AURATUS platinum

Signalbearbeitung und Funktionen

Der Audioprozessor der AURATUS-Konsole besteht aus der XCMC, einer kompakten 3-HE-NEXUS-Steckkarte. Auf der XCMC-Einsteckkarte sind neben der Tonbearbeitung des AURATUS-Mischpultes auch das vollständige I/O-Routing sowie die Audioschnittstellen für den Anschluss externer Geräte untergebracht. Die Leistungsaufnahme beträgt lediglich 8 Watt. Die XCMC unterstützt die Abtastfrequenzen von 48 und 96 kHz ohne Einschränkungen, d.h. die verfügbaren Mischpultressourcen, Kanäle und Busse, stehen immer zur Verfügung.

Die Audiosignal-Bearbeitung umfasst das Eingangs-Routing, Eingangskanäle verschiedener Art, unterschiedliche Bustypen, Ausgangskanäle, die eine Bearbeitung der Summenbusse ermöglichen, und das Ausgangs-Routing. Die Signalbearbeitung ist bei AURATUS fest konfiguriert. Bei der Arbeit mit verschiedenen AURATUS-Mischpultsystemen nutzt der Anwender identische Mischpultstrukturen und weitgehend gleichartige Bedienoberflächen.

Die Signalbearbeitung wird durchgängig mit einer 40-Bit-Gleitkomma-Arithmetik gerechnet. Hierdurch ist neben einer erstklassigen Tonqualität für Equalizer-, Filter- und Dynamikmodule eine praktisch übersteuerungsfeste, mischpultinterne Signalbearbeitung gewährleistet. Die AURATUS-Konsole kann als reines Stereo-Pult oder als Surround- (5.1) betrieben werden, je nachdem ob reine Stereoprojekte oder 5.1-Projekte geladen werden.

Die Struktur der Audiokanäle entspricht der Denk- und Arbeitsweise analoger Systeme. Darüber hinaus wurden Beschränkungen aufgehoben und zusätzliche Funktionen zur Erhöhung der Flexibilität bereitgestellt. Die Kanäle sind aus Bearbeitungsmodulen, wie Fader, EQ-Filterblock, Kompressor, Expander/Gate, Delay, Limiter, Insert, Mute, etc. aufgebaut.

Busse

Das Bussystem des AURATUS, das in der Mischpultbaugruppe integriert ist, bietet zusätzlich zum NEXUS-TDM-Bussystem ein eigenes System. Diese Gruppen-, Summen-, Auxiliary- und N-1-Busse summieren jeweils die Signale der aufgeschalteten Kanäle. Alle Bussignale können unbearbeitet über NEXUS ausgegeben werden. Ferner sind für die Busse eigene Kanäle vorgesehen — so genannte Buskanäle —, die eine weitere Signalbearbeitung und Pegeleinstellung der Bussignale zulassen.

Monitoring

AURATUS ist mit einem stereofonen und einem 5.1-Abhörweg ausgestattet (5.1 nur in AURATUS-Mehrkanalprojekten). Die Quellenwahl ist für beide Monitorwege frei wählbar, auch NEXUS-Signale können direkt auf den Abhörkanal geschaltet werden. Zum Abhören eines Kanals bietet AURATUS verschiedene Solo- und PFL-Modi. Für PFL ist ein getrennter Stereobus vorgesehen, zusätzlich sind die Funktionen Back-Stop-PFL (Fader-Overpress-Funktion) und priorisiertes PFL möglich. Die Solo-Funktion in AURATUS ist vollständig mehrkanalfähig. Je nach gewählter Konfiguration ist ein bis zu 5.1-kanalig ausgelegter Solo-Bus verfügbar. Außerdem können im System vorhandenen Signale als Abhörquellen dienen: NEXUS-Eingänge, Inserts, Kanalausgänge, Mischpultbusse oder Direktausgänge. Auf Tastenfeldern in der Abhör- und in der Kanalkassette sind die Quellen kundenspezifisch anwählbar.

Automation

Das AURATUS-Mischpultsystem ist mit einer statischen Automation ausgestattet, mit der sich die Audioparameter aller Bearbeitungskanäle speichern und wieder laden lassen. Die aktuellen Parametereinstellungen werden als sogenannte »Snapshots« im aktuellen Projekt abgelegt. Bis zu 99 Snapshots, die sich individuell benennen lassen, können innerhalb eines Projekts verwaltet werden. AURATUS erlaubt darüber hinaus auch die Speicherung von Teil-Snapshots, in denen nur bestimmte Parameter abgelegt sind.

