Ein großes
Veranstaltungs haus in der Metropole Berlin, mit drei Hauptsälen
und zahlreichen Foyers: Ein solches Haus zieht nicht nur Besucher an,
sondern auch Radiosender. Gemeint ist das Konzerthaus Berlin, das mit
seiner neuen Tontechnik auch die laufenden Veranstaltungen unterstützt – aber
vor allem deren Rundfunkübertragung.
Live oder aus dem Radio?
Das reichhaltige Programm des Konzerthauses Berlin am Gendarmenmarkt
wirkt selbst in Deutschlands größter Kulturstadt als Publikumsmagnet.
Und so wollen auch die Radiohörer teilhaben an dem Kulturangebot
des öffentlich getragenen Hauses.
In großem Umfang – fast täglich – kündigt
sich deshalb einer der Radiosender Berlins zum Mitschnitt oder zur
Liveübertragung an.
Manchmal wollen sogar zwei Sender gleichzeitig dieselbe Veranstaltung mitschneiden,
der SFB und das Deutschlandradio zum Beispiel, welches einen Großteil
seiner Musikmitschnitte aus dem Konzerthaus bezieht.
Bei der Neuplanung der Tontechnik, die dann schließlich zur
Jahreswende 2000/2001 komplett erneuert wurde, ging man auf diese
Besonderheit ein. Herausgekommen ist dabei ein großes NEXUS-Audionetzwerk
mit CANTUS-Konsolen, die sehr flexibel genutzt werden können.
Postübergabe inklusive
Mit großem Saal, kleinem Saal und Musikclub verfügt
das Konzerthaus über drei Hauptbühnen, die mit insgesamt
fünf NEXUS-Basiseinheiten audioseitig erschlossen sind. Alle
Mikrofone können so über kurze Wege direkt ins NEXUS eingespeist
und im Hausnetz verteilt werden.

Der Mitschnitt erfolgt dann in einem der beiden hauseigenen Tonstudios,
die beide ebenfalls mit je einer Basiseinheit bestückt sind.
Alternativ dazu kann der Rundfunk auch mit einem Ü-Wagen vorfahren
und findet dafür einen Audioanschluss mit eigener Basiseinheit,
die bei Live-Übertragungen auch als Sendeausgang vor der Postübergabe
eingesetzt wird.
In diesem schon recht großen Audionetzwerk ist eine weitere Basiseinheit
als Sternverteiler konfiguriert. Dazu wurde sie ausschließlich mit
XFOC-Karten bestückt und verbindet darüber die verschiedenen Basiseinheiten
miteinander.
Zusammen mit einer mobilen Basiseinheit mit drei Anschlussmöglichkeiten
im Haus sowie einer rein für die Beschallung genutzten Einheit
präsentiert sich das Audionetzwerk mit 11 Basiseinheiten außerordentlich
umfangreich.
Zwei Hauptkonsollen mit einer Nebenkonsole
Die zwei Produktionsstudios sind für den Rundfunk komfortabel
mit je einem CANTUS ausgestattet worden – einem großen
Pult mit 64 Kanälen im Hauptstudio und einer 48-Kanal-Konsole
am kleineren Produktionsplatz. Diese Arbeitsplätze werden überwiegend
für Produktionen genutzt und sind keine Einspielregien. Trotzdem
hat man sie mit einer Videokontrolle an die Bühnen angeschlossen,
sodass zumindest ein indirekter Sichtkontakt möglich ist. Aufwändigere
Beschallungen und Einspielungen lassen sich im Konzerthaus aber sinnvoller
direkt aus dem Saal vornehmen.
Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten: Zum einen kann der Tontechniker
im Saal via Laptop eine Fernsteuerung der DSP-Ressourcen des NEXUS
vornehmen. Für kleinere Sprachbeschallungen bietet sich dieses
Verfahren an, bei dem man sogar neben Lautstärkeregelung auch
noch Verzögerung und Filterung einstellen kann. Reicht die simple,
mausgesteuerte Regelung einzelner Parameter nicht mehr aus, dann
lässt sich eine Nebenkonsole an drei verschiedenen Stellen im
Haus installieren, und zwar mit einer Besonderheit: Die Nebenkonsole
kann im Splitbetrieb wahlweise an einer der beiden Hauptkonsolen
betrieben werden! Das vereinfacht die Disposition der beiden Studios
deutlich und erhöht die Flexibilität des Hauses gegenüber
den eingemieteten Rundfunksendern.
Um den Anschluss der Tochter auch im manchmal stressigen Arbeitsalltag
so problemlos wie möglich zu gestalten, verfügt das Konzerthaus über
OMUX-Einheiten. Dabei handelt es sich um optische Multiplexer mit
mehreren optischen Anschlüssen, die automatisch den gerade verwendeten
Anschluss auf das dazugehörige Hauptmischpult schalten.
Das Konzerthaus
Der Name des Konzerthauses leitet etwas in die Irre,
denn außer Konzerten hat das Haus noch verschiedenste andere
Veranstaltungen zu bieten. Der Musikclub, der kleinste Saal des Hauses,
wird zum Beispiel auch als kleine Studiobühne genutzt, auf der
schon ab dem Nachmittag ein umfassendes Programm für Kinder
und Familien läuft. Der große Saal mit eingebauter Orgel
wird ebenfalls sehr variabel eingesetzt, allerdings überwiegend
für Konzerte. Vom Klavierabend bis zum großen Orchester
reicht seine Palette an Veranstaltungen. Der kleine Saal, der mit
450 Plätzen gar nicht so klein ist, eignet sich mit seiner Akustik
für Kammermusik und kleines Orchester bis etwa 20 Musiker.
Gleichzeitig in drei Räumen
So kann die Tontechnik im Konzerthaus auf drei Arbeitsplätze
zurückgreifen: auf das große Studio, das kleine Studio
und auf das lokal installierte Tochterpult als Einspielplatz. Alleine
mit dem normalen, hausinternen Betrieb wäre diese Anlage vermutlich
kaum ausgelastet. Mit dem hohen Interesse des Rundfunks kann jedoch
auch dieses Setup noch eng werden. So zum Beispiel, wenn mehr als
eine Station mitschneiden möchte. Auch schon bei nur einer Radiostation
im großen Studio und zwei Veranstaltungen im Haus, die beide
tontechnische Unterstützung benötigen, braucht man die
Flexibilität der Nebenkonsole. Sie wird dann quasi als unabhängiges
Mischpult betrieben, was dank ihrer Splitkonfiguration problemlos
möglich ist. Dadurch kann im Konzerthaus gleichzeitig an drei
verschiedenen Projekten gearbeitet werden. Wenn das noch nicht ausreicht,
lassen sich notfalls auch zwei kleinere Veranstaltungen auf einem
Pult fahren.
Dienstleistungsbetrieb
Inzwischen sind die Mitarbeiter der häufig anwesenden Rundfunkanstalten
schon gut mit den CANTUS-Regien vertraut. Das Deutschlandradio, der
Sender, der das Mietstudio des Konzerthauses am intensivsten nutzt,
hat dafür sogar einige Toningenieure bei Stage Tec schulen lassen.
Aber auch ohne diese Schulung kommen die externen Kollegen gut zurecht,
denn die Tonabteilung des Konzerthauses bereitet jedes Projekt gründlich
vor.
Das Abhängen der Mikrofone, das Setzen der Koppelpunkte im NEXUS und
die Vorkonfiguration des CANTUS übernehmen grundsätzlich die Mitarbeiter
des Hauses – und haben dieses damit zu einem echten Dienstleistungsbetrieb
nicht nur für die Zuschauer im Saal, sondern auch für den Rundfunk
gemacht.
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