins Team gebracht haben. Der Betrieb der Anlage funktionierte vom ersten
Tag an reibungslos. Somit kann man mit Recht behaupten, dass das Projekt »Tonanlage
Stadttheater Bern« im wahrsten Sinne des Wortes glatt über die
Bühne gegangen ist!
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