Der Autor: B. Morgan Martin war
langjähiger Chefingenieur von MetroTape in Los Angeles und Berater
weiterer US-Filmstudios.
Heute vertritt er Stage Tec in den USA.
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»Die Zukunft eingeholt« – Gedanken
von B. Morgan Martin
Vor etwa zwanzig Jahren noch waren Mischpulte analog. Fünf
Jahre später gab es erste große Digitalpulte – die
meist noch keine Alternative zu Analogpulten boten. Anders im Jahr
2001, dem Jahr, in dem die Menschheit mit Hilfe des Supercomputers
HAL 9000* den Jupiter erreichen sollte: Heute ist Digitaltechnik
die einzige mögliche Lösung.
Erinnern wir uns: Vor etwa 15 Jahren investierten viele Fernsehstudios
in Los Angeles in neue Technik und ließen sich die speziellen
Analogmischpulte notgedrungen maßschneidern. Eine dieser Produktionsstätten
war MetroTape, mit sechs Studios, einer Video-Postproduktion und großem
Mischstudio. Als Chefingenieur von MetroTape habe ich damals mit der
ganzen Toncrew zusammen die Bestückung der neuen Pulte erarbeitet,
mit dem nie zu erreichenden Ziel, sowohl die damaligen, als auch die
zukünftig zu erwartenden Anforderungen abdecken zu können.
Wandelbare Features
Trotz der ausgiebigen Planungsarbeit reichte uns schon etwa zwei
Jahre nach Einbau der neuen Konsolen die Anzahl der Kanäle nicht
mehr. Also griffen wir zum Sozius, zu tragbaren Beistell-Mischpulten,
die wir bei großen Produktionen mit dem Hauptpult verkoppeln
mussten. So zum Beispiel bei der Sendung »Name That Tune«,
bei der kurzfristig nicht nur wie geplant ein Orchester, sondern
auch noch eine Band auftreten sollte – und schon brauchten
wir doppelt so viele Eingänge wie bisher. Wer hätte das
ahnen können! Auch reichten die 10 Aux-Wege oftmals nicht aus.
Konnten wir uns bei der Anzahl der Kanäle mit einem Sozius noch
irgendwie behelfen, so war die Erweiterung der Aux-Wege nahezu unmöglich.
Heutzutage hat sich das für uns dank CANTUS von Stage Tec drastisch
geändert. CANTUS erlaubt nämlich eine schnelle Umkonfiguration
des Pultes, sobald sich die Anforderungen ändern. Damit muss
man einfach nur ein neues, sogenanntes Project definieren, in dem
man die Anzahl der Eingänge, Aux-Wege, Subgruppen etc. neu bestimmen
kann. Um es auf den Punkt zu bringen: mit einem CANTUS kann sich
der Toningenieur das Pult so konfigurieren, wie er es für eine
bestimmte Aufgabe haben möchte.
Erweitern der Hardware
Selbstverständlich richtet sich die maximale Anzahl der Mischpultkanäle
sowie der anderen Features eines CANTUS nach den installierten ADSP-Baugruppen.
Sie stellen die DSP-Power zur Bearbeitung zur Verfügung und können
diese Power beliebig auf die geforderten Funktionen aufteilen. Reicht
die DSP-Kapazität nicht mehr aus, weil die Anforderungen – siehe
oben – sprunghaft gestiegen sind, dann kann man sich heute behelfen:
Man schiebt einfach weitere ADSP-Karten in den CANTUS-Audioprozessor,
installiert sie softwareseitig – und hat damit eine komfortable
und günstige Erweiterung des Pultes vorgenommen!
Selbst die Anzahl der Pegelsteller auf der Konsole kann man schnell
und unbürokratisch erweitern. Beispiel: Das unlängst bei
ABC TV Network Stages in Los Angeles installierte CANTUS enthält
zur Zeit mehrere Blindplatten, die bei Bedarf durch Fader-Baugruppen
ersetzt werden. Schnittstellenkarten und Verbindungskabel müssen
noch angeschlossen und die Software mit Hilfe eines Programmes aktualisiert
werden – ein Kinderspiel.