Steuersystem »Logic Control«

Die NEXUS Logic Control ist ein flexibles, programmierbares Logiksystem für Schalt- und Steuerfunktionen, die Anwender entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen definieren können. Über Logic Control können diverse Parameter des NEXUS-Systems abgefragt werden, beispielsweise Koppelpunktschaltungen, Faderstartkontakte, ein- und ausgangsseitige Pegel und die Signalisierung systeminterner Fehlerzustände. Logic Control kann viele unterschiedliche Ereignisse steuern, beispielsweise die Rotlichtsteuerung, Räuspertasten, Sendeschalter, Leitungspegelüberwachung, automatische Havarie-Schaltungen und Kommandoanlagen. AURATUS verfügt über jeweils 256 Logic Control-Eingänge und -Ausgänge.

Konferenzschaltung mit N–1

Mit dem N-1-System lassen sich komplexe Konferenzschaltungen realisieren. Alle Kommentatoren, die nicht »On Air« sind, können miteinander kommunizieren. Wird einer von ihnen in die laufende Sendung geblendet, wird er automatisch in der Konferenz abgeschaltet. Erst wenn sein Fader geschlossen wird, kann er wieder an der Konferenz teilnehmen. Im AURATUS lasen sich bis zu 8 N-1-Busse individuell konfigurieren.

Offline Editor: AURATUS-Konfigurationen ohne Pult

Anwender in wechselnden Produktionsumgebungen werden die Offline-Konfigurationsmöglichkeiten des AURATUS schätzen, denn sie bringen Zeit- und Kostenvorteile bei Produktionen mit engem Timing, beispielsweise auf dem Ü-Wagen oder bei Live-Events.
Mit dem Offline-Editor kann die Konfiguration eines AURATUS schon vorbereitet werden, wenn die Konsole noch gar nicht vor Ort, sondern noch bei einer anderen Produktion im Einsatz ist. Sämtliche Arbeiten wie Kanalzuweisungen, etc. werden in einem Stand-Alone-Editor auf einem PC vorgenommen. Projekte werden dann über SD-Karten ins Pult geladen. Es geht auch anders herum: Projekte werden aus der Konsole importiert und im Offline-Editor weiter bearbeitet.

Spill-Funktion

Um auf einem Mischpult Platz zu sparen, werden Bedienzüge häufig mit mehreren Kanälen belegt. Dann liegt aber nur ein Audiokanal im Vordergrund, die anderen zur Steuergruppe gehörenden Kanäle befinden sich im Hintergrund. Sie sind verkoppelt und werden bei der Bedienung mit gesteuert. Soll nun ein Kanal aus dem Hintergrund korrigiert werden, hilft die Spill-Funktion. Ein Druck auf die Spill-Taste bringt alle Kanäle zur Bearbeitung an die Oberfläche. Nach der Korrektur, liegt der Hauptlayer durch erneutes Drücken der Spilltaste wieder im Vordergrund.

Der Vorteil der Spill-Funktion: Das Mischprojekt ist besser strukturiert, der Anwender kann schneller auf alle Signale zugreifen und behält den Überblick, weil er nur im Hauptlayer arbeiten muss - wichtig für den Live-Betrieb. Normalerweise muss die Definition der Layer bei kleinen Digitalpulten sehr gut durchdacht werden, aber Dank der Spill-Funktion hat die Aufteilung der Layer an Bedeutung verloren.

TREM – die virtuelle Kanalerweiterung

Die virtuelle Kanalerweiterung TREM simuliert physisch nicht vorhandene Bedienstreifen auf einem abgesetzten PC, der via Ethernet an das Pult angeschlossen ist. Sämtliche Mischaufgaben lassen sich über die Software erfüllen, denn das GUI simuliert bei Bedarf alle Bedienelemente, die auch auf physisch vorhandenen Kassetten zu finden wären, einschließlich aller Meterings, Fader und Drehregler. Der Anwender kann wählen wie groß oder klein die manuell bedienbare Pultoberfläche sein soll: Im Minimalfall genügt eine Fadereinheit mit acht Kanalzügen plus je zwei Drehreglern und drei Tasten über jedem Bedienstreifen. Alles andere kann - sofern sinnvoll und gewünscht - auf den PC ausgelagert werden.

Down-Mix-Matrix

Die eigenständige »Down-Mix«-Matrix ermöglicht die Überführung eines 5.1-Mehrkanalsignals in ein Stereosignal. Die Matrix, deren Ein- und Ausgänge frei im NEXUS-System verfügbar sind, kann beispielsweise zur stereofonen Abhörkontrolle einer Mehrkanalmischung dienen oder zum Heruntermischen eines Mehrkanalformates eingesetzt werden. Zur individuellen Anpassung an das Programmmaterial sind die Ein- und Ausgangspegel getrennt einstellbar.

AURATUS-Fernsteuerung durch Steuersysteme

Verschiedene Funktionen, bspw. die Steuerung im Fader, Mute, Panpot, PFL sowie Faderblenden, lassen sich durch externe Steuersysteme beeinflussen. AURATUS unterstützt einige Protokolle (z.B. von der Firma Ross Video Limited das Ross Audio Protokoll) im Format RS232.