Ein NEXUS für alle
Nahezu unmöglich war es früher, einem Mischpult zusätzliche
Mikrofoneingänge oder gar Schnittstellen in irgendeinem neuen
Digitalstandard nachzurüsten. Außerdem waren die Mischpultkanäle
und die Pulteingänge mehr oder weniger fest aneinander gebunden;
neue Mikrofoneingänge hätten also auch wiederum neue Mischpultkanäle
bedeutet – Probleme siehe oben. Wer jedoch mit einem CANTUS
arbeitet, kann die Anzahl der Ein- und Ausgänge jederzeit erweitern,
unabhängig von den Mischpultkanälen oder gar den physikalischen
Faderkassetten. Für die I/O-Sektion ist nämlich der Digitalrouter
NEXUS zuständig, den man ebenfalls durch Hinzufügen neuer
Steckkarten mit den verschiedensten Audio-Interfaces nachrüsten
kann. Und da das NEXUS eine campusweite und vernetzte gemeinsame
I/O-Sektion aller angeschlossenen CANTUS-Pulte darstellt, kann jeder
beliebige Ein- oder Ausgang auf jedes beliebige Pult des Studiokomplexes
geroutet werden.
Wartung: Es war einmal …
Ein anderes technisches Problem bei Analogpulten sind nicht mehr funktionierende
Schalter und störanfällige Drehregler. Besonders die nur
selten verwendeten Schalter und Potis fangen bekanntlich nach einer
Weile an zu kratzen. Wer erinnert sich nicht an die Stunden, die ein
hoch bezahlter Servicetechniker mit dem Drehen an allen Reglern und
dem Drücken aller Tasten verbrachte, um sie für den Studioalltag
gängig zu halten?
Einem CANTUS sind derlei »Wartungsarbeiten« fremd. Es
braucht nicht mehr prophylaktisch geschraubt und gedrückt zu
werden, weil die Regler und Tasten des CANTUS die Audiosignale nicht
mehr direkt selbst bearbeiten. Vielmehr handelt es sich um Elemente
zum Steuern bestimmter Vorgänge – die tatsächliche
Pegelstellung, Stummschaltung usw. findet auf den ADSP-Karten statt.
Tatsächlich haben die vielen CANTUS-Besitzer bis heute festgestellt,
dass das Pult verglichen zu analogem Standard wirklich wartungsfrei
ist.
The show will go on
Ich will nicht verschweigen, dass es bei Digitalkonsolen auch neue,
aus der Analogtechnik unbekannte Störungen geben kann; selbst
im sagenumwobenen Jahr 2001! Die Rede ist von den berüchtigten
Systemabstürzen, von der Stabilität der Software. Wer kennt
nicht mindestens eine Story eines Digitalpults, das mitten in einer
Live-Veranstaltung plötzlich den Dienst verweigerte? Der Name
CANTUS fällt in solchen Geschichten jedoch nie. CANTUS stürzt
schlicht nicht ab, und das ist für uns Amerikaner immer wieder
unglaublich. Wie kann man ein System trotz der Verwendung von Microsoft
Windows (Sorry, Bill!) so stabil halten? Ganz einfach: der Windows-PC
hat mit den Mischvorgängen gar nichts zu tun. Er dient lediglich
zum Speichern der Einstellungen und zum Aktualisieren bestimmter
Konfigurationen. Selbst wenn der PC mal abstürzen sollte – the
show will go on. Das CANTUS lässt sich davon nicht beirren.
Wie gewohnt
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ob man mit einem CANTUS überhaupt
noch normal arbeiten kann vor lauter Computer, Steckkarten und Setups.
Aber selbstverständlich! Der Toningenieur hat nach wie vor den
Eindruck, mit einem »echten« Mischpult zu arbeiten – obwohl
er an einer hochspezialisierten DSP-Farm sitzt. Die Ära mit
reiner Bildschirmbedienung oder gar mausgesteuerter Mischung (haben
Sie schon einmal eine Kreuzblende mit nur einer Maus versucht?) hat
CANTUS schlicht übersprungen und präsentiert sich statt
dessen genau wie eine analoge Konsole. So gibt es beispielsweise
echte PFL- und SOLO-Tasten, Faderzüge und hochauflösende
Meter. Die zusätzlich von CANTUS gebotenen Vorteile sind allerdings
so zahlreich, dass es heute keine Wahl mehr gibt: Die Zukunft ist
digital – und zwar mit CANTUS, nicht mit HAL.
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